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Bankenfusion Unangefochtener Marktführer in Osteuropa

12.06.2005 ·  Auf den Bankmärkten Osteuropas soll die Fusion von Unicredito und Hypo-Vereinsbank die größten Synergieeffekte bringen. In der Region werden für das Bankgeschäft und die Bankgewinne noch großes Wachstum vorausgesagt.

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Die Art, wie beide Banken ihre Aktivitäten in Osteuropa bisher dargestellt haben, zeigt aber auch die unterschiedliche Philosophie: Die Hypo-Vereinsbank bietet in ihrem Geschäftsbericht auf den ersten Seiten eine Europakarte mit den Marktanteilen der Gruppe für jedes Land. Ganz Osteuropa, einschließlich der Ukraine und Mazedoniens, ist von der Hausfarbe Blau bedeckt.

Die in der Gruppe Hypo-Vereinsbank für Osteuropa zuständige Bank Austria rechnet sich die Lage entsprechend schön: Das Geschäftsvolumen in Osteuropa wird mit den jeweiligen Beteiligungen multipliziert, womit die Gruppe HVB/Bank Austria mit einer Bilanzsumme von 20 Milliarden Euro in Osteuropa einen Vorsprung gegenüber den italienischen Konkurrenten mit nur 17 Milliarden Euro erzielt. Ohne solche Zahlenarithmetik zeigt sich allerdings, daß die Gruppe HVB/Bank Austria mit der Präsenz in 13 Ländern eine Bilanzsumme von 30,1 Milliarden Euro konsolidiert. Die Bilanz von Unicredito konsolidiert Bankaktivitäten in sieben Ländern und die Hälfte einer gemeinschaftlich betriebenen Tochterbank in der Türkei - und kommt damit auf das gleiche Geschäftsvolumen.

Bei Unicredito hält man wenig von der Idee, die Landkarte mit Fähnchen zu überziehen. Den Italienern liegt vor allem daran, ihre Resultate in den Mittelpunkt zu stellen. Tatsächlich ist Unicredito in wichtigen Ländern Osteuropas wie Ungarn oder Slowenien nicht vertreten. Die Karten von Unicredito lassen auch das Baltikum gleich ganz aus dem Gesichtsfeld, weil man in Mailand diese Länder bisher für zu klein hielt, um dort attraktive Ergebnisse erzielen zu können. Beim Vergleich des Gewinns vor Steuern im Geschäftsjahr 2004 hat dann auch Unicredito die Nase vorne, mit 710 Millionen Euro gegenüber nur 486 Millionen Euro der Gruppe HVB/Bank Austria.

Minderheitspartner Allianz-Versicherung

Unicredito hat sich früher als viele westeuropäische Konkurrenten für den osteuropäischen Markt interessiert, der für die ansonsten rein italienische Bankengruppe das einzige Engagement außerhalb Kerneuropas darstellen sollte. Während andere Konkurrenten von ihren Aktivitäten in Amerika oder Asien berichteten, hieß es bei Unicredito, man konzentriere sich nur auf diesen einen Markt, der wegen seiner geographischen Nähe viele Vorteile biete und ebenso noch großes Wachstum erwarten lasse.

Mit der Münchener Allianz-Versicherung hat Unicredito zudem für eine Reihe von Akquisitionen einen interessierten Minderheitspartner gefunden, der half, die Aufwendungen für die Erwerbungen in Osteuropa in Grenzen zu halten. Im Mittelpunkt des Interesses standen dabei die Privatisierungen größerer Banken, bei denen die italienischen Bewerber im Gegensatz zu deutschen oder österreichischen Bankengruppen nicht mit historisch begründeten Vorurteilen zu kämpfen hatten.

Eigenkapitalrendite von mehr als 21 Prozent

In Polen erhielt Unicredito 1999 mit der Bank Pekao das zweitgrößte Kreditinstitut des Landes und verfügt allein dort über 800 Filialen. Die Italiener suchten sich nach der Übernahme behutsam zu zeigen, beließen einen Polen auf der Chefposition und entsandten nur auf die Position Nummer zwei einen italienischen Manager. Fünf Jahre nach der Übernahme liefert die polnische Bank eine Eigenkapitalrendite von mehr als 21 Prozent und ist damit Vorbild für andere Länder, manchmal auch Ideenlieferant für das Geschäft in Italien.

Die Hypo-Vereinsbank und Bank Austria haben sich wegen der geographischen Nachbarschaft schon viel früher für Osteuropa interessiert, sind dort andererseits nicht immer so konsequent vorgegangen wie die Italiener. Bei der Vereinigung der Aktivitäten - mit 1400 Bankfilialen und 28000 Mitarbeitern von Unicredito, 990 Filialen und 18.000 Mitarbeitern von HVB/Bank Austria - entstehen gewichtige Marktpositionen in Polen und in Kroatien. In Kroatien besitzt Unicredito den Marktführer, die Gruppe HVB/Bank Austria dagegen die Nummer vier des Bankenmarktes, die wahrscheinlich nach der Fusion aus kartellrechtlichen Gründen verkauft werden muß. In Ländern wie Rumänien könnte sich dagegen erst mit der Fusion eine interessante Marktgröße ergeben. HVB/Bank Austria sind dort Nummer neun des Marktes, während Unicredito (auch wegen der Präsenz vieler italienischer Unternehmen) ganz klein angefangen hat.

Quelle: tp., F.A.Z., 13.06.2005, Nr. 134 / Seite 12
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