12.05.2005 · Aufsichtsratchef Albrecht Schmidt läßt sich auf der Hauptversammlung nicht von der heftigen Kritik der Aktionäre verunsichern. Obwohl die Aussichten für die zweite Jahreshälfte nicht für ihn sprechen.
Die Kritik war heftig, die Reaktion stoisch: Reihenweise kündigten Aktionäre auf der Hauptversammlung der Hypo-Vereinsbank (HVB) am Donnerstag in München an, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Neben Vorstandssprecher Dieter Rampl stand dessen Amtsvorgänger, der heutige Aufsichtsratschef Albrecht Schmidt, im Zentrum der Kritik.
Der nahm die heftigen Vorwürfe der HVB-Eigentümer reaktionslos hin. „Ein bißchen Volksfest“ sei die Aufregung auf der Hauptversammlung, mehr nicht, sagte der hartgesottene Bankmanager am Rande des Aktionärstreffens. Die angeschlagene zweitgrößte deutsche Bank hat in den vergangenen beiden Jahren fast 5 Milliarden Euro Verlust gemacht. Ein Hauptgrund dafür sind hohe Immobilienaltlasten aus Schmidts Amtszeit an der HVB-Spitze.
Nichtentlastung zurückgewiesen
Thomas Nahmer von der Fondsgesellschaft SEB Invest warf dem ungerührten Schmidt „Selbstgefälligkeit“ vor. Olgerd Eichler von Union Investment sieht ihn als Hindernis für die weitere Entwicklung der Bank. Die HVB benötige einen „unvoreingenommenen und kompetenten Aufsichtsratschef“, sagte Eichler. „Sie stehen möglicherweise den erforderlichen Veränderungen im Wege“, argwöhnte der Fondsmanager. Der Aktionärsvertreter Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) räumte trotz von ihm ebenfalls geäußerter Kritik ein, daß Schmidt durch die Übernahme der hochprofitablen österreichischen Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) die HVB auch vorangebracht habe.
Der Aktionär Hans Fey, früher selbst Vorstand der Hypo-Bank und langjähriger Intimfeind Schmidts, forderte dagegen unumwunden dessen Rücktritt: „Je früher Sie gehen, desto besser.“ Der gescholtene Schmidt selbst nahm zu den Vorwürfen auf der Hauptversammlung nicht Stellung. Am Rande des Aktionärstreffens wies er die Forderungen nach Nichtentlastung zurück: „Die Entlastung bezieht sich auf das vergangene Jahr, und ich wüßte nicht, was ich da falsch gemacht habe.“
Unicredito-Äußerungen klargestellt
Vorstandssprecher Rampl mußte sich ebenfalls harte Kritik anhören. Der HVB-Chef habe die Aktionäre vor der milliardenschweren Kapitalerhöhung im Frühjahr 2004 getäuscht, sagte Jens Meyer von der Fondsgesellschaft Deka. Systematisch habe Rampl zuvor den HVB-Aktienkurs durch das Schüren von Fusionsgerüchten nach oben getrieben, diese nach der Kapitalaufstockung jedoch zurückgewiesen. Mittlerweile schließt der HVB-Chef allerdings einen Schulterschluß wiederum nicht mehr aus.
In einem Gespräch mit der F.A.Z. hat Rampl die italienische Großbank Unicredito kürzlich als „attraktiven Partner“ bezeichnet. Nachfragen zu diesem Thema beantwortete Rampl auf der Hauptversammlung nicht. Am Rande der Veranstaltung stellte er jedoch seine Unicredito-Äußerungen klar: „Von einer Übernahme habe ich nicht gesprochen“, sagte er auf die Frage, ob die HVB zum Verkauf stehe. Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte Rampl zur möglichen Rolle als Juniorpartner in einer Fusion noch gesagt: „Ich weiß, daß wir nicht in der Position sind, einen solchen Partner zu übernehmen.“
Gefahr einer Zurückstufung
Für das aktuelle Geschäftsjahr bekräftigte Vorstandssprecher Rampl das Ziel, einen Jahresüberschuß von rund 1 Milliarde Euro zu erzielen. Im ersten Quartal hat die HVB zwar, wie berichtet, bereits rund ein Drittel dieser Summe verdient. Allerdings könne diese Ergebnisverbesserung nicht auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden, dämpfte der HVB-Chef übermäßigen Optimismus. Vor allem das im ersten Quartal sehr hohe Handelsergebnis sei voraussichtlich im weiteren Jahresverlauf „nicht in vollem Umfang“ aufrechtzuerhalten.
Die Gefahr einer Zurückstufung der HVB-Bonitätsnote durch die Ratingagentur Standard&Poor's (S&P) sieht Rampl trotz der besseren Geschäftszahlen im ersten Quartal auch weiterhin: „Dieses Gespenst ist noch nicht gebannt.“ Eine Verschlechterung des HVB-Ratings würde die Bank vor allem im Kapitalmarktgeschäft behindern und die Refinanzierung verteuern.
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