Home
http://www.faz.net/-gqi-73xer
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Baumärkte Praktiker-Mitarbeiter verzichten auf Gehalt

Die Baumarktkette Praktiker steht vor der Pleite. Seit Juli haben Chefs und Mitarbeiter über einen Gehaltsverzicht verhandelt - jetzt steht er fest.

© dapd Vergrößern Praktiker-Mitarbeiter haben jetzt bessere Chancen, ihren Arbeitsplatz zu behalten.

Die Beschäftigten der angeschlagenen Baumarktkette Praktiker beteiligen sich durch eine fünfprozentige Kürzung der Jahreseinkommen an der Sanierung des Unternehmens. Ein entsprechender Tarifvertrag sei am Freitagabend mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen worden, teilte die Praktiker AG am Samstag in Hamburg mit. Erzielt werden die Einsparungen demnach in erster Linie durch Reduzierung oder Streichung des Weihnachtsgelds sowie tariflicher und betrieblicher Prämien. Monatliche Tarifgehälter seien nicht betroffen.

Praktiker war wegen einer missglückten Rabatt-Strategie („20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“) in die roten Zahlen geraten. Das Unternehmen hat daraufhin mehrfach den Vorstandschef ausgewechselt, die Konzernzentrale aus dem Saarland nach Hamburg verlagert und seine Strategie verändert. Anfang Oktober wurde es knapp gerettet. Bis zu 120 Praktiker-Märkte sollen nun auf die ertragreichere Konzernmarke Max Bahr umgeflaggt werden. Der Prozess hat gerade erst begonnen, gegenwärtig gibt es in Deutschland 85 Max-Bahr-Märkte und 220 Praktiker-Standorte.

Mitarbeiter erhalten Beschäftigungsgarantie

Im Gegenzug für den Gehaltsverzicht gilt  eine weitgehende Standort- und Beschäftigungsgarantie. Durch den Vertrag sollen die Personalkosten in Deutschland von 2012 bis 2014 jährlich um 17,3 Millionen Euro gesenkt werden.

Der neue Vorstandsvorsitzende der Praktiker AG, Armin Burger, bezeichnete den Vertrag als Meilenstein auf dem Weg zur Sanierung und zur Zukunftssicherung des Unternehmens. „Mit ihrem temporären Einkommensverzicht leisten die Beschäftigten der Praktiker AG in Deutschland selbst einen wichtigen Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung“, sagte Burger, der erst seit Mitte des Monats an der Spitze von Praktiker steht. Burger hatte nach heftigen Auseinandersetzungen in Aktionärskreisen zum 15. Oktober Kay Hafner abgelöst, der diese Position interimsweise bekleidet hatte.

Grundzüge standen schon seit Juli

Auf die Grundzüge des Sanierungstarifvertrags „über einen temporären Beitrag der Beschäftigten zur Restrukturierung des Konzerns“ hatten sich das Unternehmen und die Gewerkschaft schon im Juli geeinigt. Wegen der über längere Zeit ungesicherten Finanzierung der Restrukturierung des Unternehmens waren die Verhandlungen aber unterbrochen worden. Erst nachdem die Finanzierungsfrage, die zu heftigen Auseinandersetzungen in Aktionärskreisen geführt hatte, geklärt war, konnten die Verhandlungen nun abgeschlossen werden.

Erst am vergangenen Donnerstag hatte Praktiker schlechte Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt. Demnach reduzierte sich der Umsatz gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um mehr als zehn Prozent auf 758 Millionen Euro. Für die ersten neun Monate stand ein Umsatzverlust von 6,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu Buche.

Mehr zum Thema

Als Quartalsergebnis vor Steuern wies der Konzern ähnlich wie im Vorjahr einen Verlust von gut 32 Millionen Euro aus. Vorstandschef Burger hatte dies mit besonders schwierigen Rahmenbedingungen begründet. Unter anderem hätten die unklaren Zukunftsaussichten die Beziehungen zu Lieferanten und die Warenverfügbarkeit beeinträchtigt.

Doch auch die als Rettung vorgesehene Vertriebslinie Max Bahr musste im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von knapp fünf Prozent auf 172 Millionen Euro hinnehmen. Sie konnte vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITA) allerdings einen schmalen Gewinn von 2,9 Millionen Euro beisteuern.

Quelle: FAZ.net / dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mittelstandsanleihen-Ticker Rickmers-Rating fällt auf CCC

Alno siegt vor Gericht: Das Unternehmen durfte seinen Vorstandschef feuern. Ferratum will an die Börse und German Pellets begibt eine neue Anleihe. Mehr

19.11.2014, 13:57 Uhr | Finanzen
Yi-Ko-Holding Burger King erwirkt einstweilige Verfügung

Burger King hat sich von seinem größten Franchisenehmer getrennt. Doch der will trotzdem weitermachen. Jetzt ist die Fastfoodkette nach Informationen von FAZ.NET vor Gericht weitergekommen. Mehr

21.11.2014, 13:51 Uhr | Wirtschaft
Bankenstrafen-Ticker Milliarden-Strafen für fünf Großbanken

Betrug, Geldwäsche, Zinsmanipulationen: Banken weltweit müssen für ihre Fehltritte büßen. Jetzt sind im Skandal um manipulierte Devisenkurse Strafen gegen fünf Großbanken in Höhe von 2,7 Milliarden Euro verhängt worden. Mehr

12.11.2014, 11:02 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 27.10.2012, 13:50 Uhr

Der Altmeister

Von Holger Steltzner

Die EZB will möglichst rasch Staatsanleihen von Euro-Krisenländern kaufen. Dass das etwas bringt, glauben weder Finanzexperten noch altgediente Notenbankpräsidenten. Mehr 29 62


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Grafik des Tages Deutsche fühlen sich für Unternehmerdasein nicht gerüstet

Nur 34 Prozent der Deutschen glauben, ihre Ausbildung habe ihnen die Fähigkeit vermittelt, ein eigenes Unternehmen zu führen. Mehr 4

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden