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Bankenfusion Mittelfeldstar Profumo, Ausputzer Rampl

13.06.2005 ·  Alessandro Profumo und Dieter Rampl sind kein schlechtes Tandem. Unspektakulär und reibungslos haben sie die größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa vorangetrieben. Und doch sind sie ein ungleiches Gespann.

Von Marcus Theurer und Tobias Piller
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Alessandro Profumo und Dieter Rampl sind kein schlechtes Tandem. Unspektakulär und reibungslos haben die beiden Spitzenmanager bislang die größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa vorangetrieben. Und doch sind sie ein ungleiches Gespann.

Mann der Stunde ist der Genuese Profumo, Vorstandschef des Käufers Unicredito. Smart, selbstbewußt, schnörkellos wirkt der Italiener. Mit seinen 48 Jahren ist Profumo der Mann der Zukunft. Neun Jahre jünger ist er als Rampl, der Vorstandssprecher der Hypo-Vereinsbank (HVB). Tief haben sich im Gesicht des jovialen und volkstümlichen Bayern die vergangenen Jahre eingegraben, in denen der Krisenmanager alle Hände voll zu tun hatte, das schlingernde HVB-Schiff über Wasser zu halten. Die Rollen sind klar verteilt. Der Unicredito ist stark, die HVB schwach. Profumo hat das Sagen. Er soll als Vorstandschef (Chief Executive Officer) den neuen europäischen Bankenriesen führen. Rampl bleibt der Posten eines Präsidenten (Chairman) - eine Art Aufsichtsratschef. Auch im Vorstand (Board) werden Profumos Männer in der Mehrheit sein.

Profumo hat, anders als Rampl, seine Erfolgsgeschichte

Rampl ist bei dem Fusionsvorhaben das größere persönliche Risiko eingegangen. Er hat alles auf eine Karte gesetzt: Sollte der Verkauf an Unicredito noch platzen, wären seine Tage an der Spitze der HVB vermutlich gezählt. Natürlich wäre auch für Profumo ein Scheitern eine Schlappe. Und die Last, den italienisch-deutschen Bankkonzern in den kommenden Jahren zu einem Erfolgsmodell zu machen, lastet vor allem auf seinen Schultern. Doch anders als Rampl hat er mit dem Unicredito, der wie die HVB erst in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre entstanden ist, eine Erfolgsgeschichte geschrieben.

Der HVB-Chef hatte dagegen in seinen zweieinhalb Jahren an der Spitze des Münchner Kreditinstituts den wohl schwersten Führungsposten unter den deutschen Großbanken. Es brannte an allen Ecken. Milliardenabschreibungen auf Beteiligungen, Wertpapiere und Immobilienkredite brachten die Bank an den Rand des Abgrunds. Hinzu kam ein schwieriges Verhältnis zu seinem Aufsichtsratschef und Amtsvorgänger Albrecht Schmidt.

Spielgestalter der eine, letzter Feldspieler der andere

Wären Profumo und Rampl Fußballer, dann wäre der Italiener der Mittelfeldstar in der Mannschaft, der Spielgestalter und Regisseur. Rampl ist dagegen der Ausputzer, der letzte Feldspieler vor dem eigenen Tor. Kein Mann der großen Visionen, dafür war bei der krisengeschüttelten HVB in den vergangenen Jahren ohnehin nicht die Zeit. Rampl ist oft genug in Not gekommen, doch bisher hat er das Spiel für die HVB offengehalten.

Die unterschiedlichen Rollen, die beide Bankmanager spielen, mögen auch von ihrem Werdegang herrühren. Profumo haben vier Jahre geprägt, in denen er gar nicht als Banker arbeitete, sondern mit der Analyse des Bankgeschäftes beschäftigt war. Er hatte nach seinem Wirtschaftsstudium an der Mailänder Eliteuniversität beim lombardischen Regionalinstitut Banca Lariano gearbeitet, zuletzt als Leiter der größten Filiale mit Sitz im italienischen Finanzzentrum Mailand. Danach befaßte er sich als Berater bei McKinsey und bei Bain, Cuneo mit der Umstrukturierung von Banken und konnte die vielen Notstände innerhalb der italienischen Banken von damals und die Unzufriedenheit der Kunden kennenlernen, zugleich aber eigene Lösungsansätze testen.

Profumo: Berater und Neugestalter

Erst 1994 kehrte Profumo selbst ins operative Geschäft zurück: zunächst als Chef der strategischen Planung bei Credito Italiano, 1995 dann als Generaldirektor und 1997 als Chief Executive der Gruppe Unicredito, die neben dem alten Credito Italiano auch eine weitere Regionalbank und fünf Sparkassen umfaßte. Profumo machte daraus eine einheitliche Bankengruppe und begann schon bald über die Grenzen hinauszublicken - vor allem nach Osteuropa.

Profumo, der Neugestalter: Zu einem Zeitpunkt, als Italiens Bankenmarkt noch von staatlichen oder öffentlich-rechtlichen Banken geprägt und entsprechend angestaubt war, hatte Profumo neue Visionen für das Bankgeschäft entwickelt. Er sorgte für eine klare Segmentierung des Geschäftes und für eine deutliche Trennung zwischen Produktion und Vertrieb von Dienstleistungen. Auch unkonventionelle Ideen, die bei dieser Spezialisierung seiner Banker auf einzelne Aufgaben entstanden, wurden umgehend verwirklicht.

Rampl: Vom Banklehrling zum Vorstand

Rampl verkörpert einen ganz anderen Typus von Banker. Er hat die Ochsentour in der Geldbranche gemacht. Als Banklehrling fing er bei der Vereinsbank, einem der beiden Vorgängerinstitute der HVB, an. Seinen Betriebswirt holte der ehrgeizige Rampl in Abendkursen nach. Das Bankgeschäft war für ihn das Ticket in die Welt. Stationen in Genf und vor allem New York folgten. In den achtziger und frühen neunziger Jahren arbeitete er auch für die Frankfurter BHF-Bank. 1995 kehrte er nach München zur Vereinsbank zurück. An den faulen Krediten, die der HVB zu schaffen machen, trägt er Mitverantwortung.

Am Montag werden die beiden ungleichen Banker in München Seite an Seite ins Scheinwerferlicht treten und die Milliardenübernahme der Öffentlichkeit vorstellen. Dann geht die Arbeit weiter: Profumo und Rampl, das italienisch-deutsche Tandem, werden in den kommenden Monaten noch manchen Berg gemeinsam zu überwinden haben.

Quelle: F.A.Z., 13.06.2005, Nr. 134 / Seite 12
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