27.11.2009 · Die Tochter des Verlegers Heinz Bauer erhält nach und nach mehr Einfluss im Zeitschriftenimperium der Familie. Dem Patriarchen muss es imponiert haben, wie Yvonne Bauer in der Vertriebssparte des Unternehmens agierte.
Von Timo KotowskiEine Krönungszeremonie hat es nicht gegeben. Sie wäre ohnehin nicht nach Art des Hauses gewesen. Eine Pressemitteilung genügte für die Nachricht, dass Yvonne Bauer zum Jahreswechsel faktisch die Verantwortung für das Deutschland-Geschäft des bislang von ihrem Vater Heinz Bauer geführten Zeitschriftenimperiums übernimmt. Bei der Hamburger Bauer Media Group, wie der Heinrich-Bauer-Verlag mittlerweile heißt, ist man traditionell schweigsam. Zwar breiten die Illustrierten des Hauses wie "Das neue Blatt", "Neue Post" und "Das Neue" allerlei mehr oder weniger Bedeutendes über Schauspieler, Sänger und Selbstdarsteller aus; wenn es ums eigene Unternehmen geht, hält sich die Verlegerfamilie aber bedeckt.
Dennoch ließ sich seit Monaten erahnen, dass Yvonne Bauer, die zweitjüngste der vier Töchter des Verlegers, Vaters Liebling ist, wenn es darum geht, wer nach ihm auf dem Chefsessel sitzen soll. Im Sommer holte Heinz Bauer die blonde, 32 Jahre alte Frau in die Verlagsleitung - als einzige der Schwestern, die alle im Familienkonzern tätig sind. "Ich hoffe, dass sich Yvonne gut einarbeitet und auch meine anderen Töchter weiter Spaß haben, sich einzubringen", sagte er dazu. Und schon diese vage Andeutung ließ sich als große Auszeichnung lesen - ausgesprochen vom Vater, der sonst auf die Nachfolgefrage schon mal antwortet, er wolle nicht sein Testament vorlesen.
Dem Patriarchen imponiert
Dem Patriarchen muss es imponiert haben, wie Yvonne Bauer in der Vertriebssparte des Unternehmens agierte. Nach dem Germanistik-Studium in Bamberg und einem Volontariat beim Hamburger Buchverlag Hoffmann und Campe war sie 2005 dort eingestiegen. Ein Jahr später übernahm sie die Leitung einer Kommission, die den Korruptionssumpf in der verlagseigenen Abonnementabteilung trockenlegte.
Chefs von Drückerkolonnen hatten mit Tausenden von gefälschten Aboverträgen Vermittlungsprämien in Millionenhöhe abgezweigt; Verlagsbeschäftigte sollen an dem System verdient haben. Yvonne Bauer bekam als Dank für ihre Aufklärungsarbeit die Leitung des gesamten Vertriebs übertragen.
Nicht schöne Texte wie im Studium prägen seitdem ihre Arbeit, sondern harte Zahlen, vor allem die Angaben zu den Auflagen von "Laura", "Bella", "Tina" & Co. Denn im Hause Bauer gilt, dass ein erfolgreicher Verlag seine Zeitschriften massenweise verkaufen muss, anstatt sie zu verscherbeln und zu verschenken. Der Verlag lässt anders als seine Konkurrenten kaum Hefte zu Flughäfen karren, wo sie als Bordexemplare verteilt werden, um die Auflagenstatistik zu schönen. Bauer finanziert sich stärker als der Rest der Branche durch den Heftverkauf. Das macht den Verlag weniger anfällig für konjunkturelle Krisen, in denen Konzerne bei ihren Werbeetats knausern.
Harte Geschütze gegen Konkurrenz und Großhändler
Was bei Bauer zählt, sind Auflagenzahlen. Diese sind zwar für viele Titel des Verlags in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Doch mancher Konkurrent würde sich freuen, ein Produkt wie die "Neue Post" im Sortiment zu haben, das Woche für Woche im Durchschnitt 770.000 Mal gekauft wird. Damit diese Werte erhalten bleiben, fuhr die Bauer-Vertriebssparte mit Yvonne Bauer an der Spitze zuletzt harte Geschütze auf. Als Konkurrent Condé Nast zwei Magazine in eine Tüte steckte, um eines - allen voran die inzwischen eingestellte "Vanity Fair" - im Doppelpack für wenige Cent zu verramschen, zog Bauer vor Gericht. Dort erwirkte man gegen die sogenannten Bundles eine einstweilige Verfügung.
Verlegertochter Yvonne schreckte auch nicht zurück vor einem Angriff auf ein Heiligtum des deutschen Medienvertriebs: das Presse-Grosso, ein System aus 73 Großhändlern, die als Monopolisten Kioske, Supermärkten und Tankstellen ihrer Regionen mit allen verfügbaren Titeln beliefern - von Bauers Massenware bis zu Nachahmerheften anderer Verlage. "Diese Billigtitel verstopfen einen Monat lang die Kioskregale und nehmen den wöchentlichen Umsatzbringern auch, aber nicht nur aus unserem Haus Platz weg", wetterte Yvonne Bauer im Branchenblatt "Horizont". Sie forderte bessere Konditionen für den eigenen Verlag, der seine Produkte in den Auslagen nicht zwischen schwerverkäuflichen Postillen anderer Häuser versteckt wissen will. Gleich zu Jahresbeginn wird der Grosso-Streit wieder auf der Tagesordnung ganz oben stehen. Dann verhandeln die Oberlandesgerichte in Celle und Schleswig in zweiter Instanz, ob es rechtens war, dass Bauer zwei Grossisten die Lieferverträge kündigte.
Freundlich und frei von Allüren
Hartnäckig in der Sache, aber freundlich und frei von Allüren im zwischenmenschlichen Umgang, so wird Yvonne Bauer in Verlagskreisen beschrieben. Ihrem Vater wird hingegen nachgesagt, er sei unnahbar, misstrauisch und detailversessen. Gut möglich ist, dass Yvonnes wachsender Einfluss im Familienimperium das Betriebsklima verbessert.
Ein Wandel ist indes sicher. Zum Jahreswechsel übernehmen die Yvonne Bauer Service KG und Yvonne Bauer Redaktions KG wesentliche Bereiche des Inlandsgeschäfts. Damit führt die Verlegertochter als persönlich haftende Gesellschafterin Firmen, die den eigenen Namen tragen. Heinz Bauer stand an der Spitze der Altgesellschaften, die nach Großvater Heinrich benannt sind.
Doch ganz gibt der bisherige Verlagschef, der Ende Oktober seinen 70. Geburtstag feierte, die Zügel noch nicht aus der Hand. Vorerst bleibt er Herr über den größeren Teil der Konzernkasse. Auch behält er die Verantwortung für das Auslandsgeschäft, das 2009 erstmals für mehr Erlöse sorgt als die Aktivitäten auf dem angespannten Heimatmarkt. Seine Kronprinzessin soll sich eben Stück für Stück einarbeiten.
Bauers Sprecher Fritzenkötter geht
Diese Meldung dürfte mit dem Generationswechsel im Hause zusammenhängen: Bauer-Verlagssprecher Andreas Fritzenkötter (51) verlässt nach zehnjähriger Zusammenarbeit das Unternehmen. „Hintergrund sind unterschiedliche Auffassungen über die Weiterentwicklung der Öffentlichkeitsarbeit der Gruppe“, teilte der Verlag am Freitag mit. Die Leitung des Bereiches PR wird den Angaben zufolge aktuell nicht neu besetzt. Die operativen Aufgaben übernimmt Berit Sbirinda, stellvertretende Leiterin Unternehmenskommunikation.
| Name | Kurs | Prozent |
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| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
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| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |