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Bertelsmann Gruner+Jahr-Chef Kundrun verlässt Vorstand

25.12.2008 ·  Gruner+Jahr-Chef Bernd Kundrun hat sich aus dem Vorstand des Mutterkonzerns Bertelsmann zurückgezogen. Dem Rücktritt des Zeitschriftenchefs aus dem Vorstand des Gütersloher Verlagshauses dürfte bald der Abschied auch von Gruner + Jahr folgen.

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Fast genau vor einem Jahr hat Hartmut Ostrowski das Ruder bei Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann übernommen. In seiner Antrittsrede gab er die Richtung für den Konzern vor - nach vorne müsse es gehen, Wachstum sei die Wurzel allen Erfolgs. Doch Finanzmarktkrise und nicht zuletzt massive Personalprobleme haben Ostrowski einen mächtigen Bremsschuh vor die Füße geworfen. Das Hin und Her gipfelte nun kurz vor dem Weihnachtsfest im wenig harmonischen Rücktritt von Zeitschriftenchef Bernd Kundrun aus dem bisher sechsköpfigen Bertelsmann-Vorstand.

Dort wird Kundruns Entscheidung als Affront gewertet. In Gütersloh pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass Kundruns Tage nach diesem Schritt wohl auch als Vorstandsvorsitzender von Europas größtem Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr gezählt sein dürften. Der Graben zwischen dem Hamburger Manager und der Konzernspitze des Gütersloher Mehrheitseigners, der 74,9 Prozent an dem Zeitschriftenverlag hält, ist immer größer geworden. Zuletzt hatte Kundrun Kontakte zu ProSiebenSat.1 eingeräumt, wo der fernseherfahrene Zeitschriftenmann - wie auch Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe - ein Kandidat für den Posten des Vorstandschefs war.

Kundrun wollte schon vor zwei Jahren wachrütteln

Bekannt wurde das Techtelmechtel mit der TV-Konkurrenz von Bertelsmanns Fernsehtochter RTL ausgerechnet, als Kundrun im eigenen Haus massive Sparmaßnahmen verkünden ließ. Für seine Gegner in Gütersloh ein gefundenes Fressen. „So etwas tut man nicht“, heißt es dort, wo die ethischen Unternehmensgrundsätze von Firmenpatriarch Reinhard Mohn noch immer sehr hoch gehängt werden. Fast wie eine Bestrafung musste es auf Kundrun wirken, als ihm zugetragen wurde, dass Ostrowski vor einer Woche in Berlin recht offen über Kundruns Kontakte zur Konkurrenz gesprochen haben soll.

Kundruns eigentliche Begründung für seinen Rückzug aus dem Bertelsmann-Vorstand, die Muttergesellschaft stelle zu wenig Geld für notwendige Investitionen ins krisengeschüttelte Zeitschriftengeschäft zur Verfügung, trat damit in den Hintergrund. Dabei hatte Kundrun schon vor zwei Jahren versucht, seine Vorstandskollegen bei Bertelsmann wach zu rütteln. Damals kritisierte er indirekt den von der Eignerfamilie Mohn erzwungenen Aktienrückkauf im Wert von 4,5 Milliarden Euro, weil damit die Investitionsspielräume eingeengt worden seien. In den vergangenen fünf Jahren habe Gruner + Jahr eine Milliarde Euro nach Gütersloh weitergereicht. Der Rückfluss sei dagegen spärlich gewesen. Und das Geld wäre zur Stärkung der Markenstrategie und damit auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen bitter nötig gewesen.

Kundrun sucht nicht als erster Top-Manager das Weite

Kundrun ist nicht der einzige Top-Manager, der im ersten Jahr von Ostrowskis Vorstandsvorsitz das Weite sucht. Auch der Leiter der Buchverlagssparte, Peter Olson, verließ das Medienhaus. Der New Yorker begründete den Schritt mit seiner Lebensplanung. Dass die Zahlen der weltweit größten Buchverlagskette Random House nicht mit der Wachstumsstrategie Ostrowskis übereinstimmten, ist ein anderer Teil der Wahrheit. Ostrowski schickte seinen langjährigen Mitstreiter in der Bertelsmann-Dienstleistungssparte Arvato, Markus Dohle, nach New York. Der machte erst einmal mit Personaleinsparungen in den amerikanischen Medien Schlagzeilen.

Eigentlich wollte sich Ostrowski in den nächsten Wochen auf die Unternehmenssicherung konzentrieren und neue Investitionsziele für die Zeit nach der Finanzkrise ausloten. In seinem ersten Jahr hat er den Konzern aufgeräumt, die schwierigen Unternehmensbereiche Musik sowie die Clubgeschäfte mit Büchern und Musik in mehreren Ländern verkauft, Schulden zurückgeführt. Die „Lämmer“, wie Ostrowski die schwächeren der damals sechs Unternehmensbereiche in seiner Antrittsrede nannte, sind geschlachtet. „Das Fundament steht“, schrieb Ostrowski seinen Mitarbeitern zu Weihnachten. Bertelsmann werde aus der Finanzkrise gestärkt hervorgehen.

Neue „Löwen“, wie Ostrowski die wachstumsstarken Konzernsparten nennt, sind dagegen nicht in Sicht. Investitionen in den Bildungsmarkt sind vorerst auf Eis gelegt, auch ein größerer Zukauf im Fernsehbereich steht in absehbarer Zeit nicht ins Haus. Dennoch gibt Ostrowski seine Pläne, den Konzernumsatz von 20 auf 30 Milliarden Euro zu steigern, noch nicht auf. „Wir müssen es nur etwas nach hinten schieben“, sagte er mit Blick auf sein ursprüngliches Zieljahr 2015. Ob Bernd Kundrun dazu noch lange aktiv beiträgt, wird in Gütersloh bezweifelt. (siehe: Verlagschef Kundrun: „Wir richten uns darauf ein, dass es schlimm wird“)

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