Home
http://www.faz.net/-gqe-758bm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Bekleidungsgeschäfte Beschwerden über Mitarbeiterüberwachung bei Hollister

Leibesvisitationen, Taschenkontrollen, Kameraüberwachung. Die Liste der Beschwerden ehemaliger Mitarbeiter über die Arbeitsbedingungen in „Hollister“-Bekleidungsgeschäften ist lang. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“.

© Wahl, Lucas Vergrößern Hollister: Hippe Klamotten - aber offenbar weniger hippe Arbeitsbedingungen.

Ehemalige Mitarbeiter deutscher „Hollister“-Bekleidungsgeschäfte, deren Mutterkonzern das amerikanische Unternehmen Abercrombie & Fitch ist, haben sich darüber beklagt, Leibesvisitationen, Taschenkontrollen und Kameraüberwachung ausgesetzt gewesen zu sein. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“. Auch die Gründung eines Betriebsrats sei verhindert worden. Einige frühere Mitarbeiter sind deswegen auch schon vor Gericht gezogen.

Ehemalige Mitarbeiter, die anonym bleiben möchten, berichteten der „Welt“, regelmäßig beim Verlassen des Unternehmens von Vorgesetzten abgetastet worden zu sein. Auch von Taschenkontrollen wurde erzählt.

Kameraüberwachung durch die Vorarbeiter

Mehrere ehemalige Mitarbeiter seien infolge dessen gegen die deutsche Tochterfirma des Konzerns, die AFH Germany mit Sitz in München vor Gericht gezogen. Die Mitarbeiter hätten auch geklagt, weil sie ihrer Aussage nach ständig mit Kameras überwacht worden seien. In der Vernehmung vor dem Arbeitsgericht Oberhausen habe einer der Kläger detailliert geschildert, „dass drei Monitore im Lager standen. Oft waren zwei Monitore angeschaltet. (...) Der Kläger erklärt weiter, dass vor den Monitoren die Vorarbeiter gesessen hätten.“

Laut Aussage sollen diese Vorarbeiter vor jeder Nachtschicht die Mitarbeiter darauf hingewiesen haben, dass sie jeden Raum in Geschäft und Lager ständig unter Beobachtung hätten – auch, wenn sie nicht anwesend seien. Auch die Arbeitsweise würde so kontrolliert, sagten die ehemaligen Mitarbeiter vor Gericht aus. „Sie haben auch stets darauf hingewiesen, dass es viele Bewerber für die Jobs gäbe und jeder ersetzbar sei“, erklärte einer der Kläger.

Betriebsratswahl womöglich verhindert

Die Anwälte der Modefirma verteidigten diese vor Gericht mit dem Argument, eine solche Live-Überwachung habe nicht stattgefunden. Gedacht seien die Kameras nur für die Augen sogenannter „Loss Prevention Manager“ – also solcher Mitarbeiter der Firma, die nur darauf achteten, dass es nicht zu Diebstählen komme. Das Verfahren der sechs ehemaligen Teilzeitkräfte in Oberhausen sei im September eingestellt worden, hieß es weiter. Die Modekette habe die Vorwürfe bestritten, jedoch eingewilligt, den früheren Mitarbeitern jeweils eine Abfindung von 3000 Euro zu zahlen. Eine Rolle bei der Gerichtsentscheidung habe nach Aussage eines Anwalts gespielt, dass es sich nur um Studentenjobs gehandelt habe und nicht um die Lebensgrundlage der Betroffenen, so berichtet die „Welt“.

Darüber hinaus hätten Hollister-Manager im vergangenen Jahr die Gründung eines Betriebsrats in der Oberhausener Filiale verhindert, berichtet die Zeitung weiter: Ein Zettel, der zur Organisation einer Betriebsratswahl aufgehängt worden sei, sei einfach wieder entfernt worden. Zur Gründung des Betriebsrats sei es letztendlich nicht gekommen. Nach Informationen der „Welt“ haben sämtliche Mitarbeiter, die einen Betriebsrat gründen wollten, Aufhebungsverträge mit großzügigen Abfindungen angeboten bekommen, die alle angenommen haben.

Mehr zum Thema

Quelle: FAZ.net

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
J. Philipp in Hanau Verkauft und verwirrt

Aus der Traditionsfirma ins Ungewisse: Warum sich die Belegschaft einer Kleiderfabrik in Hanau als Spielball eines Großkonzerns sieht und was Politik damit zu tun hat. Mehr Von Luise Glaser-Lotz

22.03.2015, 13:00 Uhr | Rhein-Main
Hoeneß-Erpresser Thomas S. gesteht vor Gericht

Der mutmaßliche Erpresser des ehemaligen Präsidenten des FC Bayern, Uli Hoeneß, hat ein Geständnis abgelegt. Er soll einen Erpresserbrief an Hoeneß geschrieben haben. Mehr

15.12.2014, 15:57 Uhr | Wirtschaft
Greser & Lenz in Hanau Taschenkontrollen inklusive

Die Hanauer Karikaturen-Ausstellung stand nach den Attentaten von Paris auf der Kippe. Wegen islamkritischer Zeichnungen wurden Anschläge befürchtet. Doch die Stadt beugte sich dem Protest. Nun ist sie zu sehen. Mehr

15.03.2015, 15:24 Uhr | Rhein-Main
Frankreich Femen-Protest vor Strauss-Kahn Prozess

Vor dem Beginn des Zuhälterei-Prozesses um Dominique Strauss-Kahn haben mehrere Femen-Aktivistinnen vor dem Gerichtsgebäude protestiert. Der ehemalige IWF-Chef soll über seine Rolle in mehreren Sex-Partys aussagen. Mehr

10.02.2015, 14:18 Uhr | Gesellschaft
Klage gegen Mainz 05 Sind befristete Verträge rechtswidrig?

Juristisches Ungemach für Mainz 05: Der frühere Torwart Heinz Müller hat mit seiner Klage auf unbefristete Beschäftigung beim Bundesligaklub Recht bekommen. Dem Gericht zufolge rechtfertigt die Besonderheit eines Profispielers nicht die Befristung. Mehr Von Daniel Meuren, Mainz

24.03.2015, 22:07 Uhr | Aktuell
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.12.2012, 11:23 Uhr

Teurer Arbeitsfrieden

Von Manfred Schäfers

Die meisten Menschen werden jetzt aufatmen: Mit der Tarifeinigung ist der große Streik im öffentlichen Dienst abgewendet worden. Die Länder haben sich das einiges kosten lassen. Mehr 1 3


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Wo es den meisten Urlaub gibt

In Deutschland haben Arbeitnehmer gesetzlich einen Urlaubsanspruch von 24 Tagen. Wie es in anderen Ländern ist, zeigt unsere Grafik des Tages. Mehr 3

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden