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Banken J.P. Morgan Chase vervierfacht den Nettogewinn

15.01.2010 ·  Die amerikanische Großbank zementiert nach dem Abflauen der Finanzkrise ihren Führungsanspruch in der Branche. Die Bank vervierfachte im letzten Quartal des vergangenen Jahres den Nettogewinn auf 3,3 Milliarden Dollar:

Von Norbert Kuls, New York
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Die amerikanische Großbank J.P. Morgan Chase zementiert nach dem Abflauen der Finanzkrise ihren Führungsanspruch in der Branche. Die Bank vervierfachte im letzten Quartal des vergangenen Jahres den Nettogewinn aufgrund starker Erträge im Investmentbankgeschäft auf 3,3 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.

Die Investmentbank des Hauses trug mit einem Gewinn von 1,9 Milliarden Dollar den Löwenanteil zum Gesamtergebnis bei. Nach den Verlusten des Vorjahres profitierte dieses Geschäftssegment von der Erholung an den Finanzmärkten, was zu gestiegenen Erträgen im Bereich Wertpapieremissionen sowie im Handel mit Aktien und festverzinslichen Wertpapieren beitrug.

Verluste in der Privatkundensparte

Allerdings zollte J.P. Morgan Chase der wegen gefallener Häuserpreise und gestiegener Arbeitslosigkeit andauernd hohen Belastung der amerikanischen Privatkunden Tribut. Die Bank erhöhte abermals ihre Rückstellungen wegen möglicher Ausfälle von Verbraucherkrediten. Das führte zu einem Verlust in der Privatkundensparte. Auch der Geschäftsbereich Kreditkarten, der ebenfalls von der Verfassung der Verbraucher abhängig ist, schrieb rote Zahlen.

„Obwohl wir etwas Stabilität bei den Kreditausfällen sehen, bleiben die Kosten für Konsumentenkredite hoch und der schwache Arbeitsmarkt und die schwachen Häuserpreise bestehen weiter. Folglich sind wir weiter auf der Hut“, sagte Jamie Dimon, der Vorstandsvorsitzende von J.P. Morgan Chase. Die Arbeitslosenquote in den Vereinigten Staaten liegt bei 10 Prozent. Ökonomen rechnen erst ab Mitte des kommenden Jahres mit einer Erholung am Arbeitsmarkt. Der für seine Direktheit bekannte Dimon sagte zudem, dass die Bank trotz der verbesserten Ergebnisse immer noch hinter einer angemessenen Eigenkapitalverzinsung und ihrem Gewinnpotential zurückbleibe.

Der Nettogewinn von J.P. Morgan Chase für das vierte Quartal entsprach 74 Cent je Aktie. Analysten hatten nach Angaben des Informationsdienstes Thomson Reuters im Durchschnitt mit einem Gewinn von nur 60 Cent je Anteilsschein gerechnet. Im vierten Quartal des Vorjahres, das von der Unsicherheit nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers geprägt war, hatte J.P. Morgan 702 Millionen Dollar oder 6 Cent je Aktie verdient. Die Bank ist das einzige große amerikanische Finanzinstitut, das ohne Verlustquartal durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen ist. Auch mit den gegenüber dem Vorjahr um 34 Prozent auf 23,16 Milliarden Dollar gestiegenen Erträgen übertraf J.P. Morgan die Erwartungen der Auguren für das Schlussquartal. Analysten hatten mit rund 20 Milliarden Dollar kalkuliert. Für das Gesamtjahr belief sich der Nettogewinn auf fast 11,7 Milliarden Dollar - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.

Aktienkurs fällt

An der New Yorker Börse reagierte der Aktienkurs von J.P. Morgan auf die Ergebnisse dennoch mit Abschlägen von zeitweise knapp 2 Prozent. Investoren reagierten negativ, weil J.P. Morgan Chase die Dividende nicht wie erhofft anhob. Manager von J.P. Morgan hatten im Oktober eine Dividendenerhöhung in Aussicht gestellt, sobald sich die Kreditausfälle stabilisierten. Seit Anfang des Jahres hatte der Aktienkurs allerdings schon um mehr als 7 Prozent zugelegt. Im vergangenen Jahr war der Kurs um 84 Prozent gestiegen - rund viermal so stark wie der marktbreite Aktienindex Standard & Poor's 500.

Die Erholung an den Finanzmärkten führte auch zu gestiegenen Bonuszahlungen bei J.P. Morgan Chase. Nach Angaben der Bank sind die gesamten Lohnkosten 2009 gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent gestiegen, obwohl die Zahl der Beschäftigten um ein Prozent auf weltweit rund 220 000 Mitarbeiter zurückgegangen war. Die durchschnittliche Vergütung je Mitarbeiter inklusive Bonus belief sich im vergangenen Jahr auf 121 000 Dollar. Im Investmentbankgeschäft dürften die Bonuszahlungen angesichts der Gewinne aber vergleichsweise hoch ausgefallen sein.

Boni für Bankangestellte sind in den Vereinigten Staaten ein Reizthema, da die größten Banken im vergangenen Jahr Staatshilfen in Milliardenhöhe erhalten hatten. J.P. Morgan Chase hatte die Unterstützung schon Mitte 2009 zurückgezahlt. Der amerikanische Präsident Barack Obama hat unter anderem wegen der hohen Bonuszahlungen bei einst staatlich gestützten Banken eine Sonderabgabe vorgeschlagen, um mögliche Verluste für die Steuerzahler aus staatlichen Rettungspaketen abzudecken (siehe Video: Obama brummt Banken Gebühr auf).

J.P. Morgan Chase war die erste der großen amerikanischen Banken, die ihre Ergebnisse für das vierte Quartal vorgelegt hat. In der kommenden Woche werden die Quartalszahlen der Konkurrenten Citigroup und Bank of America erwartet.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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