14.06.2005 · Die Übernahme durch Unicredito kostet bei der Hypo-Vereinsbank in den kommenden drei Jahren wohl 4200 der 26.000 Arbeitsplätze - und damit rund 1800 Stellen mehr als geplant. Die Börse feiert die Milliardenfusion.
Von Marcus TheurerDie Übernahme durch die italienische Bankengruppe Unicredito führt bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) zu einem deutlich höheren Stellenabbau in Deutschland als geplant: Insgesamt werden in den kommenden drei Jahren wohl 4200 der 26.000 Arbeitsplätze wegfallen und damit rund 1800 Stellen mehr als geplant.
Dies kündigten Unicredito-Vorstandschef Alessandro Profumo und HVB-Vorstandssprecher Dieter Rampl am Montag in München an. Unicredito und HVB hatten sich am Sonntag auf den Zusammenschluß verständigt. Er bewertet die HVB mit gut 15 Milliarden Euro.
Wahrscheinlich keine betriebsbedingten Kündigungen
Arbeitnehmervertreter kritisierten den forcierten Stellenabbau als kontraproduktiv für die Geschäftsentwicklung der zweitgrößten deutschen Bank. Die Börse feierte unterdessen die bisher größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa: Die Aktie von Unicredito sprang am Montag in Mailand im Handelsverlauf um 3,4 Prozent auf 4,23 Euro nach oben. Die HVB-Aktie legte in Frankfurt um 3,2 Prozent auf 20,65 Euro zu. Der Fusionsplan bedarf in den kommenden Monaten noch der Zustimmung der Aktionäre beider Banken. Allerdings teilte die Münchener Rück, mit 18,3 Prozent, größter HVB-Aktionär, mit, sie begrüße den Schulterschluß beider Banken.
HVB-Chef Rampl schloß betriebsbedingte Kündigungen im Zuge des Stellenabbaus weitgehend aus: "Wir sind zuversichtlich, daß wir, Mobilität vorausgesetzt, auch diese Integration ohne betriebsbedingte Kündigungen umsetzen können", sagte er am Montag. Der HVB-Betriebsratschef und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Peter König sagte dieser Zeitung, Rampl habe ihm den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen in den kommenden drei Jahren zugesichert. Der Abbau könne außer über die natürliche Fluktuation auch über den Verkauf deutscher Tochtergesellschaften erfolgen, sagte König. Gleichwohl gab es von Arbeitnehmerseite Kritik an den Kürzungsplänen. "Die Mitarbeiter bräuchten endlich Ruhe, um sich auf das Geschäft zu konzentrieren", sagte Hanns-Peter Kreuser von der Gewerkschaft DBV, der ebenfalls als Arbeitnehmervertreter im HVB-Aufsichtsrat sitzt.
„Deutschland bietet für uns das größte Potential“
Auch in Österreich und Osteuropa plant Unicredito einen erheblichen Stellenabbau. Insgesamt gefährdet sind durch die Fusion die Arbeitsplätze von rund 9.200 der etwa 126.000 Mitarbeiter, die Unicredito und HVB zusammen beschäftigten. Unter anderem werden bei der österreichischen HVB-Sparte Bank Austria voraussichtlich etwa 700 von 10.000 Stellen gestrichen. Unicredito-Chef Profumo sagte, die Fusion werde bereits durch die Nutzung der erwarteten Kostensenkungspotentiale ein Erfolg: "Die erwarteten positiven Umsatzeffekte wären für uns lediglich eine Zugabe", sagte Profumo. Er erwartet bis 2008 Gesamtverbundvorteile von jährlich knapp 1 Milliarde Euro vor Steuern.
Profumo und Rampl versicherten, daß die renditeschwache und von Milliardenaltlasten gebeutelte Deutschland-Sparte nicht verkauft werden solle. "Deutschland bietet für uns das größte Potential", sagte Profumo. "Das Geschäft in Deutschland wird in fünf Jahren größer sein als heute." Gelassen zeigte sich der Unicredito-Chef mit Blick auf mögliche weitere Wertberichtigungen auf den Bestand an deutschen Immobilienkrediten. Es sei eine "rasche Due Diligence" (Buchprüfung) bei der HVB vorgenommen worden. Rampl und Profumo sehen keinen Bedarf für weitere Sonderwertberichtigungen. Die HVB hat erst im Januar weitere 2,5 Milliarden Euro auf faule Immobilienkredite abschreiben müssen. Analysten hatten dagegen zuletzt einen weiteren Wertberichtigungsbedarf nicht ausgeschlossen.
Große Potentiale nach der HVB-Übernahme
Unicredito will nach der Übernahme, deren erwartete Kosten von 1,35 Milliarden Euro 2005 voll verbucht werden sollen, die Profitabilität rasch steigern. Bereits 2007 soll eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 18 Prozent erreicht werden, was in etwa dem Wert entspricht, den Unicredito 2004 allein ausgewiesen hat. Damit läge die neue Bank im europäischen Mittelfeld. So wies die Deutsche Bank im ersten Quartal eine Nachsteuerrendite von 19,2 Prozent aus, die Schweizer UBS mehr als 27 Prozent. Profumo versprach eine kontinuierlich steigende Dividende.
Profumo sieht für seine Bank nach der HVB-Übernahme große Potentiale: "Unicredito kann für große Wertsteigerungen sorgen mit den Erfahrungen für die Organisation des Vertriebsnetzes, bei Produktinnovationen, den Informationssystemen für die Manager und den Systemen für die leistungsorientierte Bezahlung." Der Fusionsplan sehe vor, daß auch bei HVB das Geschäft in die Sparten Retail, Privatbank und Unternehmensbank eingeteilt würde.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |