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Baumarktkette insolvent : Spott für Praktiker

  • Aktualisiert am

Untergang mit Rabatt: „20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“, warb das Unternehmen immer wieder - doch die Discount-Strategie ist gescheitert. Bild: dpa

Die Baumarktkette Praktiker hat Insolvenz angemeldet. Schluckt womöglich ein großer Konkurrent das Unternehmen? Der Obi-Mutterkonzern Tengelmann winkt schon mal ab – zum vierten Mal.

          Die Baumarktkette Obi will den kriselnden Konkurrenten Praktiker nicht übernehmen. „Wir werden mit Sicherheit keine Kette übernehmen“, sagte der Chef des Obi-Mutterkonzerns, Karl- Erivan Haub, am Donnerstag bei seiner Bilanzvorlage in Mülheim an der Ruhr.

          Praktiker sei Tengelmann in den vergangenen Jahren mehrfach zum Kauf angeboten worden, sagte Haub weiter, Tengelmann habe aber immer abgewunken.  Das Exposé zu Praktiker habe man vier Mal auf dem Tisch gehabt. „Es wurde zwar immer preiswerter, aber nicht besser“, betonte er.

          Obi allenfalls an einigen Standorten interessiert

          „Der Drogenabhängige ist gestorben“, sagte Haub mit Blick auf Praktiker weiter. Die Rabatt-Strategie der Kette sei nicht aufgegangen: „Man muss immer mehr geben, damit man einen Kick hat.“ Die Verbraucher wollten vielmehr „ehrliche Preise“.

          „Der Drogenabhängige ist gestorben. Man muss immer mehr geben, damit man einen Kick hat“:  Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub über die Rabattaktionen der
Baumarktkette Praktiker.

          Obi könnte allenfalls an einigen guten Standorten interessiert sein. Wieviele Praktiker-Filialen infrage kämen, sagte er jedoch nicht. Der Tengelmann-Konzernchef sprach von einer Marktbereinigung, die sich nicht nur in Deutschland abspiele. „Es gibt kaum ein Land, wo uns nicht Baumarktketten angeboten werden. Es steht viel zum Verkauf“, schilderte Haub. Der Familienkonzern prüfe diese Dinge mit Augenmaß.

          Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen. Der Baumarkt-Konzern war unter anderem durch eine fehlgeschlagene Rabattstrategie („20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“) in eine schwere Krise geraten. Die Baumarktkette hat am Donnerstag wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren beantragt. Schon am Mittwochabend hatte der Praktiker-Vorstand mitgeteilt, er wolle Insolvenzanträge für die börsennotierte Praktiker AG und mehrere Töchter stellen. Verhandlungen über weitere Finanzierungen der Sanierung seien gescheitert. Einzelne Gläubigergruppen hätten nicht zugestimmt. Damit ist die Praktiker AG überschuldet und zahlungsunfähig.

          Schwestermarke „Max Bahr“ nicht von Insolvenz betroffen

          Die derzeit 132 Max-Bahr-Märkte sowie das Auslandsgeschäft sind
          von den Anträgen nicht betroffen, teilte das Unternehmen mit. Die
          Filialen der Vertriebslinien Praktiker sowie Extra-Bau+Hobby sollen
          im Rahmen eines vorläufigen Insolvenzverfahrens uneingeschränkt
          fortgeführt werden.



          Die Insolvenz schickte die Aktien am Donnerstag weiter massiv in den Keller. Nachdem die Praktiker-Papiere bereits am Mittwoch um knapp 20 Prozent abgestürzt waren, brachen sie am Morgen um rund 70 Prozent ein. Für Börsianer sind die Sorgen vor der Zahlungsunfähigkeit zwar nicht neu, nun werde das Ende aber wohl Realität, hieß es.


          Praktiker hat knapp 18.000 Vollzeitstellen, beschäftigt werden nach Unternehmensangaben insgesamt rund 20.000 Mitarbeiter. Der Konzern betreibt nach Firmenangaben fast 430 Bau- und Heimwerkermärkte in neun Ländern, davon mehr als 300 in Deutschland.

          Verdi: Praktiker-Pleite eine Tragödie für Mitarbeiter

          Die Gewerkschaft Verdi hat die drohende Insolvenz derweil als menschliche und existenzielle Tragödie für die Mitarbeiter bezeichnet. Sie seien bereit gewesen, für drei Jahre auf jeweils rund fünf Prozent ihres Jahresgehaltes zu verzichten, teilte Verdi mit.

          Ein entsprechender Tarifvertrag war im Oktober 2012 mit der Unternehmensführung abgeschlossen worden. „Umso bitterer ist es, dass nun in der Folge der Insolvenz viele der Menschen ihren Arbeitsplatz und damit ihre berufliche Existenz verlieren könnten“, sagte Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Handel, in Berlin.

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