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Banken Strukturierte Produkte sind die Renner im Bankgeschäft

27.04.2005 ·  "Zinsverbilligung plus", "Outperformance-Zertifikat", "Rohstoff-Anleihe": Strukturierte Produkte sind die Renner im Bankgeschäft. "Seit dem Jahr 2000 hat sich unser Umsatz verfünffacht", sagt Wolfgang Matis von der Deutschen Bank.

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"Zinsverbilligung plus", "Outperformance-Zertifikat", "Rohstoff-Anleihe": Strukturierte Produkte sind die Renner im Bankgeschäft. "Seit dem Jahr 2000 hat sich unser Umsatz verfünffacht", sagt Wolfgang Matis, der Leiter des Kapitalmarktgeschäfts der Deutschen Bank in Frankfurt. Inzwischen sei von den 450 Mitarbeitern in seiner Abteilung rund ein Viertel damit beschäftigt, solche Finanzinstrumente zu "strukturieren". Auch bei vielen weiteren Banken brummt das Geschäft mit diesen modernen Finanzinstrumenten. Was steckt hinter diesem Trend?

Banken sind traditionell Mittler zwischen gegensätzlichen Ansprüchen: Kreditnehmer wollen möglichst niedrige Zinsen zahlen, hingegen suchen Sparer und Anleger nach höheren Renditen, als sie Standardprodukte wie Staatsanleihen bieten. Strukturierte Produkte sind die aktuelle Antwort auf dieses Dilemma: Sie erlauben es den Banken, beiden Ansprüchen gerecht zu werden - und sich gleichzeitig ein margenträchtiges Geschäftsfeld zu erschließen. Schlüssel dafür sei freilich, die Bedürfnisse der Kunden genau zu kennen, sagt Matis. Ein Unternehmer in Spanien, wo die Wirtschaft kräftig wächst, habe ganz andere Sorgen als ein deutscher Mittelständler. Deshalb habe sich die Deutsche Bank im vergangenen Herbst wieder stärker regional organisiert - um das Wissen ihrer Kundenberater vor Ort stärker zu nutzen.

"Wir fragen unsere Kunden ab, wo sie ihre Risiken sehen, welche Erwartungen sie hegen", sagt Matis. Das werde dann in strukturierte Produkte umgesetzt. Als Beispiel nennt er einen Mittelständler, der in den Dollar-Raum exportiert und meint, daß der Euro in den nächsten drei Monaten nicht unter 1,225 Dollar fallen wird - bei einem aktuellen Euro-Kurs von rund 1,295 Dollar. Solchen Kunden offeriert die Deutsche Bank ihr strukturiertes Produkt "Zinsverbilligung plus", eine Kombination aus einem Dreimonatskredit und dem Verkauf einer Währungsoption.

Für den Kunden reduziert sich dadurch der Zins für einen Euro-Dreimonatskredit um 1,25 Prozent per annum. Allerdings geht der Kunde gleichzeitig eine Verpflichtung für den Fall ein, daß der Eurokurs in drei Monaten unter 1,225 Dollar liegt: Er muß dann den Euro-Betrag zu einem Wechselkurs von 1,225 kaufen und im Gegenzug den entsprechenden Dollar-Betrag an die Bank zahlen. Den Exporteur dürfte der Eintritt dieses Risikos freilich wenig schmerzen: Denn wertet der Dollar kräftig auf, sind die Dollar, die er im Export verdient, mehr Euro wert als erwartet. Einen Teil dieses Währungsgewinns müßte er dann wegen des Währungsoptionsgeschäfts abgeben. Fällt der Euro in drei Monaten allerdings unter 1,215 Dollar, schlägt das Gesamtpaket für den Kreditnehmer in einen Nachteil um: Statt seine Zinsen zu verbilligen, müßte er dann höhere Zinsen zahlen. Dem steht freilich gegenüber, daß dann der niedrigere Euro-Kurs das Exportgeschäft des Kreditnehmers stimulieren dürfte.

Im Mittelstand gebe es großes Interesse an solchen Strategien zur Zinsverbilligung, berichtet Matis. Die Bank biete deshalb zahlreiche ähnliche Produkte an, die auf bestimmte Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet seien. Der Bank erlaubten diese Produkte, dem Margendruck bei herkömmlichen Krediten entgegenzuwirken. Matis spielt damit auf die weitverbreitete Klage im deutschen Kreditgewerbe an, daß der scharfe Wettbewerb die Zinsmargen auf unauskömmliches Niveau gedrückt habe. Die Vergabe strukturierter Kredite sei für die Deutsche Bank daher oft interessanter als die im Branchenjargon "Plain Vanilla" genannten Standardkredite, sagt Matis.

Nicht nur bei den Kreditnehmern, auch bei Sparern und Anlegern sind strukturierte Produkte gefragt. Angesichts des allgemein niedrigen Zinsniveaus suchten Anleger nach Instrumenten mit höheren Renditen, erläutert Matis. Als Beispiel verweist er auf das "Outperformance-Zertifikat" auf Aktien der Deutschen Telekom, das sein Haus auf den Markt gebracht hat. Der Clou dieses Papiers ist, daß es die Dividendenausschüttung zum Kauf einer Call-Option auf Aktien der Deutschen Telekom nutzt. Bei einem Anstieg der Telekom-Aktie steigt der Wert des Zertifikats dadurch von einer bestimmten Schwelle an überproportional. Bei Anlegern sind solche Zertifikate, die bei geringem Risiko zusätzliche Chancen bieten, offenbar beliebt - was es den Emittenten erlaubt, beim Verkauf saftige Gebühren einzustreichen.

Auch immer mehr Anleihen werden als "strukturierte Produkte" ausgestaltet. So hängt etwa der laufende Kupon einer "Rohstoff-Anleihe" der Deutschen Bank von der Preisentwicklung von Rohstoffen wie Aluminium, Gold und Erdöl ab und kann bis auf 8 Prozent steigen. Das erlaube es Privatanlegern, an der Entwicklung an den Rohstoffmärkten teilzunehmen, erläutert Matis. Im Detail sind die Konditionen solcher Papiere oft hochkomplex. Für den Privatanleger praktisch unmöglich ist dabei, die Chancen und Risiken solcher Papiere einigermaßen präzise abzuschätzen. Denn dafür sind komplizierte Wahrscheinlichkeitskalküle anzustellen, wie dies nur Fachleute mit Zugang zu großen Datenbanken können. Allerdings strukturiere man Produkte für den Privatanleger stets so, daß dessen Risiken begrenzt seien, sagt Matis. So beuge man Verstimmung oder etwaigen Klagen vor.

Während die Deutsche Bank Mittelständlern und Privatanlegern mit Blick auf die Kosteneffizienz standardisierte "strukturierte Produkte" offeriert, bietet sie institutionellen Großanlegern individuell maßgeschneiderte Lösungen an. Eine Zeitlang hätten dabei sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDO) im Mittelpunkt gestanden, berichtet Matis. Das sind mit Forderungen besicherte Wertpapiere, die in Tranchen mit unterschiedlichem Chance-Risiko-Profil strukturiert werden. Inzwischen seien aber auch bei diesen Papieren die Renditen oft unattraktiv schmal geworden, sagt Matis. Um attraktive Zinsmargen zu verdienen, gelte es deshalb, bislang illiquide Aktiva aufzuspüren und zu finanzieren.

Auch in Deutschland kämen die Anleger deshalb immer mehr auf den Geschmack an "Public-Private-Partnerships" (PPP). Darunter wird verstanden, daß private Unternehmen im Auftrag der öffentlichen Hände Infrastrukturprojekte finanzieren und betreiben - zum Beispiel den Bau eines mautpflichtigen Straßentunnels oder Renovierung und laufenden Unterhalt öffentlicher Schulen. "Die Kunst ist, solche Projekte aufzuspüren oder anzuschieben und sie dann als PPP zu strukturieren", sagt Matis. Dies könne nur mit Hilfe der Kundenberater vor Ort gelingen, die über gute Kontakte und Projektkenntnis verfügten.

Das Besondere bei solchen Projekten sei oft, daß der zu finanzierende Zahlungsstrom aus solch einem Projekt wegen einschlägiger Garantien der öffentlichen Hände ein höheres Rating habe als das ausführende Privatunternehmen, erläutert Matis. Das ermögliche es, solche Projekte zu Konditionen zu finanzieren, die sowohl für den Kapitalgeber als auch den Kapitalnehmer attraktiv seien. Matis erwartet, daß dieses Finanzierungsinstrument, das in einigen Nachbarländern schon viel genutzt wird, in nächster Zeit auch in Deutschland erheblich an Bedeutung gewinnen wird. (bf./hlr.)

Quelle: F.A.Z., 28.04.2005, Nr. 98 / Seite 23
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