http://www.faz.net/-gqe-758bm

Bekleidungsgeschäfte : Beschwerden über Mitarbeiterüberwachung bei Hollister

  • Aktualisiert am

Hollister: Hippe Klamotten - aber offenbar weniger hippe Arbeitsbedingungen. Bild: Wahl, Lucas

Leibesvisitationen, Taschenkontrollen, Kameraüberwachung. Die Liste der Beschwerden ehemaliger Mitarbeiter über die Arbeitsbedingungen in „Hollister“-Bekleidungsgeschäften ist lang. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“.

          Ehemalige Mitarbeiter deutscher „Hollister“-Bekleidungsgeschäfte, deren Mutterkonzern das amerikanische Unternehmen Abercrombie & Fitch ist, haben sich darüber beklagt, Leibesvisitationen, Taschenkontrollen und Kameraüberwachung ausgesetzt gewesen zu sein. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“. Auch die Gründung eines Betriebsrats sei verhindert worden. Einige frühere Mitarbeiter sind deswegen auch schon vor Gericht gezogen.

          Ehemalige Mitarbeiter, die anonym bleiben möchten, berichteten der „Welt“, regelmäßig beim Verlassen des Unternehmens von Vorgesetzten abgetastet worden zu sein. Auch von Taschenkontrollen wurde erzählt.

          Kameraüberwachung durch die Vorarbeiter

          Mehrere ehemalige Mitarbeiter seien infolge dessen gegen die deutsche Tochterfirma des Konzerns, die AFH Germany mit Sitz in München vor Gericht gezogen. Die Mitarbeiter hätten auch geklagt, weil sie ihrer Aussage nach ständig mit Kameras überwacht worden seien. In der Vernehmung vor dem Arbeitsgericht Oberhausen habe einer der Kläger detailliert geschildert, „dass drei Monitore im Lager standen. Oft waren zwei Monitore angeschaltet. (...) Der Kläger erklärt weiter, dass vor den Monitoren die Vorarbeiter gesessen hätten.“

          Laut Aussage sollen diese Vorarbeiter vor jeder Nachtschicht die Mitarbeiter darauf hingewiesen haben, dass sie jeden Raum in Geschäft und Lager ständig unter Beobachtung hätten – auch, wenn sie nicht anwesend seien. Auch die Arbeitsweise würde so kontrolliert, sagten die ehemaligen Mitarbeiter vor Gericht aus. „Sie haben auch stets darauf hingewiesen, dass es viele Bewerber für die Jobs gäbe und jeder ersetzbar sei“, erklärte einer der Kläger.

          Betriebsratswahl womöglich verhindert

          Die Anwälte der Modefirma verteidigten diese vor Gericht mit dem Argument, eine solche Live-Überwachung habe nicht stattgefunden. Gedacht seien die Kameras nur für die Augen sogenannter „Loss Prevention Manager“ – also solcher Mitarbeiter der Firma, die nur darauf achteten, dass es nicht zu Diebstählen komme. Das Verfahren der sechs ehemaligen Teilzeitkräfte in Oberhausen sei im September eingestellt worden, hieß es weiter. Die Modekette habe die Vorwürfe bestritten, jedoch eingewilligt, den früheren Mitarbeitern jeweils eine Abfindung von 3000 Euro zu zahlen. Eine Rolle bei der Gerichtsentscheidung habe nach Aussage eines Anwalts gespielt, dass es sich nur um Studentenjobs gehandelt habe und nicht um die Lebensgrundlage der Betroffenen, so berichtet die „Welt“.

          Darüber hinaus hätten Hollister-Manager im vergangenen Jahr die Gründung eines Betriebsrats in der Oberhausener Filiale verhindert, berichtet die Zeitung weiter: Ein Zettel, der zur Organisation einer Betriebsratswahl aufgehängt worden sei, sei einfach wieder entfernt worden. Zur Gründung des Betriebsrats sei es letztendlich nicht gekommen. Nach Informationen der „Welt“ haben sämtliche Mitarbeiter, die einen Betriebsrat gründen wollten, Aufhebungsverträge mit großzügigen Abfindungen angeboten bekommen, die alle angenommen haben.

          Quelle: FAZ.net

          Weitere Themen

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Schweigeminute am Mittag : Schule in Lünen öffnet nach Bluttat wieder

          Nach der Bluttat wird in der Schule in Lünen der Unterricht nach Plan wieder aufgenommen. Eine Schweigeminute am Mittwochmittag unterbricht die tägliche Routine. Der 15-jährige mutmaßliche Täter soll dem Haftrichter vorgeführt werden.
          Besser, aber nicht gut genug: Luftqualität in Stuttgart

          Schadstoffbelastung : Die Stadtluft wird ein bisschen besser

          Im Kampf gegen Schadstoffbelastung der Luft fordern Umweltschützer Fahrverbote. In Stuttgart und anderen Städten wurde 2017 aber weniger Stickstoffdioxid gemessen. Die Autoindustrie sieht sich bestätigt.

          Türkische Offensive : Tausende Menschen auf der Flucht

          Humanitäre Organisationen sorgen sich angesichts der türkischen Offensive um Hunderttausende Menschen in den Kurdengebieten. Die Linkspartei fordert den Abzug deutscher Truppen aus dem Stützpunkt in Konya.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.