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Bankenkrise Die HSH Nordbank braucht eine Milliardenspritze

11.02.2009 ·  Am kommenden Dienstag wird eine weitere deutsche Bank offenbaren, dass sie ihren Fortbestand nur mit Hilfe des Staates sichern kann: Der Verlust der HSH Nordbank ist deutlich höher als erwartet. Eine Folge wird auch ein stärkerer Personalabbau sein.

Von Johannes Ritter, Hamburg
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Am kommenden Dienstag wird eine weitere deutsche Bank offenbaren, dass sie ihren Fortbestand nur mit Hilfe des Staates sichern kann. Im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung wird die HSH Nordbank berichten, dass sie das Jahr 2008 mit einem Verlust in Milliardenhöhe abgeschlossen hat. Der genaue Fehlbetrag steht noch nicht fest. Aber aus dem Umfeld der Bank verlautet, dass es sich um ein Minus in der Größenordnung von 2,8 Milliarden Euro handeln dürfte. Den daraus resultierenden Eigenkapitalverzehr kann die Bank aus eigener Kraft nicht kompensieren. Daher sollen die Anteilseigner frisches Kapital zuschießen.

Die HSH Nordbank gehört zu 30 Prozent der Hansestadt Hamburg und zu 29 Prozent dem Land Schleswig-Holstein. Die ebenfalls beteiligten schleswig-holsteinischen Sparkassen (Anteil: 15 Prozent) und die private Investorengruppe um den amerikanischen Investmentbanker Christopher Flowers (26 Prozent), der auch als Großaktionär der Hypo Real Estate schwere Verluste erlitt, wollen sich nicht an der Rettung beteiligen.

Vorentscheidung womöglich schon Ende dieser Woche

Also sehen sich Hamburg und Schleswig-Holstein allein mit dem dringenden Wunsch der Bank konfrontiert, jeweils mehr als 1 Milliarde Euro Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Eine Vorentscheidung über diesen hohen Einsatz von Steuergeldern wird unter Umständen schon Ende dieser Woche fallen: Am Freitag treffen sich Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Harry Carstensen (beide CDU) sowie weitere führende Politiker dieser Länder mit dem Vorstandschef der HSH Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher. Am Dienstag könnten die Länderkabinette dann den Weg frei machen für die milliardenschwere Kapitalspritze.

Die Zeit drängt, weil der Finanzmarktstabilisierungsfonds (Soffin) der Bank auferlegt hat, bis zum 21. Februar ein schlüssiges Fortführungskonzept und eine Kernkapitalquote von mindestens 8 Prozent vorzuweisen. Diese Auflagen resultieren aus der Inanspruchnahme von Garantien des Soffin, die sich auf 30 Milliarden Euro summieren. Da die HSH Nordbank als größter Schiffsfinanzierer der Welt zu den „systemisch relevanten“ Banken in Deutschland zählt, könnte sie auch die Soffin um frisches Eigenkapital bitten. Das hätte aber Folgen für die bisherigen Anteilseigner, deren Einflussrechte geschwächt würden. Außerdem ließe sich die Soffin diesen Einsatz teuer bezahlen, was zu einem späteren Zeitpunkt die ausschüttungsfähigen Gewinne schmälert würde.

Wirtschaftsprüfer sind überaus fündig geworden

Im Herbst hatte der HSH-Vorstand für 2008 intern noch mit einem Verlust von 700 bis 800 Millionen Euro gerechnet. Dass nun offenbar ein Fehlbetrag von rund 2,8 Milliarden Euro droht, hat mehrere Gründe. Der Aufsichtsrat hat KPMG beauftragt, das gesamte Kreditbuch nach weiteren Risiken zu durchforsten. Dabei sind die Wirtschaftsprüfer überaus fündig geworden. Dem Vernehmen nach waren enorme weitere Abschreibungen auf das 23 Milliarden Euro schwere Portfolio an strukturierten Wertpapieren nötig. Außerdem musste die Bank im vierten Quartal hohe Rückstellungen für Risiken im Kreditgeschäft mit Firmenkunden bilden, heißt es.

Wegen der schlechten Gesamtlage will der Vorstand die Bank noch stärker gesundschrumpfen als geplant. Dem Vernehmen nach soll die Bilanzsumme auf rund 100 Milliarden Euro halbiert werden und rund 1500 der 4300 Stellen gestrichen werden. Offiziell angekündigt ist bislang „nur“ der Abbau von 750 Stellen. Die geplante Ausgliederung und rechtliche Abtrennung der Geschäfte, aus denen sich die Bank zurückziehen will, ist komplizierter als gedacht und wird wohl 12 bis 18 Monate dauern.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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