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Bankenkrise Geschäftsführung von Northern Rock tritt zurück

17.11.2007 ·  Adam Applegarth, der Vorstandsvorsitzende der angeschlagenen britischen Hypothekenbank Northern Rock, gibt seinen Posten auf. Auch drei weitere Vorstände treten zurück. Unterdessen präsentieren Übernahmeinteressenten ihre Rettungsvorschläge für die strauchelnde Bank.

Von Bettina Schulz
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Der Vorstandsvorsitzende der strauchelnden britischen Hypothekenbank, Adam Applegarth, wird Ende Januar von seinem Posten zurücktreten. Northern Rock verkündete am Freitagabend, dass sich zudem drei weitere Vorstände von ihren Posten verabschieden und vier nicht in das Tagesgeschäft eingebundene Direktoren ebenfalls zurückziehen werden. Der Abtritt der alten Managementgarde von Northern Rock soll bei dem Verkauf der in Liquiditätsnöte geratenen Bank helfen und Freiraum für ein neues Management schaffen, das ein künftiger Eigentümer einbringen wollen wird. Die Personalveränderungen „sollen einem zügigen Entscheidungsprozess helfen“, hieß es von Northern Rock am Freitag. Zwei neue Verwaltungsratsmitglieder, John Devaney und Simon Laffin, traten dem Board unterdessen neu bei.

Die Northern Rock beratenden Investmentbanken Merrill Lynch, Blackstone und Citigroup werden an diesem Wochenende die Vorschläge sichten, die von Beteiligungsunternehmen und Banken eingereicht wurden, die eine Rettung von Northern Rock erwägen. An Freitag endete die Frist, die das Trio der Beraterbanken interessierten Finanzinstituten gesetzt hatte.

Lösung nicht in Sicht

Eine Lösung für Northern Rock ist damit noch lange nicht in Sicht. In harten Verhandlungen werden alle Beteiligten ausloten müssen, wie die Interessen der Bieter, der Aktionäre von Northern Rock und des britischen Finanzministeriums auf einen Nenner gebracht werden können. Jegliche Entscheidung über einen Verkauf oder Teilverkauf von Northern Rock hängt von Schatzkanzler Alistair Darling ab, denn das britische Finanzministerium garantiert nicht nur die Einlagen des Institutes von 20 Milliarden Pfund - umgerechnet fast 30 Milliarden Euro - sondern steht letztlich auch als Sicherheit hinter den Notkrediten von mittlerweile 23 Milliarden Pfund, die die Bank von England der in Liquiditätsnöten geratenden Bank eingeräumt hat - mithin also mehr als 40 Milliarden Pfund potentiellen Steuergeldern. Das Finanzministerium hat Goldman Sachs als Berater Northern Rock eingeschaltet.

In einem Verkaufsprospekt für etwa 50 interessierte Finanzadressen zeichneten die Beraterbanken zwar ein relativ rosiges Bild des künftigen, potentiellen Geschäftsverlaufes von Northern Rock. In dem 36 Seiten starken Papier betonen die Banken allerdings auch, dass Northern Rock Anfang 2008 immer noch Notkredite von gut 24 Milliarden Pfund in Anspruch genommen haben wird und selbst im Jahr 2010 noch mit knapp 6 Milliarden Pfund bei der Bank von England verschuldet sein wird. Es wird argumentiert, dass mit der Regierung möglicherweise verhandelt werden könne, ob die auf diese Kredite zu zahlenden Strafzinsen von 6,75 bis 7 Prozent in Höhe von 2 Milliarden Pfund erlassen werden können. Auch wird angedeutet, dass Northern Rock vielleicht nicht als Ganzes verkauft werden könne, sich die Regierung also möglicherweise mit einem Teilverkauf zufrieden gebe.

Darling bewegt sich auf schmalem Grat

Für das britische Finanzministerium hat es Priorität, einen Käufer zu finden, der die Regierung möglichst schnell aus ihren Garantien und die Bank von England möglichst schnell aus ihrem Kreditbeistand entlässt. Das Wichtigste ist daher für das Schatzamt, einen gut kapitalisierten, liquiden Käufer zu finden, der eine möglichst umfangreiche Finanzierung auf die Beine stellen kann. Das Schatzamt signalisierte gar, dass Darling in der kommenden Woche betonen werde, dass er es auch akzeptieren werde, wenn eine Private-Equity Gesellschaft oder ein entsprechendes Konsortium Northern Rock übernehme. Viele Banken sind angesichts der derzeitigen Finanzkrise so gebeutelt, dass das Interesse an Northern Rock von ihrer Seite sehr begrenzt ist.

Freilich bewegt sich Darling auf einem schmalen Grat: Denn er will sich andererseits auch nicht dem Vorwurf aussetzen, dass eine Beteiligungsgesellschaft Northern Rock mit Staatshilfe billig aufgekauft habe, umstrukturiert und nach der Krise mit großem Gewinn wieder abgestoßen habe.

Glaubwürdigstes Gebot von JC Flowers

Das bisher offenbar glaubwürdigste Gebot scheint von der Beteiligungsgesellschaft JC Flowers zu kommen, die angeblich ein Finanzierungspaket von 15 Milliarden Pfund stehen hat. Die Private Equity Gesellschaft wird von Bob Bennet, dem ehemaligen Finanzvorstand von Northern Rock, beraten und würde Richard Pym, den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Alliance & Leicester, als neuen Chef von Northern Rock einsetzen.

Ein zweites Konzept für Northern Rock wurde von Virgin Money, dem Finanzinstitut des Unternehmers Sir Richard Branson, eingereicht. Er führt ein Konsortium an, mit dem Hedge-Fonds Toscafund, der amerikanischen Versicherung AIG, der First Eastern Investmentgroup und dem Milliardär Wilbur Ross. Branson will Brian Pitman, den ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden von Lloyds TSB Group als neuen Verwaltungsratsvorsitzenden einsetzen und George Mathewson, den ehemaligen Verwaltungsratsvorsitzenden der Royal Bank of Scotland, als Berater nutzen.

Am Freitag gab Virgin Money bekannt, dass das Konsortium sofort in der Lage sei, einen erheblichen Teil der bisherigen Kredite von Northern Rock zurückzuzahlen. Virgin Money will den Markennamen Northern Rock aufgeben und die Bank unter dem Namen Virgin weiterführen.

Am Freitag verkündete der dritte Interessent an Northern Rock, die von Luqman Arnold geführte Beteiligungsgesellschaft Olivant, dass dessen Konsortium in der Lage sei, Kredite der Bank von England zügig zurückzuzahlen. Olivant will eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 20 Prozent bei Northern Rock eingehen, würde die Bank jedoch unabhängig weiterführen. Es soll noch anderen Banken und Beteiligungsgesellschaften wie Cerberus Capital Management geben, die sich für Northern Rock interessieren.

Quelle: F.A.Z., 17.11.2007, Nr. 268 / Seite 15
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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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