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Baumarkt : Hornbach bietet Amazon die Stirn

Hornbach expandiert. Bild: obs

Der Baumarktbetreiber baut seinen Onlinehandel erheblich aus. Angst vor Amazon hat Vorstand Albrecht Hornbach nicht.

          Der Baumarktbetreiber Hornbach könnte mehr Geld verdienen. Zumindest kurzfristig. Auf lange Sicht aber, darauf setzt der Gründernachfahre Albrecht Hornbach, zahlen sich die Investitionen in den Ausbau der Online-Aktivitäten aus. Jeweils um die 50 Millionen Euro hat Hornbach in den beiden Vorjahren investiert, um das Unternehmen für den Handel in der digitalen Welt fit zu machen. Im laufenden Turnus soll es noch etwas mehr werden, so dass bis Ende der Rechnungsperiode auch alle Auslandsgesellschaften einen Onlinehandel anbieten. Die Investitionen – darauf legt Hornbach als Chef der börsennotierten Holding wert – würden direkt als Aufwand verbucht, der Überschuss also gemindert. „Wir sparen am Gewinn“, sagte er auf der Jahrespressekonferenz in Frankfurt.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Wer seinen Aktionären einen solchen Kurs zumute, benötige gute Argumente. Sicherheit gebe es nicht, „aber wir setzen darauf, dass wir richtig liegen.“ Die Trennung zwischen Online und Offline verschwimme auch im Heimwerkergeschäft immer mehr. Wie viel die Online-Aktivitäten zum Umsatz beitragen, darüber schweigt sich das Pfälzer Unternehmen aus. Mehr als 5 Prozent vom Umsatz seien es, heißt es lediglich. Hornbach ist als einzige der großen Baumarktketten an der Börse notiert und ohnehin zu mehr Transparenz verpflichtet als die größten Wettbewerber Bauhaus und Obi. Weiter in die Karten schauen lassen will sich der Konzern nicht.

          Stationärer Handel hält mit Online-Umsatz mit

          Der größte Online-Konkurrent, der Handelsriese Amazon, stößt nach Ansicht von Albrecht Hornbach derweil zumindest im Heimwerkergeschäft an seine Grenzen. Logistik sei teuer und es habe sich gezeigt, dass Kunden die Lieferkosten nicht voll bezahlten. „Stationäre Anbieter wie Hornbach haben gewaltige Vorteile“. Hornbach könne einen Multi-Kanal-Vertrieb anbieten, die Kunden könnten wählen, ob sie die Produkte geliefert bekommen, oder im Markt abholen. Die Preise seien online und im Markt dieselben. Hornbach zeigte sich überzeugt, dass „offline“ im Heimerkergeschäft auch auf Dauer das deutlich größere Gewicht behalte. Alle reinen Online-Anbieter schauen sich nach seinen Worten deshalb aktuell nach stationären Märkten um.

          Amazon selbst veröffentlicht die Umsätze mit Heimwerkerprodukten nicht. Hornbach geht mit Verweis auf Marktstudien davon aus, dass es in Deutschland etwa eine Milliarde Euro ist. Die Baumärkte kämen aktuell zusammen auf etwa 500 Millionen Euro. Der gesamte Online-Markt für Heimwerkerbedarf beläuft sich demnach auf 2,8 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In seinen 98 deutschen Märkten erwirtschaftete Hornbach im Geschäftsjahr 2016/17 gut 2 Milliarden Euro Umsatz.

          Stille Reserven in den Immobilien

          Dass es in der Holding zu einem Umsatzanstieg von 4,9 Prozent auf 3,94 Milliarden Euro reichte, verdankt das Unternehmen allerdings zuvorderst dem schneller wachsenden Auslandsgeschäft, das mittlerweile 45 Prozent der Umsätze ausmacht. Im zurückliegenden Geschäftsjahr hat Hornbach im Inland einen Markt geschlossen, im laufenden Jahr plant der Vorstand netto ebenfalls keinen neuen Markt. Das Geschäft werde sich weiter ins Ausland verlagern, sagte Hornbach. Er glaube nicht, dass der heimische Markt schon gesättigt sei, aber es gebe immer weniger Lücken. Und diese zu füllen - sprich: an die geeinigten Immobilienstandorte zu kommen - werde immer teurer.

          Hornbach habe auch auf bestehender Fläche mehr umgesetzt und die Effizienz verbessert. Damit sei es gelungen, die niedrigere Handelsspanne mehr als auszugleichen: das um Sonderfaktoren bereinigte Betriebsergebnis stieg um 5,7 Prozent auf knapp 160 Millionen Euro. Unterm Strich allerdings machten sich eingetrübten Geschäftserwartungen in Schweden bemerkbar. Weil der Konzern nach den Worten von Finanzvorstand Roland Pelka deshalb Verlustvorträge abschreiben musste, fiel der Nettogewinn um 8 Prozent auf 90 Millionen Euro.

          Im laufenden Jahr soll der Umsatz um die 5 Prozent wachsen. Das Ergebnis werde wegen der Online-Initiative stagnieren oder leicht über Vorjahresniveau liegen. Nach der überraschenden Gewinnwarnung vom Dezember 2015, sei es gelungen, am Kapitalmarkt Vertrauen zurückzugewinnen, sagte Albrecht Hornbach. Obwohl der Aktienkurs der Holding im abgelaufenen Geschäftsjahr um 16 Prozent angestiegen ist, hadert der Unternehmenschef mit der Bewertung. Alleine in den Immobilien steckten konservativ gerechnet stille Reserven in Höhe von 665 Millionen Euro, rund 40 Euro je Holding-Aktie - deren Wert pendelte um Montag um 69 Euro. Zu Geld machen will Hornbach den Betonschatz aber nicht, obwohl die Preise so hoch seien wie noch nie. Man könnte damit schon tolle Sachen machen, sagte er. „Aber nachhaltig wäre das nicht.“

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