Home
http://www.faz.net/-gqe-74ak0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
Risikoabsicherung

Bestechungsvorwürfe Druck auf EADS steigt

Die Bestechungsaffäre um den Eurofighter-Kauf Österreichs zu Zeiten von Jörg Haider erhält neue Brisanz. Den EADS-Vorstand haben neue Details in Alarmstimmung versetzt, heißt es.

© dapd Vergrößern

In der Eurofighter-Affäre um mögliche Bestechungsgeschäfte durch den europäischen Luftfahrt- und Verteidigungskonzern EADS sind am Wochenende neue Details bekanntgeworden. Das Unternehmen steht unter Verdacht für den Verkauf von Kampfflugzeugen nach Österreich illegale Zahlungen an österreichische Entscheidungsträger geleistet zu haben.

Christian Schubert Folgen:      

Mehrere Staatsanwaltschaften in Europa sind einem Netzwerk von mysteriösen Firmen auf der Spur, heißt es. EADS kooperiert nach eigenen Angaben mit den Behörden, will sich zu den Vorwürfen konkret aber nicht äußern, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele. In Branchenkreisen ist jedoch zu hören, dass sich im EADS-Management „Alarmstimmung“ breitgemacht habe.

Netz von Scheinfirmen

Die sogenannte Eurofighter-Affäre um den Kauf der gleichnamigen Kampfflugzeuge durch Österreich schwelt seit Jahren. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss sowie die Staatsanwaltschaft in Wien ermittelten ohne konkrete Folgen für EADS. Durch die Festnahme des Geschäftsmannes Gianfranco Lande in Italien im vergangenen Jahr haben die Untersuchungen jedoch eine neue Dynamik bekommen, berichten „Spiegel“ und „Süddeutsche Zeitung“.

„Es besteht die Verdachtslage, dass EADS Deutschland versucht hat, über eine Konstruktion von verschiedenen Offshore-Gesellschaften Schmiergeldzahlungen an Unternehmen beziehungsweise Beamte zu leisten“, heißt es in einem Papier der österreichischen Ermittler. Eine Firma namens Victor Aerospace mit Sitz in London solle dabei im Mittelpunkt stehen.

Über ein Netz von Briefkastenfirmen soll 2006 unter anderem eine Stiftung in Kärnten eine Millionenzahlung erhalten haben. Wenig später gab der inzwischen verstorbene FPÖ-Politiker Jörg Haider seine Opposition gegen einen Zuschlag für EADS auf. Der Eurofighter stand damals im Wettbewerb gegen die amerikanische F-16 und dem schwedischen Modell Gripen.

Vorstand unter Druck

Wenn sich die Bestechungsvorwürfe erhärten, könnte Österreich den Vertrag über die Lieferung von 15 Eurofighter im Wert von 1,6 Milliarden Euro unter Umständen kündigen. Auch in der Schweiz, in Indien sowie in den Vereinigten Staaten könnten EADS bedeutende Aufträge entgehen.

EADS arbeitet daher mit Hochdruck an einer Antwort auf die Vorwürfe. In einem Brief ermahnte EADS-Chef Tom Enders seine Vorstandskollegen in der vergangenen Woche, dass nicht nur Ergebnisse zählten, „sondern auch die Art und Weise, wie wir sie erzielen“. „Rechtsbruch ist keine Option.“ Enders weiß, dass er unter dem Druck der Bundesregierung steht. Nicht zuletzt durch seine gescheiterten Fusionspläne mit BAE habe er sich dort etliche Feinde geschaffen, heißt es in politischen Kreisen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Checks der Luftwaffe Die Psyche von Kampfpiloten wird regelmäßig kontrolliert

Deutschlands Luftfahrtunternehmen führen nach dem Absturz von Germanwings-Flug 4U 9525 die Zwei-Piloten-Regel in den Cockpits ein. Einen psychologischen Check für aktive Piloten gibt es bislang nicht. Bei der Bundeswehr sieht das anders aus. Mehr Von Lorenz Hemicker

27.03.2015, 15:00 Uhr | Gesellschaft
Krieg im Jemen Neue Luftangriffe auf Sanaa

Im Jemen haben Kampfflugzeuge auch in der Nacht zum Samstag Stellungen in der Hauptstadt Sanaa angegriffen. Mehr

28.03.2015, 11:11 Uhr | Politik
Österreichische Skandalbank EZB schaltet sich in den Fall Hypo Alpe Adria ein

Die EZB fordert von europäischen Banken die Offenlegung ihres Österreich-Engagements. Deutsche Banken könnten auf einem Großteil ihrer Forderungen sitzenbleiben. Mehr Von Christian Geinitz, Johannes Pennekamp, Markus Frühauf Wien/Frankfurt

27.03.2015, 06:47 Uhr | Finanzen
Jordanien Vergeltungsaktion gegen IS-Extremisten

Jordanische Kampfflugzeuge haben am Donnerstag Stellungen der Extremistenmiliz Islamischer Staat bombardiert und sind auf dem Rückweg über das Heimatdorf ihres Kameraden geflogen, der von IS-Kämpfern bei lebendigem Leib verbrannt worden war. Mehr

06.02.2015, 10:10 Uhr | Politik
Ukrainischer Oligarch Kolomojskij tritt zurück

Der ukrainische Oligarch Ihor Kolomojskij ist von seinem Amt als Gouverneur von Dnipropetrowsk zurückgetreten. Sein Rückzug kommt nach einer Reihe von Verwicklungen um Energiefirmen, an denen er beteiligt war. Mehr

25.03.2015, 09:15 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 11.11.2012, 20:01 Uhr

Grünes Autoländle

Von Susanne Preuß

Der Verkehrsminister von Baden-Württemberg wünscht sich Autos ohne Emissionen - die Industrie arbeitet bereits daran. Grüne Zukunftsvisionen aus dem Autoländle. Mehr 2 1


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Die Arbeitskosten in Deutschland steigen

In Deutschland sind die Arbeitskosten im vergangenen Jahr moderat um 1,5 Prozent gestiegen. Das ist im EU-Mittelfeld. In einigen Ländern stiegen sie dagegen um knapp 7 Prozent. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden