http://www.faz.net/-gqe-7ud8q
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.09.2014, 07:57 Uhr

Wegen Geldpolitik der EZB Banken verlangen Strafzinsen

Wegen der Geldpolitik der EZB müssen Unternehmen auf ihr bei Banken geparktes Geld Gebühren zahlen. Das könnte auch den Privatkunden drohen.

von und
© dpa Unternehmen müssen auf ihre Bankeinlagen Strafzinsen zahlen.

Die deutschen Banken bestrafen Einlagen von Unternehmen und anderen institutionellen Kunden mit negativen Zinsen. Der Finanzvorstand der Baumarktkette Hornbach, Roland Pelka, berichtete am Donnerstag von solchen Strafzinsen der Banken. Abwehrkonditionen der Institute seien seit der jüngsten Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) gang und gäbe, bestätigte DZ-Bank-Analyst Hendrik Lodde auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Markus Frühauf Folgen: Bernd  Freytag Folgen:

Eine größere Bank in Frankfurt wollte sich dazu nicht offen äußern, bestätigte aber hinter vorgehaltener Hand die negativen Zinsen. Sie begründete dies mit der Lage am Geldmarkt sowie dem negativen Einlagenzins der EZB. Dieser beträgt seit dem 4. September, als die Notenbank ihren Leitzins von 0,15 auf 0,05 Prozent gesenkt hatte, nun minus 0,2 Prozent nach zuvor minus 0,1 Prozent. Die Banken müssen also der EZB Geld zahlen, wenn sie überschüssige Mittel bei ihr parken.

In Bankenkreisen wird die jüngste EZB-Maßnahme als Auslöser betrachtet. Seitdem würden die Banken größere Liquiditätsbestände von Unternehmen abblocken. Am Geldmarkt erhielten die Banken für ihre Guthaben von Wettbewerbern kaum noch Zinsen, sagt DZ-Bank-Analyst Lodde. Der Tagesgeldsatz Eonia liegt seit der EZB-Zinssenkung auf der Nulllinie, die er zwischenzeitlich sogar schon kurzzeitig unterschritten hat. Andere Marktzinsen wie die Swap-Sätze sind schon negativ, was bedeutet, dass die Marktteilnehmer mittelfristig am Geldmarkt mit negativen Zinsen rechnen.

Unternehmen geraten in einen Anlagenotstand

Um liquide Mittel von Unternehmen oder Fonds abzuwehren, greifen die Banken zu unattraktiven Einlagenzinsen. Nach Angaben von Banker Lodde reichen diese von null Prozent bis in den leicht negativen Prozentbereich. Unternehmen geraten so in einen Anlagenotstand. Auch institutionelle Anleger wie Fonds, Versicherer oder Pensionsfonds sind betroffen. Die Strafzinsen schlagen auf die Kunden durch, denn die höheren Kosten schmälern die Erträge dieser Anlageformen.

Ein Beispiel ist Hornbach: 460 Millionen Euro hat der Baumarktbetreiber auf der hohen Kante. Geld, das er aber nur kurzfristig anlegen will, um es bei passender Gelegenheit schnell ins Geschäft zu investieren. Das bereitet gegenwärtig aber Schwierigkeiten. „Es gibt bereits Banken, die verlangen für Anlagen bis zu drei Monaten Strafzinsen“, sagte Finanzvorstand Roland Pelka bei der Vorstellung der Halbzeitbilanz. Gerade solche Banken, die mit einem guten Rating ausgestattet seien und deshalb vom Unternehmen eigentlich bevorzugt gewählt würden, könnten sich diesen Schritt erlauben. Banken mit schwächerem Rating hingegen würden auf die Strafzinsen weiter verzichten, um nicht auf dem Trockenen zu landen und Kunden zu verprellen.

Gute Bonitätsnoten weisen die DZ Bank, die Deutsche Bank und einige Landesbanken auf. Ein Sprecher der Deutschen Bank dementierte die negativen Zinsen nicht. Er betonte, dass es nicht geplant sei, im breiten Kundengeschäft Gebühren für Einlagen einzuführen. Privatkunden sollen so offenbar beruhigt werden. Für institutionelle Kunden mit zusätzlichem Bedarf an Einlageprodukten bietet die Deutsche Bank Anlagealternativen an, um auf das geänderte Zinsumfeld reagieren zu können. Darunter versteht die Bank Termingelder oder Geldmarktfonds.

Mehr zum Thema

Ein Sprecher der Commerzbank sagte, dass mittelständische Firmenkunden für ihre Einlagen im kurzfristigen Bereich gegenwärtig keine negativen Zinsen zahlen müssen. Allerdings berichten institutionelle Kunden der Commerzbank von Abwehrkonditionen, die gern mit dem Hinweis begründet werden, man sei ein Kreditinstitut, aber kein Vermögensverwalter. Ähnlich wie die Deutsche Bank verweist die Commerzbank dann auf alternative Anlagemöglichkeiten.

Die Frage stellt sich, wie lange die Banken die negativen Einlagenzinsen auf Unternehmen und andere Großkunden noch beschränken werden. Irgendwann können auch den Privatkunden Strafzinsen drohen, zumal am Geldmarkt, wo die Banken überschüssige Mittel anlegen, negative Zinsen in den kommenden Jahren erwartet werden. Anleger können im aktuellen Umfeld sogar froh sein, wenn ihr Tagesgeld noch mit 0,5 Prozent verzinst wird. Vor drei Jahren waren noch mehr als 1,5 Prozent üblich.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Negativzinsen Erste Sparkassen verlangen Gebühr für Geldanlagen

Geschäftskunden müssen nun für sehr hohe Einlagen ein Entgelt entrichten. Bayerns Sparkassenpräsident begründet dies mit den Strafzinsen der EZB. Auch für Privatkunden seien Negativzinsen nicht ausgeschlossen. Mehr

14.05.2016, 06:17 Uhr | Finanzen
mifitto Per App die richtige Schuhgröße finden

Das Duisburger Unternehmen mifitto bietet seinen Kunden eine App, die die richtige Schuhgröße scannt. Damit sollen Rücksendungen beim Online-Shoppen vermieden werden. Mehr

17.05.2016, 14:58 Uhr | Beruf-Chance
Kundenservice Bayerische Sparkassen bringen Bargeld nach Hause

Die Bayrische Sparkasse bietet ihren Kunden einen neuen Service – die Bargeldlieferung in die eigenen vier Wände. Kunden in Orten ohne Geldautomat erhalten sogar Bustickets. Mehr

16.05.2016, 18:50 Uhr | Finanzen
Anders wirtschaften Nicht alle Unternehmen wollen wachsen

Wachstum gilt in den meisten Unternehmen als Selbstzweck. Mittlerweile bekennen sich aber auch einige zu anderen Zielen und verzichten auf Expansion. So wie ein Wuppertaler Unternehmen für Schnürsenkel. Mehr

13.05.2016, 19:52 Uhr | Wirtschaft
Privatkundengeschäft Commerzbank eröffnet neue Flagship-Filialen

Der neue Privatkundenvorstand Michael Mandel erklärt seine Strategie: Kosten stabil halten, massiv wachsen und digital werden. Was bedeutet das fürs Filialnetz und die Direktbank Comdirect? Mehr Von Hanno Mußler

23.05.2016, 20:18 Uhr | Wirtschaft

Mahnung aus Fernost

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Alle Teilnehmer des G-7-Gipfels sind gegen den Brexit. Nur Russland und seine antieuropäischen Anhänger befürworten einen Abschied der Briten. Das sollte zu denken geben. Mehr 0


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Umfrage Zwei Drittel der Europäer für Grundeinkommen

Gute Idee oder schlicht Schwachsinn? Immer mehr Menschen diskutieren über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Die Schweizer stimmen bald ab. Nun kommt eine überraschende Umfrage heraus. Mehr 76

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden