25.09.2009 · Immer mehr Mittelständler müssen zittern, ob sie von den Banken die Kredite verlängert bekommen. Zum Beispiel Ernst B.: Er ist Schwabe und Chef eines traditionsreichen mittelständischen Familienbetriebs. Seine heile Welt ist mittlerweile ziemlich aus den Fugen geraten. Holger Paul hat ihn besucht.
Von Holger PaulErnst B. ist Schwabe, gelernter Maschinenbauer und Chef eines traditionsreichen mittelständischen Familienbetriebs - und all dies mit ganzem Herzen. In den vergangenen Jahren hat er sein Unternehmen erfolgreich ausgebaut, den Umsatz weit über die 100-Millionen-Euro-Marke hinaus erhöht und ist, wie so viele in der Branche, seinen großen Industriekunden nach Asien und in andere aufstrebende Regionen gefolgt. Mit der Finanzierung dieser Expansion, sagt er, gab es nie Probleme. Solange sein Laden lief, wurde die benötigte Kreditlinie von 45 Millionen Euro (von denen 30 Millionen Euro in Anspruch genommen wurden) ohne viel Aufsehens zur Verfügung gestellt. Und ohne Sicherheiten. Steigende Erlöse und Gewinne, dazu eine Eigenkapitalquote deutlich größer als 30 Prozent, das genügte den Kreditinstituten. Auch die Zinsen waren kein Problem, vereinbart war ein variabler Aufschlag auf den Interbankenzinssatz Euribor, der im besten Fall 0,45 Prozentpunkte, im schlechtesten 1,5 Prozentpunkte betrug. „Damit konnten wir gut leben“, sagt der schwäbische Unternehmer, der seinen richtigen Namen in der aktuellen Lage nicht öffentlich machen will.
Denn inzwischen ist seine heile Welt ziemlich aus den Fugen geraten. Die großen Kunden, insbesondere aus der Autoindustrie, haben ihre Bestellungen beinahe über Nacht gestoppt, die Umsätze rutschten mit deutlich zweistelligen Raten nach unten, und Ernst B. musste Notmaßnahmen ergreifen. Erst wurden die Überstunden abgebaut, dann die Leiharbeiter nach Hause geschickt, und inzwischen wurden erste Entlassungen ausgesprochen. Um Geld in die Kasse zu bekommen, „haben wir auf Teufel komm raus das Lager abverkauft“, sagt er. Doch schließlich rutschte die Eigenkapitalquote des Unternehmens unter die 30- Prozent-Marke, und das bedeutete einen Bruch der Kreditklauseln. Was dann folgte, treibt Ernst B. die Zornesadern auf die Stirn. „Die Banken sagen immer, sie seien unsere Partner. Aber wir werden regelrecht abgezockt“, beklagt er.
Nicht die Frage, ob sein Unternehmen überhaupt noch Geld bekommt, treibt ihn um. Denn letztendlich können auch die Banken kein Interesse an einer Insolvenz und der darauf folgenden Abschreibung ihrer Kredite haben, ist er sich sicher. Aber es sind die „neuen Konditionen“, die ihn so erregen. „Für uns heißt das im Klartext, wir sollen 1,5 Millionen Euro an zusätzlichen Gebühren zahlen, ohne dass wirklich gesichert ist, dass wir die Kreditlinien auch wieder erhalten“, ereifert sich der Unternehmer.
„30 Seiten, 100.000 Euro“
Ein Teil dieser Zusatzbelastung entsteht, weil die drei beteiligten Institute - eine der verbliebenen deutschen Großbanken, eine führende Landesbank und die IKB-Bank - ihr Risiko zum Teil an die staatliche KfW-Bank abgeben wollen. 30 Millionen Euro sollen in das von der Regierung aufgelegte Sonderprogramm Mittelständische Unternehmen plaziert werden. Dafür hat Ernst B. Verständnis, auch wenn der KfW-Festzins mit 6,25 Prozent deutlich höher sei als sein zuletzt fälliger variabler Zinssatz von 2,5 Prozent. Aber allein der dafür notwendige neue Vertrag mit den Banken wird ihn unterm Strich eine halbe Million Euro kosten. Hinzu kommen externe Prüfgutachten zur Unternehmenslage, die nun erstellt werden müssen. „30 Seiten, 100.000 Euro“, sagt Ernst B. trocken. Auch die seit je vereinbarten Swap-Geschäfte zur Absicherung des variablen Zinssatzes werden für die von der KfW nicht abgedeckte Summe nun mit wesentlich teureren Konditionen versehen.
Was das Ganze für ihn auf die Spitze treibt: Anfang September habe die KfW die Absicherung im Grundsatz genehmigt - allerdings noch auf der Basis der Umsatzplanungen des Frühjahrs. Inzwischen hat Ernst B. seine Erwartungen für 2009 jedoch nochmals um 10 Millionen Euro nach unten korrigiert, was eine Nachprüfung der Verträge mit sich brachte, die den Abschluss hinauszieht. „Jetzt müssen wir pro Monat 75.000 Euro Bereitstellungsgebühr zahlen, ohne dass wir etwas davon haben.“ Sämtliche Vermögenswerte des Unternehmens müssen ohnehin als Sicherheit bei den Banken eingereicht werden. Sein persönliches Vermögen sei bislang in den Verhandlungen außen vor geblieben. „Aber im Kopf haben die Banken das auch“, ist er sich sicher. Als ärgerlich empfindet er zudem den hohen zeitlichen Aufwand. „Wir müssen ständig für die Banken irgendetwas aufbereiten, weil die hier mit 10-Mann-Teams anrücken. Das ist gestohlene Zeit.“ Bis Ende Oktober müssen seine Kredite neu strukturiert sein. Und wenn das nicht klappt? „Gute Frage . . .“, antwortet er nur.
An zusätzliches Geld von den Banken wagt Ernst B. derzeit gar nicht zu denken. Zu Beginn der Verhandlungen habe er noch versucht, den Kreditrahmen um 5 Millionen Euro zu erhöhen, um sein Finanzpolster in der Krise zu stärken. „Aber neues Geld gibt's ums Verrecken nicht“, sagt er mit schwäbischer Direktheit. Die Banken hätten ihm erklärt, sein Unternehmen brauche das zusätzliche Kapital nicht. Dabei zeigten sich die jeweiligen Berater in Einzelgesprächen durchaus verständnisvoll. „Das Problem ist die Poolstruktur des Kredits. An einem bestimmten Punkt werden wir aus dem Raum geschickt, und dann machen die sich gegenseitig scharf“, erzählt er.
Eine alternative Quelle für seine Finanzierung sieht er gleichwohl nicht. Ausländische Banken ziehen sich mehr und mehr vom deutschen Markt und insbesondere von Branchen wie dem Maschinenbau zurück, für den Anleihemarkt sei sein Unternehmen zu klein, sagt er. „Die lokale Sparkasse brüstet sich zwar damit, dass sie Geld für den Mittelstand habe, aber mehr als 5 Millionen Euro nehmen sie nicht als Einzelkredit in die Bücher.“ Bleibt vielleicht ein Finanzinvestor als neuer Eigenkapitalgeber? „Wenn der sich mit weniger als 25 Prozent der Anteile zufriedengibt, dann vielleicht“, sagt Ernst B. Doch man merkt ihm an, wie unangenehm ihm allein der Gedanke ist, einen solchen Investor ins Haus zu holen.
Durchaus typisch
Das Unternehmen von Ernst B. ist ein Einzelfall, aber wohl ein durchaus typischer. Noch seien die Banken überwiegend bereit, den Maschinenbauern Kredite zu geben, sagt Josef Trischler, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Branchenverbands VDMA. Doch die Zahl der Problemfälle nehme zu, zunächst aufgrund intensiverer Kreditprüfungen oder weil die Ausleihungen nur noch kurzfristig verlängert werden. Die Gefahr einer echten Kreditklemme wachse aber, weil strengere Eigenkapitalregeln und sinkende Unternehmensratings den Banken zusätzliche Fesseln anlegen würden, warnt Trischler. Der Verband kann den Unternehmen daher nur raten, ihre vorhandenen Kreditlinien rasch zu verlängern.
Wenn es denn so einfach wäre. „Die Banken sagen, sie stehen zu uns, aber sie sind keine Partner mehr. Dennoch brauchen wir sie auch weiterhin“, sagt Ernst B. dazu fast schon resignierend.
Leider Realität,
Alexander Lorenz (birchrot)
- 25.09.2009, 14:26 Uhr
..und wenn er 2010 pleite geht ?
Michael Meier (never1)
- 25.09.2009, 14:34 Uhr
Zeit zum Umdenken...
Jo Silva (chimero)
- 25.09.2009, 14:38 Uhr
Tja, wer soll's den Banken verübeln?
Gerhard Schraube (GehherGerd)
- 25.09.2009, 14:41 Uhr
Fast schon zum Lachen
Ralf Vormbaum (Vormbaum)
- 25.09.2009, 14:43 Uhr
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