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Bertelsmann : Streit um Napster belastet Netto-Gewinn

  • Aktualisiert am

Napster, ein Engagement mit bilanziellen Spätfolgen für Bertelsmann Bild: AP

Die umstrittene Internet-Musiktauschbörse Napster ist längst eingestellt. Dennoch vermasselte sie Bertelsmann den Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres. Auch eine Kartellstrafe in Rekordhöhe gegen RTL belastete das Ergebnis.

          Der Gütersloher Medienriese Bertelsmannhat in den ersten neun Monaten den operativen Gewinn gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen wie Veräußerungsgewinnen und Restrukturierungskosten (Operating Ebit) wuchs von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,7 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro zu, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte.

          Der Konzernumsatz sank wegen des Verkaufs des Musikverlages BMG Music Publishing und der Stärke des Euro an den Devisenmärkten um 2 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro. Bereinigt diese um Portfolio- und Wechselkurseffekte stieg er um 1,2 Prozent.

          Gewinn stürzte auf auf 132 Millionen Euro

          Der kostspielige Rechtsstreit um die ehemalige Gratis-Musiktauschbörse Napster schlug zudem eine Kerbe in die Bilanz: Unter dem Strich ging der Gewinn des Konzerns auf 132 von 384 Millionen Euro zurück. Hinzu kamen 96 Millionen Euro für die Beilegung eines Kartellverfahrens gegen den Werbezeitenvermarkter IP Deutschland, eine Tochtergesellschaft des Fernsehsenders RTL Group. Die Summe der belastenden Sondereinflüsse belief sich in den ersten neun Monaten auf 388 Millionen Euro.

          Muss weniger Gewinn hinnehmen: Liz Mohn, Gesellschafterin von Bertelsmann, hier im Haus im Haus der Kirche mit dem Knabenchor Gütersloh
          Muss weniger Gewinn hinnehmen: Liz Mohn, Gesellschafterin von Bertelsmann, hier im Haus im Haus der Kirche mit dem Knabenchor Gütersloh : Bild: dpa

          Bertelsmann hatte sich an der Internet-Tauschbörse Napster beigelegt. Der Verband der amerikanischen Musikverleger National Music Publishers' Association warf Bertelsmann daraufhin vor, Urheberrechtsverletzungen zu fördern und war gegen Bertelsmann juristisch vorgegangen. Auch die Musikunternehmen EMI und Warner Music hatten Bertelsmann wegen des Engagements bei Napster auf Schadensersatz. Anfang September konnte Bertelsmann den Rechtsstreit endgültig beilegen.

          243 Millionen Euro Belastung wegen Napster

          Napster war vor Jahren Pionier der Musiktauschbörsen, musste im Juli 2001 jedoch wegen Urheberrechtsverletzungen schließen. Bertelsmann hatte im Jahr 2000 in die Tauschbörse investiert und sich damit Klagen eingehandelt. Im vergangenen Herbst hatte sich Bertelsmann schon mit dem Marktführer Universal Music auf die Zahlung von 60 Millionen Dollar geeinigt, um einige dieser Verfahren zu beenden.

          Um den Rechtsstreit mit amerikanischen Plattenfirmen und Musikverlegern um die Musiktauschbörse Napster außergerichtlich beizulegen, hatte der Medienkonzern 243 Millionen Euro gezahlt respektive zurückgestellt. Allein die amerikanischen Musikverleger hätten mehr als 17 Milliarden Dollar Schadensersatz gefordert, hatte der Finanzvorstand von Bertelsmann Rabe im September gesagt. Er ging davon aus, dass die gebildeten Rückstellungen ausreichten und somit das Kapital Napster endgültig abgeschlossen sei.

          RTL musste Rekordbuße zahlen

          Anfang Oktober hatte das Bundeskartellamt Rekordbußgelder gegen die beiden größten deutschen privaten Fernsehkonzerne Pro Sieben Sat.1 und RTL verhängt. Pro Sieben Sat.1 zahle 120 Millionen Euro, RTL 96 Millionen Euro, teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Im Gegenzug stelle das Kartellamt die Ermittlungen gegen die Fernsehgesellschaften ein. Dies war die mit Abstand höchste Kartellstrafe, die bislang gegen Medienunternehmen in Deutschland verhängt worden ist. Die Summe wird durch eine neue Berechnungsmethode zur Festsetzung der Strafen nach oben getrieben.

          Die Wettbewerbshüter warfen den Sendergruppen vor, sie hätten mit ihren Werbevermarktern Seven One Media und IP Deutschland ihre Marktmacht missbraucht. Die beiden Marktführer kontrollieren hierzulande zusammen mehr als 85 Prozent des vor Rabatten mehr als 8 Milliarden Euro schweren Geschäfts mit Fernsehspots.

          Quelle: FAZ.NET

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