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Banken WestLB will Mehrheit an der HSH Nordbank

20.05.2005 ·  Die WestLB AG prüft gegenwärtig, ob und wie sie ihre Beteiligung an der HSH Nordbank ausbauen kann. Das stößt auf Kritik: Sparkassenpräsident Hoppenstedt wirft dem HSH-Vorstandschef Stuhlmann Profilierung auf Kosten anderer Landesbanken vor.

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Die WestLB AG in Düsseldorf prüft gegenwärtig, ob und wie sie ihre Beteiligung an der HSH Nordbank zu einer Mehrheit ausbauen kann. Dazu würden Gespräch mit dem HSH-Vorstand und Eigentümer geführt, bestätigte ein WestLB-Sprecher. Bislang ist die WestLB an der im Jahr 2003 durch Fusion aus Hamburgischer Landesbank und Landesbank Schleswig-Holstein hervorgegangenen HSH Nordbank mit 26,86 Prozent beteiligt. Weitere Aktionäre sind die Hansestadt Hamburg (35,38 Prozent) sowie in Schleswig-Holstein das Land (19,55) und der regionale Sparkassenverband (18,21).

Ihr Engagement bei der HSH Nordbank in Hamburg hat die WestLB stets als strategische Beteiligung bezeichnet, während sie sich im vergangenen Jahr aus dem Eigentümerkreis der Landesbank Rheinland-Pfalz in Mainz zurückgezogen hat. Eine Kapitalmehrheit bei der fünftgrößten deutschen Landesbank würde wohl über Synergien hinaus auch die WestLB-Geschäfte auf interessanten Feldern ergänzen, zum Beispiel bei den von den Norddeutschen erfolgreich betrieben Schiffsfinanzierungen. Die WestLB mußte im Abschluß 2004 zur Beendigung des EU-Beihilfeverfahrens neben der in eigener Sache 1,4 Milliarden Euro ausmachenden Rückzahlung auch entsprechend der HSH-Beteiligung eine Belastung in Höhe von knapp 125 Millionen Euro verkraften. Nachdem sie als Gesellschafter der Kieler Landesbank von einem wesentlich höheren Einfluß bei der Fusion auf eine Sperrminorität zurückversetzt wurde, ist die WestLB offensichtlich nicht mehr besonders glücklich mit der Ausgestaltung dieser strategischen Beteiligung. Aber auch in der deutschen Sparkassenorganisation hat der HSH-Vorstand jüngst für Stirnrunzeln gesorgt.

Hoppenstedt kritisiert Stuhlmann

Der HSH-Vorstandsvorsitzende Axel Stuhlmann hatte in der vergangenen Woche auf einer Pressekonferenz die Ertragskraft seines Instituts ungewöhnlich stark herausgestrichen. Die HSH Nordbank sei gemessen an den Relationen Ertrag zu Bilanzsumme und Ertrag zu Aufwand die erfolgreichste Landesbank - vor der Landesbank Baden-Württemberg und der Bayern LB. Diese Aussage brachte Stuhlmann einen Rüffel von Dietrich Hoppenstedt ein. In einem Brief an Stuhlmann beklagt sich der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes darüber, daß sich Stuhlmann auf Kosten der anderen Landesbanken profiliert habe.

Hoppenstedt bringt in dem Brief auch seinen Unmut darüber zum Ausdruck, daß Stuhlmann die Solidarität in der Sparkassen-Finanzgruppe für sein Institut in Frage gestellt hat. Die HSH Nordbank sei nicht bereit, Hilferufe aus Sachsen oder Berlin zu erhören und dort den Wohltäter zu spielen, hatte Stuhlmann geäußert. Sparkassenverbandspräsident Hoppenstedt dagegen ist gerade auf der Suche nach Partnern unter den Landesbanken für die Sachsen LB, deren "BBB+"-Rating er "ein Problem" nennt. In Berlin plant Hoppenstedt eine konzertierte Aktion der Sparkassen-Finanzgruppe, wenn im Jahr 2007 die derzeit zum öffentlich-rechtlichen Lager gehörende Bankgesellschaft nach den Vorgaben der EU-Kommission verkauft werden muß. Dann will Hoppenstedt unbedingt mit der ganzen Kraft der Sparkassen-Finanzgruppe verhindern, daß private Banken die Mehrheit an der Bankgesellschaft erlangen.

Hoppenstedt verbündet sich mit Thomas Fischer

Mit diesen Vorhaben findet Hoppenstedt in Thomas Fischer, den Vorstandsvorsitzenden der WestLB, einen Verbündeten. Fischer hat angekündigt, die WestLB werde sich aktiv an der Konsolidierung der Landesbanken beteiligen. Die WestLB führt deshalb bereits erste Gespräche mit der Sachsen LB. Fischer hat sich auch zuversichtlich darüber gezeigt, daß die Sparkassen-Finanzgruppe mit einem gemeinsamen Vorgehen einen Einstieg privater Banken in den Konzern Bankgesellschaft verhindern werde. Diesse Positionen Fischers stehen im vollen Gegegensatz zu denen Stuhlmanns. Insofern ist es plausibel, wenn die WestLB nun versucht, die Mehrheit an dem Störenfried HSH Nordbank zu erlangen, um ihn dann auf Linie zu bringen. Dies wäre sicherlich im Interesse Hoppenstedts, der sich stets für Fusionen unter den noch elf deutschen Landesbanken ausgesprochen hat.

Quelle: St./ham. / F.A.Z., 21.05.2005
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