http://www.faz.net/-gqe-8zomh

700 Millionen Euro : Bertelsmann investiert ins Buchgeschäft

Geschäft in China: Bücher sind nicht tot – zumindest, wenn es nach Bertelsmann geht. Bild: Picture-Alliance

Der Medienkonzern stockt seine Beteiligung am größten Buchverlag der Welt auf. Penguin Random House soll in Schwellenländern mehr Wachstum bringen und die Verluste einer Tochterfirma auffangen.

          Es war einer der größten Buchverträge der letzten Jahrzehnte: 65 Millionen Dollar soll der Verlag Penguin Random House auf den Tisch gelegt haben, um sich die Rechte an den kommenden beiden Büchern von Barack Obama und seiner Frau Michelle zu sichern. Die beiden Autoren dürften zufrieden sein, doch auch für den Verlag, der mehrheitlich dem Medienkonzern Bertelsmann gehört, soll sich die Investition auszahlen. „Ich bin sicher, dass die Bücher der Obamas auf großes Interesse stoßen und ein wirtschaftlicher Erfolg werden“, sagte der Vorstandschef von Bertelsmann, Thomas Rabe, am Dienstag im Gespräch mit dieser Zeitung.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Obamas sind nur zwei von vielen Top-Autoren, die Penguin Random House unter Vertrag hat. Von John Grisham über Dan Brown bis Paula Hawkins: Der größte Publikumsverlag der Welt, der 2013 durch eine Fusion der Bertelsmann-Tochtergesellschaft Penguin mit Random House, einem Unternehmen der Pearson Group, entstanden war, schafft es immer wieder, bekannte Schreiber zu gewinnen. Obwohl der Buchmarkt schwierig ist, bleibt das Geschäft interessant. Daher vergrößert Bertelsmann nun sein Standbein. Wie der Konzern am Dienstag mitteilte, kauft er seinem Partner Pearson weitere 22 Prozent am Verlag ab und erhöht seinen Anteil auf 75 Prozent. Für die Bertelsmann-Gruppe, deren Wurzeln im Buchgeschäft liegen und die heute auf vielen Geschäftsfeldern aktiv ist, sei dies ein „Meilenstein“, sagte Rabe.

          Bertelsmann und Pearson hatten schon vor Monaten damit begonnen, über eine Neuordnung ihrer Anteile zu verhandeln. Eigentlich wollte Pearson komplett aussteigen und seine Aktien zu etwa gleichen Teilen an Bertelsmann und einen weiteren Investor abstoßen. Doch anders als geplant, bleiben die Briten nun mit einer Minderheitsbeteiligung an Bord. In den Verträgen mit Bertelsmann haben sie sich verpflichtet, diese für mindestens 18 weitere Monate zu halten. Sollten sie sich danach zum Verkauf entscheiden, haben die Deutschen ein Vorkaufsrecht. Zwar hat Rabe stets betont, dass er mit 75 Prozent zufrieden ist. Trotzdem ließ er am Dienstag offen, ob Bertelsmann seine Anteile weiter erhöht oder den Verlag womöglich ganz schluckt. „Ich sehe für uns keine Notwendigkeit, weiter aufzustocken, aber ich schließe auch nichts aus.“

          Insgesamt ist Penguin Random House 3,11 Milliarden Euro wert

          Für die neuen Anteile zahlt Bertelsmann knapp 700 Millionen Euro. Dieser Preis ergibt sich aus der Unternehmensbewertung, die 3,55 Milliarden Dollar betragen soll, umgerechnet 3,11 Milliarden Euro. Hinzu kommen weitere Kosten. So soll Penguin Random House eine Sonderdividende zahlen, die teilweise durch einen Kredit von Bertelsmann finanziert wird. Diese macht den Deal für Pearson attraktiver und führt dazu, dass die Briten in Summe 880 Millionen Euro (rund eine Milliarde Dollar) einstreichen. Trotz der hohen Kosten mache Bertelsmann ein gutes Geschäft, sagte Rabe. Der Konzern bekomme mehr Einfluss und werde stärker am Verlagsgewinn beteiligt. Zudem erreiche Bertelsmann das Ziel, in allen Konzernsegmenten, die journalistische oder publizistische Inhalte produzieren, „strategische Mehrheiten“ zu halten. Die Senderkette RTL gehört dem Unternehmen zu 75 Prozent, Gruner + Jahr und der Musikverlag BMG jeweils zu 100 Prozent.

          Weitere Themen

          Madrid verlangt klare Aussage zur Unabhängigkeit Video-Seite öffnen

          Katalonien : Madrid verlangt klare Aussage zur Unabhängigkeit

          Der katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont soll sich laut der Aufforderung aus Madrid bis Donnerstagmorgen klar festlegen, ob er die Unabhängigkeit der Region im Nordosten Spaniens erklärt hat oder nicht. Puigdemont schlug zuvor in einem Schreiben vor, alle Schritte hin zu einer Unabhängigkeit Kataloniens für zwei Monate auszusetzen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.