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Bernd Osterloh Ein schweres Erbe

06.07.2005 ·  Es war lange klar, daß Bernd Osterloh Chef des Volkswagen-Gesamtbetriebsrats werden würde. Doch die Umstände hatte er sich anders vorgestellt. Jetzt wirbt er verzweifelt um Vertrauen.

Von Johannes Ritter
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Das hatte sich Bernd Osterloh sicherlich ganz anders vorgestellt. Es war schon lange klar, daß der 48 Jahre alte Industriekaufmann Chef des Volkswagen-Gesamtbetriebsrats werden würde. Klaus Volkert, der dieses Amt seit 1990 innehatte, wollte eigentlich erst im November das Feld räumen.

Doch in der vergangenen Woche trat Volkert überraschend zurück: Er ist offenkundig in die VW-Korruptionsaffäre verwickelt und soll Kosten im Zusammenhang mit einer Liaison mit einer Brasilianerin über Volkswagen abgerechnet haben. Daher ist Osterloh schon am Dienstag zum Betriebsratschef des Wolfsburger Stammwerks gewählt worden. Heute soll er zum obersten Arbeitnehmervertreter aller VW-Werke ernannt werden.

Treffen mit Prostituierten?

Schwieriger könnte sein Amtsantritt nicht sein. Viele VW-Werker schäumen vor Wut oder sind schlicht fassungslos ob der ungeheuren Vorwürfe. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll es bei VW jahrelang Usus gewesen sein, die obersten Betriebsräte mit teuren Lustreisen nach Brasilien oder in andere Länder bei Laune zu halten.

Für Treffen mit Prostituierten seien sogenannte Eigenbelege über Summen von 30.000 Euro gefertigt worden. Davon seien etliche auch von Personalvorstand Peter Hartz abgezeichnet worden. Hartz wehrte sich am Dienstag gegen diese Vorwürfe. Sie seien absurd, niemandem im Vorstand seien solche Vorgänge bekannt.

Ein gewerkschaftlicher Hardliner

Wie dem auch sei: Das Vertrauen der Beschäftigten in ihre gewählten Vertreter, die allesamt der IG Metall angehören, ist tief erschüttert. Daher ging Osterloh bereits am Wochenende klar auf Distanz zu seinem Vorgänger: Er forderte eine "lückenlose und ausnahmslose Aufklärung". Das gelte für alle, "die in dem Verdacht stehen, wie auch immer geartete scheinbare Unregelmäßigkeiten persönlich zu verantworten", schrieb Osterloh in einem Brief an die Mitarbeiter. Zugleich bat Osterloh - und dabei klang er fast schon ein wenig verzweifelt - um (neues) Vertrauen für seine Arbeit: "Laßt Eure verständliche Enttäuschung, Ärger und vielleicht auch Wut nicht an denjenigen - Vertrauensleuten und Betriebsräten - aus, die eine saubere, ehrliche Arbeit machen und sich für Eure Interessen vor Ort täglich einsetzen!"

Allein im Büßerhemd aufzutreten ist freilich auch nicht Osterlohs Art. Er gilt als gewerkschaftlicher Hardliner. In diesem Sinne warnt er vor Kräften, die versuchten, "die Arbeitnehmervertretung bei Volkswagen zu schwächen, weil ihnen die Stärke von Betriebsrat und IG Metall schon lange ein Dorn im Auge ist". Bei den bisherigen Verhandlungen um ein neues Schichtmodell im Wolfsburger Stammwerk scheint vor allem Osterloh die bremsende Kraft zu sein. Er weiß, daß jede Änderung des bestehenden Systems strenggenommen zu einem Verlust von Arbeitsplätzen führen müßte.

Koalition aus Arbeitnehmerbank und SPD-Vertretern

Bei Volkswagen kämpfen die in- und ausländischen Werke der verschiedenen Marken um neue Produktlinien und die Auslastung der Kapazitäten. Dieses Problemfeld kennt Osterloh: Er war vom Jahr 2000 an im Betriebsrat zuständig für das Projekt 5.000 mal 5.000. Das ist der gelungene Versuch, mit niedrigeren Löhnen außerhalb des zementierten VW-Tarifsystems in Wolfsburg neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Zu Volkswagen kam der in Braunschweig geborene Osterloh 1977 nach einer Ausbildung zum Industriekaufmann. Im Stammwerk durchlief er dann die klassische Betriebsratskarriere: Arbeit in der Produktion, Vertrauensmann der IG Metall, Betriebsrat. Im Sommer 2004 wurde er Volkerts Stellvertreter. An dessen goldene Zeiten aber wird er nicht anknüpfen können: Bis zur Abwahl der SPD-Landesregierung Anfang 2003 wurde Volkswagen praktisch von einer Koalition der Arbeitnehmerbank und der beiden SPD-Vertreter des Landes Niedersachsen als Großaktionär im Aufsichtsrat regiert.

Verlängerter Arm dieses Bündnisses im operativen Geschäft des Vorstandes war Personalchef Peter Hartz. Es ist recht wahrscheinlich, daß Osterloh schon bald einen neuen "Partner" im Vorstand haben wird.

Quelle: F.A.Z., 06.07.2005, Nr. 154 / Seite 18
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