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Veröffentlicht: 19.10.2007, 17:47 Uhr

Banken IKB-Zweckgesellschaft Rhinebridge wird abgewickelt

Die Börse in Dublin hat der IKB die Verwaltung des Rhinebridge-Vermögens entzogen. Nach den aktuellen Einstufungen liegt der Wert der zu vermarktenden Papiere nur noch bei gut 800 Millionen Euro - weniger als der Hälfte des Nominalwerts.

von und
© AP Sorgenkind IKB

Die irische Anlagegesellschaft Rhinebridge plc, deren Refinanzierungsprobleme im Juliustriebank beitrugen, wird abgewickelt. Für diese Aufgabe wurde als Treuhänder die Bank of New York bestellt. Nach den aktuellen Einstufungen verschiedener Ratingagenturen liegt der Wert der zu vermarktenden Papiere von nominal 2,5 Milliarden amerikanische Dollar nur noch bei etwa 1,2 Milliarden Dollar oder umgerechnet gut 800 Millionen Euro.

Die nach finanzieller Absicherung durch den Großaktionär KfW und viele andere deutsche Banken und unter weitgehend ausgetauschtem Vorstand wieder auf festeren Boden geführte IKB hat sofort nach Offenkundigwerden der Krise Rhinebridge in die eigenen Bücher genommen und die spekulativen Papiere neu bewertet. Mit dem Anfang September veröffentlichten Zwischenbericht wurde ein Jahresverlust von bis zu 700 Millionen Euro prognostiziert. Darin sind bereits die Rhinebridge-Risiken erhalten. Denn die Zweckgesellschaft, die in verbriefte amerikanische Hypothekendarlehen mit einem hohen Anteil bonitätsschwacher Schuldner („Subprime“) investiert war, konnte diese Investitionen am ausgetrockneten Geldmarkt nicht mehr refinanzieren. „Sie kann sich nur noch aus dem Verkauf ihrer Wertpapiere refinanzieren“, las man im letzten IKB-Quartalsbericht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg wurden allein im August Papiere für 176 Millionen Dollar verkauft, um den Verpflichtungen nachkommen zu können und die Zulassungsbedingungen zu erfüllen.

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Im Test durchgefallen

Aber am 11. Oktober fiel die in Dublin ansässige, seit Wochen unter kritischer Beobachtung stehende Rhinebridge nach starkem Vermögensverfall doch bei einem der regelmäßigen Tests – dem so genannten Major Capital Loss Test – durch. Wie die IKB am Donnerstag mitteilte, konnten auch in der bis zu diesem Tag gewährten Nachbesserungsfrist die Kapitalverhältnisse nicht im vorgeschriebenen Maß korrigiert werden. Damit werden die Zulassungsvoraussetzungen als Zweckgesellschaft nicht mehr erfüllt.

Deshalb hat die Dubliner Börse der IKB die Verwaltung des Rhinebridge-Vermögens entzogen und einem Treuhänder übertragen. Die Bank of New York ist nun der verantwortliche Treuhänder, der die Verwertung selber vornehmen oder einen Dritten mit dieser Aufgabe betrauen kann. Nach Ansicht von Beobachtern ist dessen Krise noch längst nicht ausgestanden. Aber zumindest lichte sich der Nebel und werde zunehmend verstanden, dass bei weitem nicht alle Anlagen und selbst nicht alle den Subprime-Papieren zu Grunde liegenden Hypotheken vom Ausfall bedroht sind.

Vorwurf: Unzureichendes Risikomanagement

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC hatte jüngst dem Altvorstand unzureichendes Risikomanagement und unzulängliche Informationen an den Aufsichtsrat vorgeworfen (F.A.Z. vom 17. Oktober). Die Entscheidungskompetenz bei Anlagen in den Zweckgesellschaften sei viel zu groß gewesen, und die Kontrolle der Wertpapieranlagen habe sich auf die damals guten Bewertungen der Rating-Agenturen verlassen. Zudem sei der Aufsichtsrat über das Risikopotential spät informiert worden.

Nach Vorlage dieses Berichts waren Forderungen laut geworden, Schadensersatzklagen gegen frühere Vorstände oder auch Aufsichtsräte zu erheben. Grundsätzlich sind Manager und ihre Kontrolleure verpflichtet, nach Pflichtverletzungen amtierende oder frühere Mitglieder von Leitungs- und Aufsichtsorganen in Regress zu nehmen. Dies hatte der Bundesgerichtshof bereits 1997 im Fall des Versicherungsunternehmens Arag entscheiden, das durch ein Geschäft mit der dann zusammengebrochenen Finanzgruppe Garmenbeck Millionen verloren hatte. Wenn sie dies unterlassen, können Aktionäre dies auch vor Gericht erzwingen. Seit dem Gesetz zur Unternehmensintegrität und Modernisierung des Anfechtungsrechts (Umag) von 2005 reicht dazu bereits ein Prozent der Anteile oder ein Besitz von Aktien im Nennwert von mindestens 100 000 Euro. Führt dies zum Erfolg, fließt der Schadensersatz aber nicht in die Tasche der Kläger, sondern in die Kasse des Unternehmens – und kommt damit allen Anteilseignern zugute.

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