21.08.2008 · Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Lone Star übernimmt 90,8 Prozent der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Die staatliche Bankengruppe KfW gibt zu, der Kaufpreis sei unter den Erwartungen geblieben - „im niedrigen dreistelligen Millionenbereich“.
Die staatliche Bankengruppe KfW verkauft ihre Mehrheitsbeteiligung an der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB an den amerikanischen Finanzinvestor Lone Star. Lone Star übernehme das gesamte Aktienpaket in Höhe von 90,8 Prozent, teilte die KfW Bankengruppe am Donnerstag in Frankfurt mit.
Die im SDax notierten Aktien der IKB schossen am Morgen um 23,1 Prozent in die Höhe. Schon im vorbörslichen Handel war die Nachfrage groß. „Das ist schon sehr viel Umsatz“, sagte ein Händler. „Möglicherweise spekulieren einige auf eine Zwangsabfindung.“
Für den Verkauf der IKB an ist nach Angaben der KfW ein „angemessen positiver Kaufpreis“ erzielt worden. Beide Seiten hätten sich zudem darauf verständigt, die Risiken „bei bestimmten Portfolio- und Klagerisiken“ zu teilen, teilte die staatliche KfW Bankengruppe mit. Lone Star bringe weiteres Eigenkapital in die IKB ein. Zu weiteren Details des Kaufvertrages vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Abgeschlossen sein soll die Transaktion bis Oktober 2008. Lone Star will die IKB wieder auf ihr Kerngeschäft Mittelstandsfinanzierung ausrichten. „Wir werden die bestehende Positionierung der Bank als Mittelstandsbank stärken und konsequent ausbauen“, sagte der Deutschlandchef von Lone Star, Karsten von Köller, am Donnerstag in Frankfurt.
KfW: Erwartungen an Kaufpreis nicht erfüllt
Für die KfW bestehen nach eigenen Angaben keine „unüberschaubaren Risiken“ mehr. Zwar habe die KfW zur Rettung der Düsseldorfer Bank „eine große Last auf sich genommen, sich aber nicht übernommen“, sagte der Sprecher des Vorstandes der KfW Bankengruppe, Wolfgang Kroh. „Wir stehen weiterhin auf einer soliden finanziellen Basis.“ Kroh räumte jedoch ein: „Die ursprünglichen Erwartungen an die Höhe des Kaufpreises haben sich nicht erfüllt.“
„Der Verkaufserlös lag im niedrigen dreistelligen Millionenbereich“, sagte Kroh, auf die Frage, ob der Kaufpreis bei 300 Millionen Euro gelegen habe. Die Gesamtbelastungen für die KfW aus der IKB-Krise bezifferte Kroh auf rund acht Milliarden Euro.
Bis zum 31. Dezember beliefen sich die bilanziellen Gesamtbelastungen für die KfW aus der IKB-Krise auf 7,2 Milliarden Euro. Die neuen Belastungen betragen nach Angaben Krohs „nach aktueller Bewertung insgesamt nicht mehr als zehn Prozent“ dieser Kosten. Der Bund hoffte nach früheren Angaben auf Erlöse in Höhe von 800 Millionen Euro aus dem IKB-Verkauf.
Der Präsidialausschuss des KfW-Verwaltungsrates hatte dem Verkauf der IKB an Lone Star in seiner Sitzung am Mittwoch in Berlin empfohlen. Der sechsköpfige Präsidialausschuss sollte den Verkaufsprozess der IKB beschleunigen. Ihm gehören unter anderem Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) als KfW-Verwaltungsratsvorsitzender und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) an.
Die Düsseldorfer IKB hatte sich am amerikanischen Kreditmarkt verspekuliert und war nur dank Milliardenunterstützug vor der Pleite bewahrt worden. Nach FDP-Angaben mussten KfW, Bund und Bankenwirtschaft bislang 9,8 Milliarden Euro Risiken abdecken, um die IKB zu retten. Ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) berichtete am Mittwochabend, dass sich der KfW-Präsidialausschuss einstimmig hinter einen Vorschlag des KfW-Vorstands stelle.
FDP und Linke: Versagen der Bundesregierung
Angesichts der erwarteten Entscheidung über den Verkauf hatten FDP und Linke der Bundesregierung Versagen vorgehalten. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Fraktion Die Linke, Herbert Schui, erklärte dazu, es sei kein gutes Geschäft für den Staat, erst Milliarden zuzuschießen, und dann das gesunde Mittelstandsgeschäft zu verschenken. „Dem Verkaufspreis stehen Risikoübernahmen in vergleichbarer Höhe gegenüber. Die selbst ernannten Haushaltssanierer verschleudern öffentliches Vermögen.“
Statt eines Notverkaufes dürfe die IKB nur verkauft werden, wenn ein angemessener Preis zu erzielen sei, verlangte Schui. „Außerdem muss sichergestellt sein, dass Privatbanken eine stabile Mittelstandsfinanzierung sicherstellen können. Beide Bedingungen sind gegenwärtig nicht erfüllt.“
Der FDP-Abgeordnete Zeil äußerte sich ebenfalls kritisch. „Der Staat hat sich als Banker versucht und dabei kläglich versagt“, stellte er fest. Wer Milliarden in den Sand setze, „wie Steinbrück, Glos & Co.“, der müsse glaubhaft erklären, wie es dazu kommen konnte. „Darauf aber warten der Steuerzahler und die Oppositionsparteien bis heute leider vergeblich“, monierte er.
Klagewelle in Nordrhein-Westfalen
Die IKB hatte am Dienstag mitgeteilt, eine für sie überlebensnotwendige Kapitalerhöhung erfolgreich abgeschlossen zu haben. Allerdings muss noch die Europäische Kommission zustimmen. Fällt die Entscheidung für die Mittelstandsbank günstig aus, würde sich der KfW-Anteil an der IKB von derzeit rund 45,5 Prozent auf rund 90,8 Prozent erhöhen.
Rund um die Krise des taumelnden Geldinstituts hatte sich auch eine Debatte über die Verantwortung des ehemaligen Bank-Vorstands entsponnen. Gegen mehrere Manager ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wegen Untreue und Verstößen gegen das Aktiengesetz. Dutzende Kleinanleger starteten zudem eine Klagewelle gegen die Bank. Knapp 50 Verfahren sind am Düsseldorfer Landgericht anhängig. Bislang wurden alle Schadensersatzansprüche abgeschmettert.
Lone Star.. Ein Star unter den Kreditheuschrecken
Peter Müller (Damrko)
- 21.08.2008, 10:53 Uhr
Gutes Geschäft
Rudolf Ortwein (rudi.rotwein)
- 21.08.2008, 11:31 Uhr
An Peter Müller
David Donndorf (Spawn0487)
- 21.08.2008, 12:52 Uhr
Wettbewerbsvorsprung der IKB
Dieter Spethmann (dspeth)
- 21.08.2008, 12:59 Uhr
@ Peter Müller
Joachim Kühn (jokuehn)
- 21.08.2008, 20:22 Uhr
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