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BER-Chef Hartmut Mehdorn „Wir sind hier die Dödel vom Dienst“

 ·  Ende Oktober sollte endlich der Termin zur Eröffnung des neuen Berliner Flughafens feststehen. Nun wird wohl auch dieses Datum verstreichen. „Wir werden kein neues Risiko eingehen“, sagte BER-Geschäftsführer Mehdorn der F.A.Z.

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© Andreas Pein Vergrößern Hartmut Mehdorn, Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH

Herr Mehdorn, die wichtigste Frage lautet ...

Wann wird der Flughafen fertig?

Genau. Gibt es darauf eine Antwort?

Nein, im Moment nicht. Das ist die spannendste Frage. Und eine Antwort darauf muss richtig sein! Deshalb werden wir einen Termin erst nennen, wenn wir uns da ganz sicher sind. Es hängt auch nicht alles nur von uns ab, sondern auch von Planungs- und Steuerungsfirmen, von Baufirmen - und nicht zuletzt von den Behörden. Wir machen den Flughafen jetzt fertig, und dann müssen Prüfer vom TÜV und Behörden grünes Licht geben. Das ist ein komplexer Prozess, den wir nicht allein in der Hand haben.

Werden Sie am 25. Oktober einen Eröffnungstermin nennen können?

Wenn wir es können, werden wir eine Zeitzone oder sogar einen Termin nennen. Wir werden aber kein neues Risiko eingehen. Es ist zu Recht viel Hohn und Spott über den Flughafen ausgeschüttet worden. Das können wir nur wiedergutmachen, wenn wir ein verlässliches Datum nennen und dann einen picobello Flughafen in Betrieb nehmen. Und das so schnell wie möglich. Das ist mein Auftrag.

Das klingt aber nicht so, als wenn wir im Oktober wüssten, ab wann wir vom BER aus fliegen können?

Das kann gut sein. Das werden wir sehen.

Haben Sie sich die Arbeit am Flughafen so schwer vorgestellt?

Was den politischen Kontext anbetrifft, war ich vorbereitet. Zehn Jahre als Bahn-Chef haben mich abgehärtet. Und da gab es nur einen Eigentümer. Hier gibt es mit Berlin, Brandenburg und dem Bund drei in unterschiedlichen politischen Koalitionen und Parlamenten und unterschiedlichen Interessen. Und die sind sich auch nicht immer in allen Punkten einig. Was mich immer noch sprachlos macht, ist aber die Tatsache, dass man tatsächlich geglaubt hat, der BER könnte am 3. Juni 2012 eröffnet werden. Davon war man meilenweit entfernt. Aber auch hier gilt: Hinterher ist man immer schlauer.

Aber haben Sie nicht auch gedacht, man könne den Flughafen schnell eröffnen, als Sie im März hier anfingen?

Anfangs war ich durchaus optimistisch. Bis ich Stück für Stück gemerkt habe, was noch alles gemacht werden muss und wie viel Zeit und Geduld man noch braucht, um fertig zu werden. Das ist schwer zu erklären, aber die bittere Realität.

Wovon ist denn der Termin jetzt vor allem abhängig? Sind wir schon bei 2016?

Wie gesagt: Zum Termin für die Inbetriebnahme äußern wir uns erst, wenn wir sicher sind, dass wir den auch einhalten können. Es gibt noch eine Reihe von Themen, die vorher abgearbeitet werden müssen und an denen wir derzeit mit Hochdruck arbeiten. Dazu gehört auch der Pfusch am Bau, der vor allem der Hektik in den letzten Monate vor der verpatzten Eröffnung 2012 geschuldet ist. Es gibt auch noch viele Restarbeiten zu erledigen. Und da ist eben als komplexes System auch immer noch der Brandschutz mit Be- und Entlüftung, Softwareprogrammierung und seiner Steuerung.

Ist man da nach eineinhalb Jahren immer noch nicht weiter?

Doch, wir sind weiter. Aber man muss sehen, dass der Flughafen nach dem Debakel im Sommer 2012 erst mal in Schockstarre lag. Da passierte lange Zeit gar nicht viel, außer der Erstellung einer Bestandsaufnahme mit ellenlangen Mängellisten. Natürlich wollen alle, dass hier endlich Flugzeuge starten und landen. Aber entschieden wurde nicht viel. Als ich im März herkam, haben wir das Beschleunigungsprogramm „Sprint“ aufgesetzt. Die Brandschutz- und Entrauchungsanlage ist dabei natürlich ein wichtiger Punkt. Da sind wir hochkonzentriert.

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Das Gespräch führte Kerstin Schwenn.

Quelle: F.A.Z.
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