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Veröffentlicht: 15.10.2016, 20:57 Uhr

Behörden Der Staat holt immer mehr Berater

Viele Behörden lassen sich von McKinsey & Co. beraten. Jetzt steht im Verteidigungsministerium die Vergabe eines 200-Millionen-Auftrags an. Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder arbeitete früher selbst bei McKinsey. Ein Vorteil?

von Till Neuscheler
© action press Gut getarnt? Katrin Suder war früher bei McKinsey, heute ist sie Rüstungsstaatssekretärin.

Staatliche Ämter galten irgendwann als so muffig, dass sich viele Behörden nicht mehr trauten, das „Amt“ überhaupt im Namen zu tragen. Schon vor Jahren wurden Ämter plötzlich in „Agenturen“ umbenannt, und mit dem Namenswechsel zog bisweilen auch ein neuer Ton in die Ämter ein. Besonders augenscheinlich wird der Wandel, wenn zwei scheinbar fremde Welten aufeinanderprallen: Beamte und Unternehmensberater.

Für die Migrationsbehörde Bamf tüftelt derzeit McKinsey an einem Konzept, wie man mehr Flüchtlinge zur Rückkehr in ihre Heimatländer bewegen kann. Ihre Arbeit ist Teil eines Rahmenvertrags, den die Strategieberatung mit der Behörde geschlossen hat. Insgesamt bekommen die McKinsey-Berater über 9 Millionen Euro für ihre Hilfe. Die Bundesagentur für Arbeit wird inzwischen von Boston Consulting beraten. Sie hat einen vier Jahre laufenden Rahmenvertrag mit einem Beratungsvolumen von rund 20 Millionen Euro.

Management-Hilfe bei großen Rüstungsprojekten

Die derzeit wichtigsten Verträge im öffentlichen Sektor werden in Kürze aber im Verteidigungsministerium vergeben. Das Ministerium unter Leitung Ursula von der Leyens sucht Management-Hilfe bei großen Rüstungsprojekten. Für vier Jahre sind insgesamt 208 Millionen Euro für Beratungsdienste eingeplant. Beworben haben sich fünf Konsortien, bestehend jeweils aus Strategieberatern, IT- und Rüstungsfachleuten. Alle Unterlagen sind eingereicht, in den kommenden Wochen fällt wohl die Entscheidung, wer künftig das Verteidigungsministerium bei Rüstungsprojekten beraten darf.

Die drei Fälle zeigen beispielhaft, wie wichtig externe Berater für den Staat geworden sind. Der Haushaltsausschuss des Bundestags lässt sich daher seit fast zehn Jahren jährlich über die Höhe der Aufträge berichten, erklärt der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckhardt Rehberg, so sei eine Kontrolle möglich, und Fehlentwicklungen könnten vermieden werden. Großen Verträgen über 25 Millionen Euro muss der Ausschuss zustimmen.

Deutschland liegt im Vergleich zu Amerika noch hinten

Im vergangenen Jahr sind die Ausgaben der Bundesverwaltung für externe Berater laut dem jüngsten Bericht auf rund 38 Millionen Euro gestiegen, 6 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Doch nicht nur der Bund, auch die Länder, Gemeinden und andere staatliche Einrichtungen holen externe Hilfe, insgesamt sogar weit mehr. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich so der Umsatz der Berater mit der öffentlichen Hand von 1,28 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 2,48 Milliarden im Jahr 2015 fast verdoppelt (siehe Grafik), wobei der Anteil der Staatsaufträge bei knapp 10 Prozent konstant geblieben ist, weil auch das Geschäft mit der Privatwirtschaft boomt. Fast alle großen Beratungsunternehmen haben für Staatsaufträge inzwischen eigene Teams aufgebaut.

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Dabei liegt Deutschland im Vergleich zu Amerika noch hinten: Dort erwirtschaften die Unternehmensberater rund 30 Prozent ihrer Umsätze im öffentlichen Sektor. Ob sie in Deutschland ihren Anteil jemals in solche Höhen schrauben werden, ist fraglich: Ein Großteil der Aufträge in den Vereinigten Staaten kommt aus dem Pentagon. Für das amerikanische Verteidigungsministerium arbeiten seit Jahren Heerscharen externer Berater – etwa der frühere Edward-Snowden-Arbeitgeber Booz Allen Hamilton.

Peinliche Debakel

In Deutschland sind wir davon weit entfernt. Allerdings hat auch bei uns das Verteidigungsministerium die Berührungsängste zu den Beratern lange verloren. Schon Rudolf Scharping holte sich in seiner Zeit als Verteidigungsminister das Beratungsunternehmen Roland Berger auf die Hardthöhe. Das Unternehmen beriet ihn bei der Privatisierung nichtmilitärischer Bereiche. Heute ist der Bedarf an externer Expertise noch größer.

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