12.06.2005 · Milliardenaltlasten und keine Gewinne: Das HVB-Inlandsgeschäft birgt die größten Gefahren für Unicredito. Was denken wohl die neuen Eigentümer aus Mailand angesichts der Filialen jenseits der Alpen?
Das Deutschland-Geschäft der Hypo-Vereinsbank (HVB) kann Bankmanager das Fürchten lehren: „Erschrocken“ sei sie, als sie erfahren habe, wie hoch in ihrem Bereich die Kosten im Vergleich zum Umsatz seien, bekannte Christine Licci im Frühjahr in einem offenherzigen Interview mit der HVB-Mitarbeiterzeitschrift.
Die Südtirolerin ist neu in der HVB und seit kurzem für das Privatkundengeschäft der Bank im Inland verantwortlich. Liccis vernichtende Eröffnungsbilanz: Die Mitarbeiter wüßten nicht, wie man die Kunden bei der Finanzplanung berät, und die Kunden nicht, warum sie ausgerechnet zur HVB gehen sollen.
Was sagen die neuen Eigentümer?
Was wohl den neuen Eigentümern aus Mailand durch den Kopf gehen wird, wenn sie sich die Filialen jenseits der Alpen näher anschauen? Daß sie diese genau unter die Lupe nehmen werden, ist selbstverständlich. „Die wichtigste Frage ist, ob Unicredito das Deutschland-Geschäft der HVB besser führen kann“, schreiben die Analysten der Investmentbank Citigroup Smith Barney in einer Studie zu der bevorstehenden Milliardenübernahme.
Das ist keine gewagte Prognose. Ein Blick in den HVB-Geschäftsbericht läßt kaum Zweifel daran, daß die größten Risiken für den neuen Bankkonzern im Inlandsgeschäft der Bayernbank lauern: 2004 entfielen 1,4 Milliarden von 1,8 Milliarden Euro Risikovorsorge auf Deutschland. Hinzu kam eine Sonderabschreibung von 2,5 Milliarden auf die inländischen Immobilienaltlasten - dem größten Problem der Bank.
Hinter der Konkurrenz
Im Geschäftsfeld Deutschland war 2004 mehr als die Hälfte des Kernkapitals der HVB gebunden und jeder fünfte der knapp 58.000 HVB-Mitarbeiter beschäftigt. Doch zum operativen Gewinn der Bank steuerte die Sparte praktisch nichts bei. Die schwächelnde Konjunktur in Deutschland macht es allen Kreditinstituten schwer. Doch auch im Vergleich zur Konkurrenz hinken die Bayern weit hinterher (siehe Graphik). Seit Jahren versuchen sie, die Umsätze nach oben zu bringen.
Die Italiener müssen die Probleme lösen, denn HVB-Chef Dieter Rampl setzte in den Verhandlungen mit Unicredito einen fünfjährigen Bestandsschutz für die schwache Deutschland-Sparte durch. Der Weg zu einem raschen Weiterverkauf der Problemsparte erscheint für Unicredito somit verbaut. Die Crux: Der künftige Eigentümer hat nur bedingt Einfluß auf die weitere Entwicklung der Sparte.
Kommt es zu weiteren Abschreibungen?
Sollten die Immobilienmärkte noch weiter einbrechen, sind weitere Abschreibungen unausweichlich. Die HVB sitzt auf einem Immobilienkreditvolumen von rund 100 Milliarden Euro. Das gesamte Kreditbuch ist sogar 325 Milliarden Euro schwer und damit eines der größten in Europa. Faule Immobilienkredite von 15 Milliarden Euro sind seit Jahresanfang bereits ausgegliedert und wertberichtigt. Sie sollen weiterverkauft oder intern verwertet werden.
„Wir sehen derzeit keine Anzeichen, daß bei planmäßigem Abbau der Altlasten weitere Sonderwertberichtigungen nötig sind, aber die Immobilienmärkte bleiben ein Risiko für die HVB“, sagt Stefan Best, Analyst bei der Ratingagentur Standard & Poor's. Die Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) kalkuliert dagegen bereits jetzt weitere Sonderwertberichtigungen von 1,4 Milliarden Euro bei der HVB ein. „Ein Käufer, der konservative Wertansätze wählt, dürfte eine Aufstockung der Risikovorsorge für notwendig halten“, kommentieren die CSFB-Analysten.
Die Erwartungshaltung ist groß
Mit Spannung erwartet wird auch, wie Unicredito jenseits der Altlasten das müde HVB-Geschäft zwischen München und Hamburg in Schwung bringen will. An den Finanzmärkten ist die Erwartungshaltung groß. „Es sind massive Veränderungen im Deutschland-Geschäft zu erwarten“, sagt S&P-Analyst Best. Er traut den neuen Eigentümern einiges zu: „In seinem Heimatmarkt hat der Unicredito bewiesen, daß er ein hochprofitables Bankgeschäft aufbauen kann.“
Die beiden erst kürzlich angetretenen Deutschland-Chefs der HVB, Licci (Privatkunden) und Johann Berger (Firmenkunden und Immobilien), sollen ihre Posten behalten, war am Wochenende in Münchener Finanzkreisen zu hören. Viele Beobachter sind sich unterdessen einig, daß die Wende Zeit braucht. „Das dauert mindestens zwei bis drei Jahre“, erwartet Britta Graf-Tiedtke von der Ratingagentur Fitch. Die schon von Rampl eingeleitete Neuausrichtung weg vom bisher dominierenden Immobiliengeschäft brauche Zeit. Graf-Tiedtke rechnet damit, daß Unicredito zunächst versuchen wird, die Kosten weiter zu senken. „Das bringt die schnellsten Effekte.“
Rampl selbst hat bereits vergangenen Herbst die Streichung von 2400 weiteren Stellen im Inland angekündigt. Auf die Umsetzung dieser Entscheidung habe die Fusion keinen Einfluß, heißt es in München. Auf längere Sicht halten Analysten aber darüber hinaus weitere Stellenkürzungen für möglich. „Es ist fraglich, ob die bisherigen Planungen ausreichend sind“, sagt Olaf Kayser, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Verglichen mit Deutscher Bank, Dresdner Bank und Commerzbank, hat die HVB bislang relativ die wenigsten Arbeitsplätze abgebaut.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
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| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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