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Banken Volksbanken wollen neue Mitglieder locken

26.04.2004 ·  Die hohe Dividendenrendite ist nur ein Grund für die Mitgliedschaft in einer Volksbank. Jetzt sollen Mitglieder noch mehr belohnt werden, denn die Banken bieten günstige Reisen und Versicherungen an.

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Viele Volks- und Raiffeisenbanken locken mit verführerisch hohen Dividenden. Eine Umfrage dieser Zeitung unter 16 Volks- und Raiffeisenbanken ergab Dividendenrenditen zwischen 4,5 und 8 Prozent. Zumindest angesichts der schon seit Jahren andauernden Niedrigzinsphase an den Anleihemärkten sind Genossenschaftsanteile damit durchaus eine Alternative für Kapitalanleger. Doch die Volks- und Raiffeisenbanken sind nicht auf renditehungrige Anleger aus.

Volks- und Raiffeisenbanken sind in der Regel Genossenschaften. 15 Millionen Deutsche besitzen Anteile an einer Volks- oder Raiffeisenbank. Damit ist jeder zweite Kunde Miteigentümer "seiner" Bank. Die Genossenschaftsbanken sprechen von Mitgliedern oder auch von Kreditgenossen. Für die Banken ist die Mitgliedschaft eine Möglichkeit, die Kunden an sich zu binden. Allerdings kommen die hohen Ausschüttungen teuer. Die Banken müssen die Dividenden aus dem versteuerten Jahresergebnis zahlen. Dies ist ein Grund, warum sie die Mitgliedschaft beschränken. In der Regel sind nur Einlagen von wenigen hundert Euro möglich. Der Vorstand entscheidet über die Aufnahme eines neuen Mitglieds. Und oft knüpft die Bank die Mitgliedschaft an die Bedingung, daß das Mitglied im Geschäftsgebiet der Bank wohnen muß.

Der Wert der Genossenschaft

Falls ein Mitglied seine Kontoverbindung auflöst und sich die hohe Dividende auf ein Konto bei einer anderen Bank überweisen läßt, muß es mit hohen Abzügen wegen "Verwaltungsaufwendungen" rechnen. Denn die Bank will mit dem Mitglied Geschäfte machen. Dahinter steht die genossenschaftliche Idee der Hilfe zur Selbsthilfe. Volks- und Raiffeisenbanken selbst sind so etwas wie eine Bürgerinitiative von Gewerbetreibenden oder in der Landwirtschaft tätigen Selbständigen gewesen. Heute hat die genossenschaftliche Bankengruppe, zu der unter anderem die Bausparkasse Schwäbisch Hall und die Fondsgesellschaft Union Investment gehören, einen Marktanteil in Deuschland von mehr als 20 Prozent. Das ist mehr als Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank und Commerzbank zusammen und etwa die Hälfte des Marktanteils der Sparkassen-Finanzgruppe.

Aktives Mitmachen der Mitglieder ist in einer Genossenschaftsbank erwünscht. Auf der Mitgliederversammlung entscheiden die Kreditgenossen über den Geschäftsverlauf ihrer Bank. Unabhängig von der Höhe der Einlage gilt: ein Mitglied, eine Stimme. Die Mitglieder haften mit ihrer Einlage. Im Gegenzug fördert die Genossenschaft ihre Mitglieder - direkt und indirekt.

Die Aufgabe einer Genossenschaft ist es, für ihre Mitglieder Werte zu schaffen. "Die Verzinsung des Genossenschaftsanteils ist dabei nur eine Komponente", sagt Theresia Theuerl, Professorin am Institut für Genossenschaftswesen in Münster. Für sie gibt es zwei weitere Komponenten, die den Wert der Genossenschaft für das Mitglied ausmachen: Direkte materielle Leistungen, denen das Wettbewerbsrecht Schranken setzt, und die langfristige Förderfähigkeit. Um diese zu gewährleisten, schüttet die Genossenschaft möglichst nicht den gesamten Jahresgewinn aus, sondern bildet Rücklagen.

Neue Wege

Der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken geht jetzt in der Mitgliederwerbung neue Wege. Er legt ein umfangreiches Bonusprogramm auf. Bei der Telefongesellschaft E-Plus und dem Automobilclub ADAC können Mitglieder von Volksbanken bald Vergünstigungen bekommen. Nach Einschätzung vieler im genossenschaftlichen Finanzverbund ist das überfällig. Zu lange, so der einhellige Tenor, sei eine hohe Dividendenrendite als der entscheidende Grund für die Mitgliedschaft hervorgehoben worden.

Da Geschäftsguthaben teures Eigenkapital für die Bank sei, hätten viele Banken nur halbherzig neue Mitglieder geworben. "Es ist höchste Zeit, die Mitgliedschaft als Alleinstellungsmerkmal unserer Gruppe zu stärken", heißt es von vielen Ortsbanken. Einige haben indes Bedenken, zu sehr der in Deutschland um sich greifenden Schnäppchenjägermentalität hinterherzujagen. Darüber wird heute und morgen auf der bankwirtschaftlichen Tagung der Organisation in Garmisch-Partenkirchen diskutiert werden.

Ein potentielles Risiko

Berater sehen in der Mitgliederwerbung zunächst neue Möglichkeiten. "Die Mitgliederwerbung ist eine Chance, die emotionale Bindung des Kunden an die Bank zu stärken", sagen Michael Hammes und Thomas Klimpke, beide Geschäftsführer der Frankfurter Unternehmensberatung Consart. Sie weisen aber auch auf ein potentielles Risiko hin. "Durch die Emotionen entsteht eine hohe Erwartungshaltung und damit auch ein hohes Enttäuschungspotential beim Kunden."

Nach der Mitgliederwerbung müsse sich die Bank dem Kunden intensiv zuwenden, seine Probleme verstehen und ihm dann Lösungen bieten. "Die Banken müssen sich gerade bei neuen Mitgliedern in deren Lebenslage versetzen, um fachlich überzeugend beraten zu können. Ziel der Bank muß es sein, die Bedürfnisse des Kunden komplett abzudecken und damit seine einzige Bankverbindung zu werden." In der Regel hat der Kunde einer Volks- und Raiffeisenbank mindestens noch eine weitere Bankverbindung. "Damit gehen 50 Prozent aller möglichen Erlöse an der Genossenschaftsbank vorbei", sagen die Unternehmensberater von Consart.

Mitglieder helfen sich gegenseitig

Einige der derzeit knapp 1.400 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland bieten ihren Mitgliedern bereits einiges an direkter Förderung. Über den Verbundpartner R+V gibt es Unfall-, Lebens- und Krankenversicherungen für Mitglieder zu Sonderkonditionen. Auch für Vorträge zum Beispiel zu neuen Führungsmethoden, die für Freiberufler besonders interessant sind, müssen Mitglieder einiger Genossenschaftsbanken nichts zahlen. In manchen Orten ist der Genossenschaftsgedanke noch besonders wach. Dann helfen sich die Mitglieder einer Genossenschaftsbank gegenseitig, indem sie einander Sonderkonditionen gewähren: Der Maler malt günstiger, erhält dafür den Wein zum Vorzugspreis.

Die Mitgliedschaft in einer Genossenschaft ist kündbar. Das ausscheidende Mitglied erhält dann seine Einlage zurück. Anders als Aktiengesellschaften haben Genossenschaften damit ein variables Kapital. In der aktuellen Diskussion um die internationalen Rechnungslegungsgrundsätze IAS wird von einigen Bilanzexperten argumentiert, die Geschäftsanteile seien deshalb kein vollwertiges Eigenkapital. Insofern ist es möglich, daß die Banken künftig das Kündigungsrecht einschränken werden. (ham)

Quelle: ham., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2004, Nr. 98 / Seite 21
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