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Betrugsverdacht Auch die Briten ermitteln gegen Goldman Sachs

20.04.2010 ·  Nach den amerikanischen Behörden ermittelt nun auch die britische Finanzaufsicht FSA gegen Goldman Sachs. Man werde eine „formale Ermittlung“ in Gang setzen, teilte die FSA in London mit. Politiker von Union und FDP gehen auf Distanz zu der Investmentbank.

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Der Gegenwind für die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird nun auch in Großbritannien und Deutschland stärker. Nach der Klage der amerikanischen Börsenaufsicht SEC nimmt jetzt die britische Finanzaufsicht FSA die Bank mit Blick auf Interessenkonflikte bei komplizierten Finanzprodukten vor der Finanzkrise unter die Lupe.

Es geht um den Vorwurf, die Bank habe Anleger bei Investments in riskante Papiere bewusst getäuscht. Premierminister Gordon Brown hatte die FSA am Wochenende zu einer Untersuchung gedrängt. Er sei schockiert über den „moralischen Bankrott“ der Investmentbank.

Die britische FSA kündigte am Dienstag nun eine formelle Untersuchung von Goldman an. Dabei geht es um die gleichen Vorwürfe, die bereits die SEC erhoben hatte. Die SEC wirft Goldman Sachs vor, ihren Kunden einen Interessenkonflikt verschwiegen zu haben. So soll das Institut komplexe Pakete mit zweifelhaften Hypothekendarlehen geschnürt und an Investoren weiterverkauft haben, ohne die Anleger zu informieren, dass ein großer Hedgefonds auf einen Kursverfall dieser Papiere spekulierte. Der Hedgefonds Paulson & Co. war ein Geschäftspartner von Goldman Sachs und hatte die Platzierung der umstrittenen Hypothekenanleihen unterstützt. Der einflussreiche Hedgefonds-Manager John Paulson hat demnach für die Bank an der Konstruktion des komplizierten Finanzprodukts mitgearbeitet und zugleich selbst dagegen gewettet (siehe Wall-Street-Legende John Paulson im Zwielicht). Goldman Sachs wies die Anschuldigung als unbegründet zurück.

Bundesregierung prüft Schadenersatzforderungen

Zu den Käufern des CDO gehörte neben der deutschen Mittelstandsbank IKB auch die niederländische ABN Amro, die später in der Royal Bank of Scotland aufging. Die IKB hat laut der Klage fast ihr gesamtes Investment von 150 Millionen Dollar in das betroffene CDO verloren. Die FSA kündigte an, eng mit der SEC zusammenzuarbeiten. Der für den CDO verantwortliche Goldman-Manager Fabrice Tourre hatte zuletzt in London für die Bank gearbeitet, derzeit nimmt er nach Angaben des Instituts eine „Auszeit“.

Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin und die französische Wertpapieraufsicht hatten schon erklärt, sie prüften, ob sie aktiv werden sollten (siehe auch Auch deutsche Aufsicht erwägt Schritte gegen Goldman ). Politiker von Union und FDP stellten alle Geschäfte der deutschen Regierung mit Goldman Sachs angesichts der Vorwürfe in Frage. So lange die Ermittlungen der SEC liefen, sollte die Zusammenarbeit auf Eis gelegt werden, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Auch der Obmann der FDP-Bundestagsfraktion im Finanzausschuss, Frank Schäffler, sagte: „Wir sollten die Geschäftsbeziehungen mit der US-Bank ruhen lassen, bis die Vorwürfe geklärt sind.“ Goldman Sachs Deutschland äußerte sich dazu nicht.

Deutschland-Statthalter Dibelius gehörte lange zu den von Bundeskanzlerin Angela Merkel geschätzten Gesprächspartnern. Die Bank war unter anderem am gescheiterten Börsengang der Deutschen Bahn beteiligt, Dibelius hatte auch vor der Insolvenz von Arcandor einen Rettungsversuch unternommen, der von der Regierung aufmerksam verfolgt worden war. Zu Jahresbeginn hatte der Banker jedoch für Unmut in der deutschen Politik gesorgt, als er öffentlich eine gesellschaftliche Verantwortung der Banken für das Gemeinwohl verneinte.

Die umstrittene Bank legte derweil überraschend gute Quartalsergebnisse vor: Der Überschuss verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahezu auf 3,3 Milliarden Dollar. Goldman verdiente wieder einen Großteil davon im klassischen Wertpapiergeschäft. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Gewinn gerechnet.

Das Institut hat in der Finanzkrise seinen Status als reine Investmentbank aufgegeben und gilt inzwischen als einflussreichstes Geldhaus an der Wall Street.

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Von Heike Göbel

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