21.03.2005 · Die Deutsche Postbank steigt beim Bauspar- und Vorsorgekonzern BHW ein und zeigt Interesse an einer Übernahme. Von der Versicherungsgruppe Ergo erwirbt die Postbank 9,2 Prozent der BHW-Aktien.
Die Postbank steigt mit knapp zehn Prozent bei der BHW Holding ein und bringt sich damit in eine günstige Ausgangsposition für eine Übernahme der zweitgrößten deutschen Bausparkasse. Die Zeit für ein Kaufangebot sieht Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann aber noch nicht gekommen. "Ich will nicht verhehlen, daß das BHW möglicherweise eine interessante Ergänzung für uns sein könnte", sagte der Bankchef am Montag in Frankfurt.
Schimmelmann kündigte zudem eine Steigerung der Profitabilität seiner Bank an. 2006 wolle Deutschlands größte Filialbank mit gut zwölf Millionen Kunden eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 15 Prozent erreichen und im klassischen Bankgeschäft das Verhältnis der Kosten zum Ertrag auf unter 65 Prozent senken.
Weitere 75 Prozent stehen zum Verkauf
Die Postbank erwirbt von der Ergo Versicherungsgruppe, einer Tochter der Münchener Rück, 9,2 Prozent an der BHW. Zum Preis wollte sich die Banktochter der Deutschen Post nicht äußern. Sie habe für die 16,6 Millionen BHW-Aktien aber einen „mehr als symbolischen Abschlag“ zum aktuellen Kurs gezahlt, ergänzte Schimmelmann. Ergo hat eigenen Angaben zufolge bei dem Verkauf einen zweistelligen Millionen-Gewinn eingefahren. An der Börse ist die BHW derzeit gut 2,5 Milliarden Euro wert.
Bei der BHW stehen noch weitere 75 Prozent der Anteile zum Verkauf, weil die Großaktionäre - die Gewerkschaftsholding BGAG und der Deutsche Beamtenwirtschaftsbund - ihren Ausstiegswunsch bereits signalisiert haben. Für ein Kaufangebot der Postbank sei es aber noch zu früh, weil die Bank noch keinen Einblick in die Bücher erhalten habe, erläuterte Schimmelmann. Fest stehe, daß die Postbank kein Interesse an der krisengeschüttelten BHW-Hypothekenbanktochter AHBR habe. Die AHBR-Eigentümer BHW und BGAG kündigten allerdings am Montag an, ein separater Verkauf der AHBR sei weiterhin eine Option.
„Strategisch ein sehr weiter Wurf"
Bei Analysten kam der Postbank-Einstieg gut an. „Das wäre strategisch ein sehr weiter Wurf", sagte Metehan Sen von Sal. Oppenheim mit Blick auf eine mögliche Übernahme. Es könne ein „nationaler Champion“ mit rund 16 Millionen Kunden entstehen. Entscheidend würde neben dem Preis sein, inwieweit die Postbank bei BHW die Kosten drücken könne. An der Börse verteuerten sich die im Kleinwerte-Index S-Dax notierten BHW-Aktien zeitweise um mehr als vier Prozent auf 15,10 Euro, nachdem sie zuletzt bereits von Übernahmegerüchten getrieben deutlich zugelegt hatten. Postbank-Aktien stiegen in der Spitze um mehr als ein Prozent auf 34,66 Euro, tendierten gegen Mittag aber nahezu unverändert.
Die BHW-Gruppe hat weltweit rund 4,6 Millionen Kunden, davon eine Million im Ausland. Interessant ist nach Einschätzung von Analysten das Vertriebsnetz der Holding mit 4100 Kundenbetreuern im Außendienst und 830 Service-Centern. Das Produktspektrum der BHW erstreckt sich vom Bausparen bis zur Baufinanzierung, von der Lebensversicherung bis zu Investmentfonds.
Die Postbank hat ihren Nettogewinn 2004 um gut 19 Prozent auf 420 Millionen Euro gesteigert und will nun bis 2006 profitabler werden. Ende 2004 kam das Bonner Kreditinstitut auf eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 13,7 Prozent und eine Kosten/Ertrags-Relation von knapp 71 Prozent. Expandieren will die Postbank unter anderem in den Bereichen Vermögensberatung und Zahlungsverkehrsabwicklung. Bis Ende 2005 will die Postbank rund 500 Berater haben - derzeit sind rund 370. In der Zahlungsverkehrsabwicklung soll der Marktanteil von derzeit 16 Prozent mittelfristig deutlich gesteigert werden.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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