18.09.2008 · Jetzt führt die neue Welle der Finanzkrise zu einer Bankenübernahme in Europa: Die britische Großbank Lloyds TSB übernimmt die schwer angeschlagene Halifax Bank of Scotland (HBOS) für 12,2 Milliarden Pfund. Ein neuer Hypotheken-Gigant entsteht.
Der britische Finanzkonzern Lloyds übernimmt die unter Druck geratene Hypothekenbank HBOS für 12,2 Milliarden Pfund (15,4 Milliarden Euro). Dies teilte Lloyds am Donnerstagmorgen in London mit. Die HBOS-Aktionäre erhielten 0,83 Lloyds-Aktien für eine Aktie ihrer Bank, womit der Wert der Aktien bei 232 Pence (2,92 Euro) je Aktie liegt.
Damit bestätigten sich entsprechende Spekulationen vom Vortag. Die Lloyds-Aktionäre erhielten etwa 56 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals. Victor Blank werde Verwaltungsratschef bleiben, während Eric Daniels weiter das operative Geschäft führen soll. Lloyds erwartet durch die Übernahme ein Gewinnplus von mehr als 20 Prozent inklusive Kostensynergien. Es wird erwartet, dass die Wettbewerbsbehörden den Deal nicht blockieren werden. Wirtschaftsminister John Hutton bestätigte, dass sich die Regierung für die Fusion einsetzt, um die „Stabilität des britischen Finanzsystems“ zu gewährleisten.
Am Mittwoch waren die HBOS-Papiere kurz nach Börsenstart um 39 Prozent gefallen, obwohl sich die gesamte Börse zunächst ein wenig erholen konnte. Daraufhin hatte es schon Gerüchte über Übernahmegespräche zwischen der angeschlagenen Bank und Lloyds gegeben. Die Kreditkrise hatte dem Hypothekenspezialisten HBOS bereits im ersten Halbjahr stark zugesetzt. Der Vorsteuergewinn war um mehr als 70 Prozent eingebrochen.
Lloyds-Chef Eric Daniels sagte, der Zusammenschluss mit HBOS sei keine „Zwangshochzeit“, die beiden Institute hätten schon länger miteinander gesprochen. Einen Stellenabbau könne er nicht ausschließen, Medienberichte über den Verlust von 40.000 Stellen hörten sich aber „sehr hochgegriffen“ an. Die Übernahme solle im Jahr 2009 abgeschlossen werden.
Neuer Hypotheken-Gigant mit 35 Milliarden Euro Börsenwert
Mit dem Zusammenschluss entsteht ein Hypotheken-Gigant mit einem Börsenwert von rund 35 Milliarden Euro. Im Geschäft mit Baufinanzierungen belegt Lloyds Platz vier, HBOS ist mit Abstand die Nummer eins mit einem Marktanteil von 20 Prozent.
Die HBOS-Aktien reagierten zu Handelsbeginn mit einem Kurssprung von rund 24 Prozent auf die Übernahmevereinbarung, Lloyds-Titel verloren dagegen rund sieben Prozent. Am Mittwoch hatten die HBOS-Papiere knapp 20 Prozent schwächer mit 186 Pence geschlossen, nachdem sie zeitweise bis auf 88 Pence abgesackt waren. Vor Jahresfrist waren sie noch knapp 1000 Pence wert.
Spekulationen über Finanzierungsprobleme bei HBOS hatten den Aktienkurs in den vergangenen Tagen rasant abstürzen lassen. Nach jahrelangem Boom verlieren britische Immobilien seit Monaten an Wert. Viele Eigenheim-Besitzer haben Probleme, da sie der Bank inzwischen mehr Geld schulden, als ihre Immobilie wert ist. Die Baufinanzierer tragen eine Mitschuld an dem Dilemma, da sie wie in den Vereinigten Staaten freigiebig Hypotheken vergaben und oftmals kaum den Einsatz von Eigenkapital forderten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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