http://www.faz.net/-gqe-8xxx9

Nach Bilanzfälschungsskandal : Andersen lebt wieder auf

Im Rahmen der strafrechtlichen Ermittlung stellte Arthur Andersen 2002 ihren Betrieb ein. Jetzt lebt die Beratungsgesellschaft wieder auf. Bild: dpa

Vor knapp 15 Jahren sorgte einer der größten Bilanzskandale aller Zeiten dafür, dass die Wirtschaftsprüfung Arthur Andersen von der Bildfläche verschwand. Jetzt kehrt Andersen nach Deutschland zurück.

          Auf dem deutschen Anwalts- und Steuerberatungsmarkt kehrt zum Juni eine bekannte Marke zurück. Ein Team von Anwälten der Großkanzlei Luther eröffnet wieder für Andersen Tax & Legal in Köln. Vor knapp 15 Jahren verschwand der Name Arthur Andersen, damals eine der global größten Beratungsgesellschaften, von der Bildfläche. Die Prüfer gerieten ins Zentrum des Bilanzfälschungsskandals beim amerikanischen Energieriesen Enron, einem der größten Skandale dieser Art aller Zeiten. Seitdem unterliegen Unternehmen in den Vereinigten Staaten strengen Regularien bei der Berichterstattung ihrer Finanzzahlen, wenn sie am Kapitalmarkt teilnehmen wollen.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im Rahmen der strafrechtlichen Ermittlung stellte Arthur Andersen 2002 ihren Betrieb ein. Alleine in der deutschen Landesgesellschaft mussten sich über 3200 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Anwälte eine neue Arbeitsstelle suchen. Aus dem Rechtsberatungsarm ging dann die heutige Kanzlei Luther hervor. Daher verbinden die beiden Gründungspartner Stefan Kraus und Hermann Knott einiges mit der ursprünglichen Marke. Beide gehörten dem Team von Anwälten an, das Anfang der neunziger Jahre schon einmal eine Präsenz für Andersen Legal in Deutschland aufgebaut hatte.

          Für die beiden Gesellschaftsrechtler ist die jetzige Kanzleigründung eine Rückkehr zu den Anfängen ihrer beruflichen Laufbahn. In die Einheit folgen ihnen eine Reihe von Kollegen von Luther sowie früherer Andersen-Anwälte. „Wir haben Luther nicht verlassen, weil wir großkanzleimüde sind, sondern weil wir Teil einer großen, global aufgestellten, multidisziplinären Beratungseinheit im Bereich Recht und Steuern sein wollen“, sagt Kraus, der als Ko-Geschäftsführer die Andersen Tax & Legal steuert; ihn unterstützt dabei Alessio Rossi, Steuerberater und Managing Partner des deutschen Kooperationspartners Alegis.

          2014 wieder ins Leben gerufen

          Die Steuerberatungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf hat sich dem Netzwerk Andersen Global schon vor zwei Jahren angeschlossen. Gemeinsam wollen die Einheiten künftig eine integrierte Steuer- und Rechtsberatung anbieten. Die Prüfung von Jahresabschlüssen ist dagegen bewusst nicht im Angebot, um mögliche Mandats-Konflikte zu umgehen.

          Die Marke „Andersen“ wurde 2014 von einer Reihe früherer amerikanischer Partner von Arthur Andersen wieder ins Leben gerufen. Unter der Dachgesellschaft Andersen Global haben sich mittlerweile über 2000 Anwalt- und Steuerberater an 60 Standorten auf der ganzen Welt zusammengeschlossen. Das Netzwerk firmiert als Verein nach Schweizer Recht. Diese Rechtsform ermöglicht ihren Mitgliedern einen einheitlichen Markenauftritt, lässt den einzelnen Gesellschaften aber ihre finanzielle Unabhängigkeit.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Sulzberger, der Fünfte

          Wechsel bei „New York Times“ : Sulzberger, der Fünfte

          Die „New York Times“ hat einen neuen Herausgeber: Arthur Gregg Sulzberger tritt die Nachfolge seines Vaters an. Er gilt als stiller Erneuerer und setzt auf Qualität. Profitabel ist für die Zeitung vor allem die Fehde mit Donald Trump.

          Erdöl-Metropole in Trümmern Video-Seite öffnen

          Baidschi : Erdöl-Metropole in Trümmern

          In der Industriestadt Baidschi stand einst die größte Erdöl-Raffinerie des Iraks, 180.000 Menschen lebten hier. Heute ist die Stadt zerstört, obwohl die IS-Dschihadisten Baidschi schon vor zwei Jahren aufgegeben haben.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Chinas Einfluss : Die Schlinge in Hongkong zieht sich zu

          Lange haben sich die Bewohner Hongkongs gegen den Einfluss Chinas gewehrt. Selbst bei Regen gingen sie auf die Straße, um demokratische Rechte einzufordern. Nun erhöht China den Druck.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.