23.06.2009 · Der Schweizer Minenbetreiber Xstrata konnte nur wenige Stunden hoffen: Nach nur einem Tag lehnte der Konkurrent Anglo American das Fusionsangebot der Schweizer ab.
Von Marcus TheurerDer Bergbaukonzern Anglo American hat das Fusionsangebot des Wettbewerbers Xstrata abgelehnt. Der Verwaltungsrat sei nach eingehender Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss mit Xstrata nicht im Interesse der Aktionäre von Anglo American wäre, teilte das Unternehmen am Montag Abend in London mit. Unabhängig von den fehlenden strategischen Vorteilen seien die von Xstrata genannten Bedingungen zudem „völlig inakzeptabel“. Xstrata hatte am Wochenende angekündigt, mit Anglo American über eine Fusion unter Gleichen verhandeln zu wollen. Ein solcher Zusammenschluss hätte einen Wert von fast 50 Milliarden Euro und würde einen Weltmarktführer bei der Förderung von Grundmetallen hervorbringen.
Cynthia Carroll, die Vorstandschefin von Anglo American, hat von Anfang an nicht viel von der Offerte gehalten. Das schweizerisch-britische Unternehmen Xstrata hatte am Sonntag einen möglichen Schulterschluss mit Anglo dagegen als „sehr bestechend“ bezeichnet. Die Börse hatte versucht, Carroll am Montag unter Druck zu setzen. Der Aktienkurs von Anglo American sprang am Morgen in London zeitweise um 12 Prozent nach oben und notierte im Handelsverlauf mit einem Plus von 6,5 Prozent bei 1729 Pence. Der Finanzmarkt bezweifelt offensichtlich, dass bei Anglo alles beim Alten bleiben kann. Andererseits scheint die Börse bisher auch nicht überzeugt davon, dass der Vorstoß für Xstrata erfolgversprechend ist: Die ebenfalls in London notierte Aktie fiel im Handelsverlauf um 3 Prozent auf 660 Pence.
Xstrata peilte eine Fusion unter gleichstarken Partnern an, was angesichts der ungefähr gleichen hohen Börsenwerte naheliegt. Die Überschneidungen in den Geschäften beider Unternehmen sind eher gering. Anglo kontrolliert unter anderem den weltgrößten Platinerzeuger, Xstrata ist die Nummer eins bei der Förderung von Kohle für Kraftwerke. Die Überlappungen beider Unternehmen, die ein Indikator für die Höhe möglicher Kostenvorteile einer Fusion sind, konzentrieren sich denn auch vor allem auf den Kohlebergbau. Die Abneigung von Anglo gegenüber Xstrata ist ausgeprägt. Eine Fusion verspreche den Anglo-Aktionären nur „minimale Vorteile“ zu bringen, hieß es am Montag in London, den Xstrata-Eigentümern dagegen große. Insgesamt seien die Geschäfte von Anglo werthaltiger als die von Xstrata. Die Verbundvorteile (Synergien) seien eng begrenzt. Analysten schätzen die möglichen Einsparungen gleichwohl auf 700 bis 900 Millionen Dollar im Jahr. Eine Reihe von Analysten kommentierten deshalb, dass ein Zusammenschluss von Xstrata und Anglo betriebswirtschaftlich sinnvoll sei.
Xstrata hat bereits Ende 2007 erfolglos darum geworben, von einem größeren Rivalen übernommen zu werden. Als potentieller Interessent hatte damals neben dem brasilianischen Vale-Konzern auch bereits Anglo American gegolten. In der Zwischenzeit ist Xstrata durch eine Reihe von Zukäufen jedoch stark gewachsen und sieht sich nun als ebenbürtig gegenüber Anglo an.
Hürden hätte die südafrikanische Regierung den Plänen von Xstrata in den Weg legen können. Der traditionsreiche Konzern Anglo American gilt in Südafrika als ein Schlüsselunternehmen. Die Aufsichtsbehörden des Landes hätten einem Zusammenschluss zustimmen müssen. Sie stehen der Abwanderung wichtiger Unternehmen ins Ausland sehr kritisch gegenüber. So ist es zuletzt dem britischen Mobilfunkkonzern Vodafone nur mit Mühe gelungen, die Mehrheit an der zuvor mit einem südafrikanischen Partner betriebenen Sparte Vodacom zu übernehmen. Der Hauptsitz eines neuen aus Anglo und Xstrata geschmiedeten Bergbauriesen könnte aber aus Steuergründen in der Schweiz liegen können, wurde in London spekuliert. Das südafrikanische Bergbauministerium reagierte am Montag reserviert auf das Angebot von Xstrata. „Wir würden uns erhebliche Sorgen um die Arbeitsplätze machen“, sagte ein Sprecher der Behörde. Allerdings hat Anglo im Februar wegen der Rezession bereits selbst den Abbau von insgesamt 19 000 Arbeitsplätzen angekündigt. Anglo-Vorstandschefin Carroll steht gleichwohl unter Handlungsdruck. Aktionäre hatten empört darauf reagiert, dass das Unternehmen Anfang des Jahres überraschend seine Dividende gestrichen hatte. Die Zweifel an Carrolls Amtsführung sind dadurch weiter gewachsen. Schon zuvor hatte sich die Managerin Kritik von Aktionären unter anderem wegen überteuerter Zukäufe anhören müssen.
Der Bergbauriese Xstrata
Xstrata ist einer der bedeutendsten Spieler im internationalen Bergbau - aber das entscheidende Wort hat der Großaktionär Glencore. Die jüngste Vergangenheit liefert hierfür ein schlagendes Beispiel.
Zu Beginn dieses Jahres kündigte Xstrata, wie andere Minenkonzerne durch die Weltwirtschaftskrise unter Druck stehend, eine Kapitalerhöhung über knapp sechs Milliarden amerikanische Dollar an. Glencore wollte seinen Anteil von 34,5 Prozent halten, aber konnte oder wollte nicht in bar bezahlen. Stattdessen brachte der größte Rohstoffhändler der Welt den kolumbianischen Kohleförderer Prodeco als Sacheinlage ein, der mit zwei Milliarden Dollar über den Tisch ging. Als sei dem nicht genug erhielt Glencore, dessen Verwaltungsrat von dem Deutschen Willy Strothotte geführt wird, des weiteren für ein Jahr ein Rückkaufrecht. Da wundert es nicht, dass die anderen Aktionäre mit einem sehr günstigen Barangebot für die neuen Aktien gelockt werden mussten.
Die engen Beziehungen zwischen dem Minenkonzern und seinem Großaktionär zeigen sich auch räumlich: Xstrata hat seinen Sitz in der Schweizer Steueroase Zug, Glencore residiert nur wenige Kilometer entfernt in Baar. Das operative Zentrum befindet sich allerdings in London. Xstrata war 1926 als Südelektra zur Finanzierung von Wasserkraftwerken in Südamerika gegründet worden. 1990 erwarb der schillernde Finanzier Marc Rich die Aktienmehrheit und steuerte das Unternehmen in das Rohstoffgeschäft. 1999 ändert der neue Großaktionär Glencore die Firma in Xstrata. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Mick Davis begann 2002 eine Einkaufstour, die Xstrata zum viertgrößten Bergbaukonzern der Welt machte. In 19 Ländern gräbt das Unternehmen nach Kupfer, Kohle, Ferrochrom, Nickel, Vanadium und Zink. Im Februar 2008 scheiterte ein Zusammenschluss mit dem brasilianischen Bergbauriesen Vale - ebenfalls am Widerstand von Glencore. Die Finanz- und Wirtschaftskrise zog auch Xstrata in die Tiefe, der Aktienkurs stürzte zur Jahreswende 08/09 auf ein Tief von vier Pfund je Aktie nach 24 Pfund noch im Juni des vergangenen Jahres. Der Umsatz schrumpfte zwar 2008 nur um zwei Prozent auf knapp 28 Milliarden Dollar. Aber der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) gab um 17 Prozent auf 7,3 Milliarden Dollar nach. Die Dividende wurde gar um 64 Prozent gekürzt. (du.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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