08.04.2008 · In den Bilanzen der Sächsischen Landesbank sind weitere Ungereimtheiten aufgetaucht, die auch strafrechtlich relevant sein könnten. Nach Informationen der F.A.Z. sind Forderungen von fast 154 Millionen Euro aufgelaufen, welche die Bank bisher nicht zuordnen kann.
Von Christian Geinitz und Reiner BurgerIn den Bilanzen der in wirtschaftliche Not geratenen Sächsischen Landesbank sind weitere Ungereimtheiten aufgetaucht, die sich möglicherweise als strafrechtlich relevant erweisen könnten. Nach Informationen der F.A.Z. sind in der Vergangenheit Forderungen von fast 154 Millionen Euro aufgelaufen, welche die Bank bisher nicht zuordnen kann und deren Rückzahlung oder Besicherung unklar ist. Die Sachsen LB hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG damit beauftragt, die dubiosen Buchungen zu untersuchen und den Vorgang bis zum Sommer zu klären.
Über den Vorfall hat die Bank auch die Staatsanwaltschaft in Leipzig informiert. Ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörde wollte zu den Details nicht Stellung nehmen, bestätigte aber, dass man gegen frühere Vorstände der Bank wegen des Verdachts der Untreue ermittle.
Finanzministerium bestätigte den Vorgang
Das sächsische Finanzministerium bestätigte den Vorgang ebenso wie das Geldinstitut, das sich nach dem Notverkauf an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) Sachsen Bank nennt. Bei der Bilanzlücke handele es sich um „Forderungen aus Differenzen in Buchungssystemen, deren Werthaltigkeit nicht gesichert ist“, sagte ein Sprecher der Bank. Man habe deshalb in der Risikovorsorge für das Jahr 2007 vorsorgliche Wertberichtigungen in Höhe von 153,6 Millionen Euro berücksichtigt. Das Geld sei aber „nicht zwingend verloren“.
Die Summe macht mehr als 20 Prozent der gesamten Aufwendungen für Risikovorsorge und Bewertungen aus. Diese hatten dazu beigetragen, dass die Bank im Jahr 2007 einen Rekordverlust von rund 642 Millionen Euro erlitt; im Vorjahr war noch ein Gewinn von mehr als 80 Millionen Euro angefallen.
Sachsen LB: Keine Erkenntnisse über mögliche Straftaten
Der Sprecher der Sachsen LB bestätigte die Einschaltung der Staatsanwaltschaft, sagte aber, es lägen bisher keine Erkenntnisse über mögliche Straftaten von Verantwortlichen des Finanzinstituts vor. Möglicherweise rührten die Bilanzunstimmigkeiten aus einer Umstellung der Buchungssysteme Mitte der neunziger Jahre her.
Damals hatte die Sachsen LB das System der Südwest LB verlassen und ein eigenes aufgebaut. Unklar ist, ob die fragwürdigen Bilanzposten – die erst durch die Prüfungen der Landesbank Baden-Württemberg ans Tageslicht gekommenen sind – nachträgliche Auswirkungen auf frühere Bilanzen haben; in diesem Fall könnten sich die Jahresabschlüsse als fehlerhaft herausstellen.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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