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Banken Unicredito-Eigner wollen vor allem konstante Dividenden

08.06.2005 ·  Im Fall einer Fusion der Mailänder Bankengruppe Unicredito mit der Hypo-Vereinsbank würden fünf italienische Sparkassenstiftungen zu den größten Aktionären auch einer vereinten Bankengruppe zählen.

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Im Fall einer Fusion der Mailänder Bankengruppe Unicredito mit der Hypo-Vereinsbank würden fünf italienische Sparkassenstiftungen zu den größten Aktionären auch einer vereinten Bankengruppe zählen. Ihre Beteiligungen würden allerdings deutlich verwässert von bisher rund 27 Prozent auf nur noch wenig mehr als 16 Prozent. Mit Einwänden und Bedenken, die sonst in einer derartigen Situation bei einer Fusion vorgetragen würden, scheint der Chef von Unicredito, Alessandro Profumo, dennoch wenig Probleme zu haben. Von den Sparkassenstiftungen kommt dagegen die Nachricht, daß eine Verwässerung der Beteiligungen kein Hindernis für die Fusion darstellen würde.

Zwar stehen die Sparkassenstiftungen durchaus im Ruf, daß sie sich im Aktionärskreis Gehör verschaffen können und ihre Macht zur Geltung bringen. Doch weitaus wichtiger als Einfluß und Mitspracherechte ist ihnen die Garantie, daß auch eine vereinte italienisch-deutsche Bankengruppe weiterhin für konstante oder gar steigende Dividenden sorgen würde. Die Sparkassenstiftungen sind Einrichtungen des öffentlichen Rechts, die in Italiens Städten und Regionen längst zu einem vielumworbenen Geldgeber für kulturelle, wissenschaftliche oder soziale Projekte geworden sind und damit Lücken in einzelnen Stadt- oder Vereinskassen stopfen. Der größte Aktionär von Unicredito, die Stiftung der Sparkasse Turin, verteilt derzeit jährlich 75 Millionen Euro. Finanziert werden damit Stipendien für junge Wissenschaftler mit erstem Studienabschluß, Auslandspraktika von Studienabsolventen, aber auch der Aufbau einer Sammlung moderner Kunst in zwei Turiner Galerien, die inzwischen 150 Leihgaben der Stiftung erhalten haben und damit die Attraktivität der Stadt steigern sollen. Die Aktivitäten und die Verteilung der Finanzmittel hängen dabei ab vom internen Machtproporz: Die Stadt Turin darf drei Vertreter in den Verwaltungsrat entsenden, die Provinz Turin zwei, die anderen Provinzen in Piemont je einen, ebenso die Regionalregierungen von Piemont und Aostatal, die katholische Kirche in Piemont, die Universitäten, die Handelskammer und darüber hinaus noch Turiner Institutionen und Persönlichkeiten.

Damit mehrjährige Projekte wie Restaurierungsarbeiten oder Ausstellungsserien finanziert werden können, wollen die Stiftungen vor allem einen konstanten Zufluß von Dividenden sehen, wie ihn Unicredito mit seinen hohen Eigenkapitalrenditen bisher garantieren konnte. Die Stiftungen haben zwar ihre Finanzmittel auch noch in anderen Finanztiteln angelegt. An Unicredito sind sie jedoch noch aus der Vergangenheit gebunden: Denn die Sparkassen, die früher einmal von den fünf Bankenstiftungen zu 100 Prozent beherrscht worden waren, sind mittlerweile alle in der Gruppe Unicredito aufgegangen. Die Aufteilung der Sparkassen in eine besitzende Stiftung und eine Sparkassen-AG für das Geschäft, wie sie in Italien ein Gesetz von 1990 vorgeschrieben hatte, erleichterte zunächst erst einmal die Fusion von Sparkassen untereinander, bis dann auch die Großsparkassen vor allem in den drei Großbanken Unicredito, Banca Intesa und San Paolo Imi aufgegangen sind. Während es anfangs noch große Beteiligungen an eher kleineren Sparkassen erlaubten, die althergebrachte Klientelpolitik des Sparkassenwesens fortzusetzen, wurden die Stiftungen nach und nach dazu gedrängt, ihre Bankbeteiligungen zu verkaufen und damit ihre Anlagen zu diversifizieren. Die kleiner gewordenen Beteiligungen erlauben nun nicht mehr machtvolles Auftreten gegenüber einzelnen Bankenchefs, um so mehr aber die Ausschüttung eines reichhaltigen Füllhorns gegenüber der Heimatregion. Damit ist auch eine Verwässerung von Anteilen an einer Gruppe Unicredito-HVB kein Problem. Zur Katastrophe würde sich diese Fusion aber auswachsen, wenn sich die Hypovereinsbank genauso resistent gegen immer neue Sanierungsanläufe erweisen würde wie die Dresdner Bank und damit einen Ausfall der Dividenden bewirkte.

Quelle: F.A.Z., 09.06.2005, Nr. 131 / Seite 17
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