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Baukonzern Hochtief bringt Flughäfen an die Börse

05.11.2009 ·  Der Essener Hochtief-Konzern bringt sein Konzessionsgeschäft an die Börse. Dabei geht es unter anderem um den Betrieb von Flughäfen, Straßen oder Schulen. Der erste große deutsche Börsengang seit Ausbruch der Finanzkrise soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Von Brigitte Koch
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Der Essener Hochtief-Konzern macht Ernst mit seinen Börsenplänen für die Unternehmenssparte Concessions, in der das Flughafengeschäft und weitere Infrastrukturprojekte gebündelt sind. So wurde die Gesellschaft inzwischen von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, um die Aktien privaten und institutionellen Investoren anzubieten. "Wir beabsichtigen aber, die Mehrheit an dem Unternehmen zu behalten, denn es ist wichtiger Bestandteil unserer Lebensrhythmus-Strategie", sagte der Hochtief-Vorstandsvorsitzende Herbert Lütkestratkötter am Donnerstag im Gespräch mit der F.A.Z. Ein Teil der an den Markt kommenden Aktien wird aus einer Kapitalerhöhung stammen. Vorgesehen ist eine Notierung im Regulierten Markt der Frankfurter Börse.

Der Essener Bauriese will mit der Abgabe einer Minderheitsbeteiligung nicht etwa Kasse machen. Das Gros der Erlöse aus dem Börsengang soll Hochtief Concessions zur Finanzierung des eigenen Wachstums zur Verfügung stehen, wie Lütkestratkötter ankündigt. Dieser erste große deutsche Börsengang seit Ausbruch der Finanzkrise soll noch 2009 erfolgen. In Finanzkreisen ist von Anfang Dezember die Rede. Begleitet wird Hochtief bei dieser Emission von einem Bankenkonsortium aus Goldman Sachs, Citi, der Deutschen Bank und Barclays Capital.

Verbindung zum Mutterkonzern soll erhalten bleiben

Hochtief Concessions zählt sich selbst zu den international führenden industriellen Infrastrukturinvestoren. Die Gesellschaft bündelt ihr Wissen über Konzessionen und Finanzierungen mit operativen Kenntnissen. Dabei geht es darum, wie Flughäfen oder in Partnerschaft mit der öffentlichen Hand errichtete Infrastrukturprojekte geführt und gewinnbringend entwickelt werden können. Die industrielle Führungsrolle in Konsortien ist für Hochtief nach eigenen Angaben dabei Grundvoraussetzung jeder Investition. "Wir erschließen das Potential unserer Assets und entwickeln es weiter. Wenn dann ein bestimmter Wert erzielt wurde, werden auch Anteile verkauft", fasst Lütkestratkötter die Strategie zusammen.

Die Verbindung zum Mutterkonzern soll trotz des Börsengangs erhalten bleiben. Denn der Börsenkandidat habe schon in der Vergangenheit auf die Zusammenarbeit mit anderen Hochtief-Gesellschaften gesetzt und davon profitiert. Für die Essener bleibt daher das Konzessionsgeschäft nach Lütkestratkötters Worten fester Bestandteil der Konzernstrategie, nämlich die Bearbeitung von Projekten in allen Lebensrhythmus-Phasen von der Planung, Finanzierung und dem Bau bis hin zu Wartung und Betrieb. Dass es in neuer Eigentümerstruktur zu Konflikten in der Zusammenarbeit der einzelnen Konzerngesellschaften kommen könnte, sieht der Hochtief-Chef nicht. Auch heute werde betriebswirtschaftlich wie zwischen unabhängigen Parteien gearbeitet.

Die Börsennotierung und die damit tägliche Bewertung der Concessions-Sparte wird nach seiner Auffassung zugleich die Transparenz erhöhen. Auch das ist ihm ein wichtiges Anliegen. "Das hilft auch den Investoren, die Werthaltigkeit des Geschäftes besser zu verstehen." Das wiederum könnte als ein willkommener Nebeneffekt auch dem Kurs von Hochtief guttun, so seine Überlegung.

Zum Unternehmen gehören 6 Flughafenbeteiligungen und 7 Straßen

Zum möglichen Emissionskurs und damit zum Emissionsvolumen möchte sich Lütkestratkötter zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht äußern. "Das wird der Markt bestimmen." Kapitalmarktkreise rechnen mit einem Volumen von deutlich mehr als 800 Millionen Euro. Er zeigt sich aber zuversichtlich, dass das Angebot auf großes Interesse stoßen wird. Es sei nach wie vor viel Geld im Markt, das Anlage suche. Aus Branchenkreisen war zu hören, dass erste Gespräche mit Investoren aus Deutschland, Großbritannien und Australien bereits positiv verlaufen seien. "Wir sprechen über interessante Assets und wenden uns vor allem an solche Anleger, die Wert auf stabile Mittelzuflüsse (Cashflow) legen. Selbst in den ersten neun Monaten des Krisenjahres haben wir ein deutlich positives Nachsteuerergebnis erzielt", erläutert er. Und Infrastrukturprojekte stünden typischerweise für einen stabilen Mittelzufluss. Hochtief wird den geplanten Teilverkauf über die Börse indessen nicht um jeden Preis forcieren. "Sollten unsere Wertvorstellungen nicht erreicht werden, würden wir uns nicht scheuen, den Prozess abzubrechen", stellt er klar.

Könnte der jetzt eingeleitete Börsengang Modellcharakter für andere Sparten des Konzerns haben? Pläne dazu hat der Hochtief-Vorstand derzeit nicht. Allerdings sieht sich das Management grundsätzlich in der Rolle des aktiven Portfoliomanagers. Dazu gehört nicht nur das Wahrnehmen von Zukaufchancen, wie es sie in der Vergangenheit zahlreich gegeben hat. Im Prinzip kommen auch Verkäufe von Einheiten oder Teilen davon in Frage. "Wenn es der übergeordneten Strategie des Konzerns nutzt und dazu beiträgt, ein insgesamt noch stärkeres Wachstum zu generieren", wie Lütkestratkötter ergänzt.

Zum aktuellen Portfolio von Hochtief Concessions gehören sechs Flughafenbeteiligungen, und zwar in Athen, Budapest, Düsseldorf, Hamburg, Sydney und Tirana. Das Geschäftsfeld Straßen umfasst derzeit sieben Straßen sowie Tunnel mit einer Gesamtlänge von 750 Kilometern.

Geothermie-Kraftwerke werden als Geschäftsfeld getestet

Ergänzt wird das Portfolio von einer Fülle von sozialen Infrastrukturprojekten, darunter 89 Schulen, davon mehr als 20 in Großbritannien und Irland, zwei Rathäuser, ein Bürgerzentrum und eine Kaserne. Seit dem vergangenen Jahr wird zudem der Betrieb von Geothermie-Kraftwerken als neues Geschäftsfeld getestet. Den Nettobarwert, also den Wert zukünftiger Cashflows der Flughafenbeteiligungen sowie der in einer Partnerschaft mit der öffentlichen Hand betriebenen sogenannten PPP-Projekte, hat Hochtief zuletzt auf 1,54 Milliarden Euro veranschlagt. Der Emissionswert wird hingegen durch den Markt bestimmt, wird betont.

Die Einnahmen des Börsenneulings stammen primär aus den laufenden Erträgen der Beteiligungen. Dazu gehören Dividenden ebenso wie Managementvergütungen, transaktionsbezogene Gebühren und Provisionen, Plazierungsgewinne oder Verkaufserlöse. In den ersten neun Monaten 2009 wurde ein Gruppengewinn von 28,4 Millionen Euro erzielt. Beschäftigt werden etwa 300 Mitarbeiter.

Der Hochtief-Vorstand hat in der Vergangenheit immer wieder betont, mit der Sparte Concessions auf dem Wachstumspfad bleiben und das Geschäft weiter ausbauen zu wollen. Allein in bestehende Projekte sollen in den nächsten fünf Jahren 500 Millionen Euro investiert werden. Zwar setzt derzeit die Wirtschaftskrise vor allem dem Flughafengeschäft stark zu. Gleichwohl verweisen verschiedene Branchenstudien darauf, dass sich die Fluggast- und Frachtzahlen langfristig positiv entwickeln werden und sich daraus steigende Anforderungen an die Flughafeninfrastruktur ergeben. Außerdem, betont Lütkestratkötter, habe sich das Passagieraufkommen an den von Hochtief geführten Flughäfen im ersten Halbjahr besser entwickelt als weltweit.

Auch bei der Beurteilung des sogenannten Non-Aviation-Geschäftes, zu dem beispielsweise Einzelhandel und Gastronomie, die Parkplatzbewirtschaftung oder die Immobilienentwicklung am Flughafenstandort gehören, stützt sich Hochtief auf einschlägige Studien, in denen von profitablen Wachstumspotentialen die Rede ist. In den Geschäftsfeldern Straßen und soziale Infrastruktur baut Hochtief nicht zuletzt auf die schlechte Kassenlage der öffentlichen Hand. Im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise wurden zudem in verschiedenen Ländern Konjunkturprogramme beschlossen, die öffentliche Investitionen in soziale Infrastruktur vorsehen.

Während der größte Teil des Erlöses der Gesellschaft selbst und ihrer Entwicklung zugutekommen soll, fließt ein Teil auch in die Kassen der Essener Muttergesellschaft. "Wir sind langfristig gut durchfinanziert, und zwar nicht zuletzt durch das im Mai begebene Schuldscheindarlehen über 300 Millionen Euro", wehrt der Hochtief-Chef mögliche Mutmaßungen über einen zusätzlichen Kapitalbedarf von Deutschlands führendem Baukonzern ab. "Aber wir könnten die Mittel zur Finanzierung unseres weiteren Wachstums oder zum weiteren Schuldenabbau einsetzen."

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