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Veröffentlicht: 30.08.2013, 16:45 Uhr

Bettencourt gegen Nestlé Wer hat die Macht über L’Oréal?

Im kommenden Jahr läuft der Pakt der Familie Bettencourt mit dem Schweizer Konzern Nestlé aus. Die Bettencourts bleiben, doch was wird aus dem Rest?

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© REUTERS L’Oreal läuft

In den Aktionärskreis des französischen Kosmetikherstellers L’Oréal könnte demnächst Bewegung kommen. Das vermuten jedenfalls etliche Anleger und Analysten. Grund dafür ist, dass Führungskräfte des französischen Unternehmens sowie des schweizerischen L’Oréal-Großaktionärs Nestlé mit öffentlichen Äußerungen für Spekulationen über einen Verkauf der Nestlé-Anteile gesorgt haben.

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Der L’Oréal-Vorstandsvorsitzende Jean-Paul Agon sagte an diesem Freitag während der Vorstellung der Halbjahresergebnisse, sein Unternehmen habe die Mittel, um die Nestlé-Anteile kaufen zu können. Hintergrund ist, dass der aktuelle Aktionärspakt zwischen Nestlé und dem anderen Großaktionär, der französischen Bettencourt-Familie, im Frühjahr 2014 ausläuft: Es geht um ein Aktienpaket, das derzeit rund 22 Milliarden Euro wert ist.

Nestlé ist seit dem Jahr 1974 an L’Oréal beteiligt, als die Bettencourts die Schweizer um Hilfe baten, weil sie eine Verstaatlichung durch die französische Regierung fürchteten. Die L’Oréal-Aktie gewann am Freitag an der Pariser Börse fast 5 Prozent an Wert, wozu allerdings auch gute Halbjahresergebnisse beitrugen. Etliche Analysten setzten ihre Empfehlungen herauf.

Druck auf die Bettencourts

Im Fall eines Aktienkaufs der Nestlé-Anteile durch L’Oréal würde die Zahl der Aktien deutlich sinken und der Konzerngewinn je Aktie steigen, hoffen etliche Anleger. Gleichzeitig wäre die strategische Unsicherheit wegen der beiden unterschiedlichen Großaktionäre, die beide rund 30 Prozent der L’Oréal-Aktien halten, beendet.

Nestlé-Verwaltungspräsident Peter Brabeck hatte die Spekulationen in dieser Woche losgetreten, als er das gegenseitige Vorkaufsrecht des Aktionärspaktes mit der Familie Bettencourt für überflüssig erklärte. Es würde nicht verlängert werden, wenn der Aktionärspakt auslaufe, sagte er in einem Interview.

Damit wolle er Druck auf die Familie Bettencourt ausüben, kommentierten einige Analysten. Unklar bliebt allerdings, mit welchem Ziel er dies wollen könnte. Auf jeden Fall kann es der Familie Bettencourt, die auf den Konzerngründer Eugène Schueller zurückgeht, nicht recht sein, wenn die Nestlé-Anteile in unliebsame Hände geraten sollten.

Verkauft L'Oreal seine Sanofi-Anteile?

Mit dieser Option schien Brabeck zu drohen. L’Oréal-Chef Agon reagierte nun während er die Halbjahresergebnisse vorstellte: Man habe genügend finanzielle Mittel, um die Nestlé-Aktien selbst zu erwerben, sagte er. Dies könnte nicht nur mit den Barmitteln von rund 572 Millionen Euro finanziert werden, denn diese würden nicht reichen.

Doch L’Oréal könnte sich auch von seiner 9 Prozent-Beteiligung am französischen Pharmakonzern Sanofi trennen. Das Paket, das derzeit rund 9 Milliarden Euro wert ist, sei immer nur eine Finanzbeteiligung gewesen und daher verzichtbar, sagte Agon. Die Beteiligung hat historische Wurzeln, die weit zurückreichen: Sanofi ging einst aus dem Ölkonzern Elf Aquitaine hervor, der heute Total heißt. Im Jahr 1998 entschieden der Ölkonzern und L’Oréal, ihre beiden Pharma-Tochtergesellschaften zusammenzulegen.

So entstand das Unternehmen Sanofi-Synthélabo, das durch eine Vielzahl von Übernahmen, darunter der deutsch-französische Konkurrent Aventis, zu einem der größten Pharmahersteller der Welt aufstieg. Nestlé reagierte am Freitag auf L’Oréal mit dem Hinweis, dass die Beteiligung wie bisher als langfristiges strategisches Engagement zugunsten der Aktionäre angesehen werde. Sofern Entscheidungen getroffen würden, fielen diese im besten Interesse von Nestlé, sagte ein Sprecher.

L'Oreals Erfolg als Grund für die Planspiele

Deutlicher war Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck in einem Interview mit der Handelszeitung in der Schweiz geworden. Nach den Worten Brabecks werde sein Unternehmen das im April kommenden Jahres auslaufende Vorkaufsrecht nicht verlängern, „weil uns das Vorkaufsrecht in der Vergangenheit eine Werteinbuße eintrug“, wie er sagte.

Allerdings werde sich 2014 nicht viel ändern, so Brabeck weiter. Er geht aber davon aus, dass das Aktienpaket wegen des fehlenden gegenseitigen Vorkaufsrechts an Wert gewinnt. Das Ringen um das große L’Oréal-Paket hat seine Ursache auch im wirtschaftlichen Erfolg des Kosmetikherstellers, der auf diesem Markt weltweit die Nummer eins ist.

Der Betriebsgewinn von L’Oréal stieg im ersten Halbjahr 2013 um 7,7 Prozent auf gut 2 Milliarden Euro. Dies entspricht einer operativen Umsatzrendite von 17,4 Prozent, die in der Unternehmensgeschichte noch nie so hoch lag. Konzernchef Agon bestätigte die Gewinnziele für das ganze Jahr 2013. Er erwarte, dass L’Oréal sich abermals besser entwickele als der Markt im Durchschnitt. Gewinn und Umsatz würden weiter steigen.

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Quelle: F.A.Z.

 

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