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Bilanzsaison in New York Die Kreditkrise hält die Banken in Atem

17.04.2008 ·  Die Bilanzsaison der amerikanischen Banken gewinnt an Fahrt: Am Montag hat das viertgrößte Kreditinstitut Wachovia enttäuscht, am Mittwoch überraschte der Branchendritte J.P. Morgan positiv. Am heutigen Donnerstag legt die Investmentbank Merrill Lynch Zahlen vor.

Von Norbert Kuls, New York
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Die Bilanzsaison der von der Kreditkrise gebeutelten amerikanischen Banken gewinnt an Fahrt. Nachdem am Montag das viertgrößte Kreditinstitut Wachovia Corp. die Wall Street mit einem Verlust im ersten Quartal enttäuscht hatte, überraschte der Branchendritte J.P. Morgan Chase & Co. am Mittwoch positiv: Der Gewinnrückgang fiel niedriger aus als befürchtet. Auch die große Regionalbank Wells Fargo übertraf trotz eines leichten Gewinnrückgangs die Erwartungen der Analysten.

Das Ergebnis von J.P. Morgan wurde allerdings von Abschreibungen bei Hypothekenanlagen sowie bei Krediten belastet, die für die Übernahme von Unternehmen vorgesehen sind. Dazu erhöhte J.P. Morgan wie die meisten anderen Banken Rückstellungen für notleidende Kredite. Die Branche rechnet angesichts einer drohenden Rezession in den Vereinigten Staaten mit einem Anstieg der Zahlungsausfälle vor allem bei Verbraucherkrediten.

Kredite bleiben auf den eigenen Büchern

Die große Sparkasse Washington Mutual, die stark im Hypothekengeschäft engagiert ist, wies für das erste Quartal einen Verlust aus. Der großen Investmentbank Merrill Lynch, die am heutigen Donnerstag ihre Quartalsergebnisse vorlegen wird, droht einem Bericht des „Wall Street Journal“ zufolge ebenfalls ein Verlust. Merrill muss möglicherweise Abschreibungen bis zu 8 Milliarden Dollar auf hypothekenbesicherte Wertpapiere vornehmen, hieß es.

Fallende Immobilienpreise und steigende Zahlungsausfälle bei Hypotheken für wenig kreditwürdige Kunden (Subprime) in Amerika hatten in einer Kettenreaktion zu einer globalen Kreditkrise geführt. Banken hatten in den vergangenen Monaten Schwierigkeiten, Hypotheken und andere Kredite wie zuvor üblich an Investoren weiterzureichen. Sie müssen die Kredite daher auf den eigenen Büchern halten und deren Wert bei fallenden Preisen berichtigen.

Der Vorstandschef von J.P. Morgan, Jamie Dimon, rechnet mit einer anhaltend schwachen Konjunktur und Belastungen an den Kapitalmärkten. „Diese Faktoren haben und werden wahrscheinlich auch weiterhin unsere Kreditverluste, unser Geschäftsvolumen und unsere Gewinne belasten - möglicherweise bis zum Ende des Jahres oder länger“, sagte Dimon.

Finanzwerte büßen an der Wall Street um mehr als 15 Prozent ein

J.P. Morgan Chase, die derzeit die angeschlagene Investmentbank Bear Stearns übernimmt, berichtete für das erste Quartal gegenüber dem Vorjahr über einen Rückgang des Nettogewinns um 50 Prozent auf 2,37 Milliarden Dollar oder 68 Cent je Aktie. Analysten hatten nach Angaben des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial im Durchschnitt mit einem Gewinn von nur 64 Cent je Anteilschein gerechnet.

Bei Übernamekrediten und Hypotheken schrieb J.P. Morgan insgesamt 2,6 Milliarden Dollar ab. Zudem erhöhte die Bank die Rücklagen für Kreditausfälle um 2,5 Milliarden Dollar. Fast die Hälfte davon entfällt auf sogenannte Home-Equity-Kredite. Das sind Darlehen, die viele Hausbesitzer während des Aufschwungs des Häusermarktes auf den gestiegenen Wert ihrer Immobilien aufgenommen hatten. Angesichts der fallenden Preise geraten diese Personen nun in Zahlungsschwierigkeiten.

Der Aktienkurs von J.P. Morgan reagierte im frühen Handel an der Wall Street mit kräftigen Aufschlägen. In diesem Jahr war der Aktienkurs der Bank bisher um vergleichsweise geringe 3 Prozent gefallen. Insgesamt haben die Kurse der Finanzwerte im Aktienindex S&P 500 um mehr als 15 Prozent eingebüßt.

„Ein bisschen Glauben haben“

Washington Mutual hat für das erste Quartal einen Verlust von mehr als 1,1 Milliarden Dollar ausgewiesen. Analysten hatten mit einem Fehlbetrag in dieser Größenordung gerechnet, da Washington Mutual die Aktionäre bereits in der vergangenen Woche auf einen erneuten Quartalsverlust vorbereitet hatte. Vorstandschef Kerry Killinger avisierte eine Erholung des Geschäfts innerhalb eines Jahres. „Ich will, dass sich die Leute beruhigen und ein bisschen Glauben haben“, sagte Killinger.

Wachovia hatte einen Nettoverlust von 350 Millionen Dollar gemeldet, obwohl Analysten mit einem Gewinn gerechnet hatten. Auch Wachovia hatte die Rücklagen für potentielle Kreditausfälle erhöht. Die Probleme von Wachovia stammen vornehmlich aus der Akquisition der stark im Hypothekengeschäft tätigen kalifornischen Regionalbank Golden West vor zwei Jahren. Wenig später hatte der Abschwung des amerikanischen Häusermarktes begonnen, was zu steigenden Zahlungsausfällen bei Hypothekenschuldnern führte.

Analysten hatten in den vergangenen Wochen ihre Prognosen für die Finanzbranche weiter heruntergesetzt. Am Freitag steht der Quartalsbericht des größten amerikanischen Finanzdienstleisters Citigroup an. Analysten rechnen mit Abschreibungen von bis zu 18 Milliarden Dollar.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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