21.01.2005 · Die Aktien der Hypo-Vereinsbank sind am Freitag trotz angekündigter Abschreibungen in Milliardenhöhe ins Plus gedreht. Händler sprachen von neuerlicher Übernahmephantasie.
Die Münchener Großbank HVB (Hypo-Vereinsbank) hat eine Bereinigung ihrer Sparte für Immobilienfinanzierungen angekündigt und wird wegen milliardenschwerer Wertberichtigungen 2004 einen Verlust ausweisen. Die Dividende soll wie schon für die
vorangegangenen beiden Geschäftsjahre ausfallen.
Die HVB-Papiere notierten um 12.50 Uhr 1,3 Prozent höher bei 18,03 Euro. Die Titel waren vor der Bekanntgabe der Abschreibungen ausgesetzt worden und hatten zu diesem Zeitpunkt fast zwei Prozent im Minus notiert. „Das könnten Vorbereitungen für eine Fusion sein. Da werden die letzten Leichen aus dem Keller gekehrt", sagte ein Händler über die Entscheidung der Bank. Diese Phantasie scheint die Aktie zu beflügeln.
Schwierige Situation auf den Immobilienmärkten
Der Vorstand habe wegen der „anhaltend schwierigen Situation auf den deutschen Immobilienmärkten“ eine strategische Neuausrichtung für das Geschäftsfeld beschlossen, teilte die HVB Group am Freitag in München mit. Die gesamten Sanierungsbestände des Immobilienfinanzierungsgeschäfts in Deutschland im Volumen von 15 Milliarden Euro würden in das neue Geschäftsfeld Real Estate Restructuring überführt. Ziel sei es, die dortigen Portfolien „vollständig abzubauen“. Dazu ist der Bank zufolge ein Ansatz zum „Liquidationswert“ erforderlich, was eine Wertberichtigung um 2,5 Milliarden Euro notwendig mache. Die
Verantwortung dafür übernehme der Immobilien-Experte Johann Berger, der sein Vorstandsamt Anfang April antritt. Die HVB betonte, die private Immobilienfinanzierung bleibe wie bisher zentraler Bestandteil des Produktangebots der Bank. In der kommerziellen Immobilienfinanzierung jedoch würden die Vergabekriterien nochmals verschärft.
„Die Sonderwertberichtigung wird im Konzernabschluß 2004 berücksichtigt und zu einem entsprechenden Verlustausweis führen", hieß es. Zudem wird die HVB Aufwendungen von 250 Millionen Euro für das anstehende Sparprogramm im Inland, dessen Einzelheiten Ende Februar bekannt gegeben werden sollen, ebenfalls noch in der Bilanz 2004 verbuchen. Wie hoch der Jahresverlust 2004 am Ende ausfällt, gab die HVB nicht bekannt. Ein Sprecher sagte, die Wertberichtigungen seien nicht gleichzusetzen mit dem Verlust.
„Wir entlasten künftige Ertragsrechnungen“
„Wir entlasten künftige Ertragsrechnungen in erheblichem Umfang", erklärte HVB-Chef Dieter Rampl. Damit würden die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen, um zügig ein wettbewerbsfähiges Ertragsniveau zu erreichen. Für 2005 hielt die HVB an der bisherigen mittelfristigen Prognose fest, wonach die Eigenkapitalrendite nach Steuern etwa den Kapitalkosten entsprechen solle. Durch die jetzigen Maßnahmen solle die Risikovorsorge im laufenden Jahr wieder auf ein normales Niveau von etwa 1,3 Milliarden Euro sinken.
Analysten halten nun eine Kapitalerhöhung für ratsam. Auch ein Experte der Ratingagentur Standard & Poors sagte, er würde einen solchen Schritt vorziehen. Wegen des Verlustes der HVB senkte auch ihr Großaktionär Münchener Rück seine Gewinnprognose.
S&P prüft Herabstufung
Standard & Poor's kündigte an, eine Herabstufung der Bonität der HVB von bisher „A-“ zu prüfen, was die Refinanzierung der Bank verteuern würde. Finanzexperten erklärten, mit einer Kernkapitalquote von nun sechs Prozent sei eine erneute Kapitalerhöhung ratsam. „Die entscheidende Frage ist, ob das endlich das Ende der Wertberichtigungen war. Wenn nicht, wird die HVB bei den Rating-Agenturen abgestraft werden, zumal keine Kapitalerhöhung angekündigt worden ist", sagte ein Frankfurter Fondsmanager. Mit einem Rating im B-Bereich sei die HVB nicht überlebensfähig. „Eine Kapitalerhöhung wäre ratsam.“
Ähnlich äußerte sich Bank-Analyst Metehan Sen vom Bankhaus Sal. Oppenheim: „Die Bank schreibt seit Jahren ständig ab und die Leute fragen sich natürlich, ob das Ende erreicht ist. Danach sieht es nicht aus, und das ist enttäuschend.“
Rampl kämpft seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren um eine Sanierung der HVB. Für 2003 hatte die Großbank ebenfalls wegen enormer Abschreibungen einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro verbucht. Ein Sparprogramm für das problematische Inlandsgeschäft will Rampl Ende Februar vorstellen. Damit sollen nach früheren Angaben aus Finanzkreisen etwa 300 Millionen Euro gespart werden. Vor allem Backoffice-Bereiche ohne Kundenkontakt sollen betroffen sein.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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