24.07.2010 · Der Stress ist vorbei. Zumindest vorerst. Beim Stresstest in Europa sind nur sieben Banken durchgefallen. An der Aussagekraft der Tests darf man zwar zweifeln. Doch es scheint so, als sei die Angst vor dem Umfallen der Banken tatsächlich geringer geworden. Und das ist gut so. Ein Kommentar von Christian Siedenbiedel.
Beim Stresstest ist in Deutschland nur die Münchener Hypo Real Estate durchgefallen, von der das ohnehin vorher schon bekannt war. Als schwerster Sanierungsfall Deutschlands ist sie längst in der Obhut der Bundesregierung. Kein Wunder, dass sich jetzt landauf landab Politiker, Bankvorstände und Wissenschaftler beruhigt äußern. Nach der Flut der schlechten Nachrichten über die Banken in der Krise ist das endlich mal eine gute.
Die entscheidende Frage ist jetzt: Wird der Stresstest an den Märkten als glaubwürdig empfunden? Davon hängt ab, ob er sinnvoll war. Denn innerhalb der Banken und bei den jeweiligen Aufsichtsbehörden war ohnehin weitgehend bekannt, was bei dem Test herauskommen würde. Das entscheidend Neue war, dass die Ergebnisse veröffentlich wurden. Damit sollten Anleger und Gläubiger an den weltweiten Finanzmärkten beruhigt werden.
Der Fall einer Staatspleite wurde nicht untersucht
Man muss einräumen: Gründe dafür, an der Aussagekraft der Stresstests zu zweifeln, gibt es zuhauf. Zwar wurden die Tests vom Ausschuss der europäischen Bankenaufseher CEBS veranstaltet, einer zunächst weitgehend unabhängigen Institution. Aber die Banken haben im Vorfeld der Tests ebenso über die Bedingungen öffentlich mitgefeilscht wie die Regierungen. Wenn Börsianer sagen, weder die einen noch die anderen hätten Szenarien für die Stresstests zugelassen, bei denen die Banken eines Landes reihenweise durchgefallen wären, klingt das zumindest nicht vollkommen abwegig. So wurde zwar getestet, wie die Banken auf eine deutliche Verschlechterung des Marktes für Staatsanleihen reagieren würden - der Fall einer Staatspleite etwa in Griechenland mit Umschuldung und einem „Haircut“ genannten Zwangsverzicht der Gläubiger aber wurde nicht untersucht.
Trotzdem gibt es viele Anzeichen, dass die Börsen am Montag eher beruhigt auf die Stresstests reagieren werden. Zwar wurden die Tests bewusst am Freitagabend veröffentlich, als der Börsenhandel auf Xetra offiziell beendet war. Trotzdem konnte man im Frankfurter Parketthandel erste Reaktionen der Anleger noch verfolgen. Für die Deutsche Bank und die Commerzbank beispielsweise gab es praktisch keine Kursänderungen. Die Anleger hatten erwartet, dass beide Banken den Test bestehen würden. Und sie haben ihn bestanden.
Zeichen des Vertrauens
Wenn die Bundesregierung befürchtet hätte, so könnte man böse hinzufügen, dass die von ihr gestützte Commerzbank durchfällt, wäre sie in der vergangenen Woche sicher nicht so ruhig in die Tests gegangen. Einer Veröffentlichung der Testergebnisse wäre vermutlich nicht zugestimmt worden, wenn ein negatives Ergebnis auch nur in Betracht gezogen worden wäre. Schließlich wären die Folgen kaum auszumalen gewesen: Wer hätte verantworten wollen, dass im schlimmsten Fall alle Sparer mit einem Schlag ihr Geld an den Schaltern der Commerzbank abgehoben und Tausende von Aktionären ihre Anteile verkauft hätten? In einem solchen Fall wäre durch die Tests genau das eingetreten, was durch sie eigentlich hatte vermieden werden sollen.
Es gibt noch ein zweites Anzeichen, dass die Stresstest trotz allem zu einer gewissen Beruhigung der Märkte beigetragen haben. Die Spreads für sogenannten Credit Default Swaps (CDS), handelbare Kreditausfallsversicherungen, sind nach der Bekanntgabe der Testergebnisse am Freitag für fast alle Banken gesunken. Mit solchen Papieren sichern sich Gläubiger gegen den Ausfall ihrer Schuldner ab. Wenn mit CDS für die Banken nicht mehr so viel zu verdienen ist wie noch vor zwei Tagen, bedeutet das: Die Angst vor dem Umfallen der Banken ist geringer geworden. Das ist ein gutes Zeichen.
Was für ein Zeichen?
jürgen beck (j.beck)
- 24.07.2010, 18:22 Uhr
Und der mündige Bürger steht ohnmächtig da und fasst es nicht
Lars Kuntermann (Leserlein)
- 24.07.2010, 19:10 Uhr
Stresstest? Die Banker hatten damit keinen Stress!
claus bronner (kritiker111)
- 24.07.2010, 19:19 Uhr
Nur kein Stress für wen?
Beate Naumann (hhnconsult)
- 24.07.2010, 19:41 Uhr
Wo bleibt die Aussagekraft?
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 24.07.2010, 21:32 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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