http://www.faz.net/-gqe-756fi
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.12.2012, 08:36 Uhr

Billigfluglinie Ryanair soll beim Gewicht geschummelt haben

Bis zu acht Tonnen Startgewicht soll Ryanair verheimlicht haben. Dadurch soll die irische Billigfluglinie Gebühren in Millionenhöhe umgangen haben. Ryanair erleidet zudem im Übernahmekampf um Aer Lingus einen weiteren Rückschlag.

© dapd In Deutschland soll Ryanair pro Flug 17 Euro Gebühren weniger gezahlt haben

Die irische Billigfluglinie Ryanair soll Medienberichten zufolge ihre Jets auf dem Papier als zu leicht angegeben und dadurch möglicherweise Gebühren in Millionenhöhe umgangen haben. Wie „Die Welt“ (Mittwoch) berichtet, hat die Airline beim Startgewicht ihrer Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 bis zu acht Tonnen verheimlicht und dadurch in Deutschland pro Flug 17 Euro Gebühren weniger gezahlt. Auf das Jahr hochgerechnet ergebe das rund 370.000 Euro, in ganz Europa könne sich der Schaden auf bis zu 50 Millionen Euro summieren, schreibt das Blatt unter Berufung auf Berechnungen von Luftfahrtexperten.

Ryanair wollte sich in dem Fachmagazin „Cargo Forwarder“, das ebenfalls über Gewichtsdifferenzen berichtete, nicht zu „Gerüchten oder Spekulationen“ äußern. Das Unternehmen habe sich aber an Boeings Vorgaben gehalten und werde auf Anfragen der europäischen Flugsicherung Eurocontrol direkt antworten, hieß es.

Mehr zum Thema

Die Deutsche Flugsicherung DFS bestätigte in beiden Berichten die Vorwürfe. Sie habe die Gebühren stets auf Basis eines Startgewichts der Jets von rund 67 Tonnen berechnet. Nach Kontrollen an den Flughäfen Bremen und Hahn seien die aber auf ein Gewicht von 75 Tonnen angepasst worden, sagte ein Sprecher der „Welt“. Juristen der DFS prüften den Fall. Sollte sich die Gebührenhinterziehung bestätigen, wolle die Deutsche Flugsicherung rechtliche Schritte einleiten und sich nicht gezahlte Gebühren notfalls per Gerichtsentscheid zurückholen.

Ryanair hat derweil im Übernahmekampf um seinen Konkurrenten Aer Lingus einen weiteren Rückschlag erlitten. Der irische Verkehrsminister Leo Varadkar sprach sich am Dienstag gegen eine entsprechende Transaktion aus. Die Regierung werde den feindlichen Übernahmeversuch nicht unterstützen. Für Irland seien keine Vorteile erkennbar. Irland hält an der Fluggesellschaft einen Minderheitsanteil.

Ryanair versucht derzeit in einem dritten Anlauf, die Mehrheit bei Aer Lingus zu erringen. Dieses Übernahmevorhaben wird von der EU-Kommission geprüft. Die EU-Kommission fürchtet im Fall einer Übernahme um den intakten Wettbewerb auf vielen Strecken und hat bereits eine Bedenkenliste veröffentlicht. Ryanair hält seit Jahren knapp 30 Prozent an Aer Lingus. Der erste Übernahmeversuch war 2007 von der EU gestoppt worden, den zweiten hatte Ryanair selbst abgesagt. Den britischen Kartellwächtern ist unterdessen allein die Beteiligung von 30 Prozent ein Dorn im Auge.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Weitere Nachrichten VW muss 5 Milliarden Dollar mehr für Diesel-Vergleich einkalkulieren

Die Aufarbeitung des Diesel-Skandals in den Vereinigten Staaten könnte für Volkswagen teurer werden als erwartet, Ryanair will neue Flugzeuge außerhalb Großbritanniens stationieren und Pariser Steuer-Ermittler beantragen Prozess gegen UBS. Mehr

28.06.2016, 06:51 Uhr | Wirtschaft
Die Mannschaft Mit dem Fan-Flieger nach Frankreich

Mit der Fanhansa wird sich die deutsche Nationalmannschaft am Dienstag auf den Weg zur Europameisterschaft in Frankreich machen. Auch Fans werden mit dem Team von Bundestrainer Jogi Löw in der Boeing 737 sitzen. Der Fanflieger soll während der Fußball-EM vorrangig zwischen Deutschland und Frankreich im Einsatz sein. Mehr

06.06.2016, 15:39 Uhr | Sport
2:1 gegen Irland Griezmann ist Frankreichs Retter

Mit viel Mühe qualifiziert sich Frankreich für das EM-Viertelfinale. Beim 2:1-Sieg über Irland trifft Griezmann doppelt für den Gastgeber. Dabei beginnt das Spiel für die Franzosen mit einem Schock. Mehr Von Roland Zorn, Paris

26.06.2016, 16:58 Uhr | Sport
Boeing 747 Abschied vom Jumbo-Jet

Die Boeing 747 hat das Fliegen revolutioniert. Doch mit einer Entwicklung im modernen Flugverkehr kann der Jumbo-Jet nicht mehr mithalten. Der Abschied naht. Mehr Von ULRICH FRIESE

03.06.2016, 10:55 Uhr | Wirtschaft
Günstiger Pfund-Wechselkurs Jetzt können Verbraucher in England billig bestellen

Das britische Pfund ist jetzt so billig wie lange nicht. Das macht Einkaufen und Reisen in England günstiger. Auch online kann man Schnäppchen machen. Mehr

24.06.2016, 14:11 Uhr | Finanzen

Das Autorennen startet erst

Von Henning Peitsmeier

Im Rennen darum, wer beim Thema autonomes Fahren die Nase vorn hat, schmieden sich ungewöhnliche Allianzen. Auch über Branchengrenzen hinweg, wie das Abkommen von BMW mit Intel und Mobileye zeigt. Mehr 1 1

Grafik des Tages Ist der Mindestlohn schlimm?

Seit anderthalb Jahren gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn. Immer noch zweifeln viele Firmen, dass er ihre Erträge schmälern wird - besonders in einer Branche. Mehr 0

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden