21.04.2008 · Die Schweizer Großbank steckt mit dem Geschäft in Amerika tief in Schwierigkeiten. Nun beleuchtet ein Bericht die Hintergründe: Es geht um Gier, mangelnde Kontrolle und Inkompetenz.
Von Jürgen DunschDie ehemalige Führung der UBS steht heftig unter Druck. Denn die Aktionäre der Schweizer Großbank werden an diesem Mittwoch nicht nur Peter Kurer in den Verwaltungsrat wählen, der dort dem alten Präsidenten Marcel Ospel nachfolgen soll. Ihnen liegt auch der von der UBS intern erstellte Bericht vor, den die Eidgenössische Bankenkommission zum Debakel in der amerikanischen Hypothekenkrise angefordert hatte - und diese 400 Seiten haben es in sich.
Der Bericht hält zwar die während der vergangenen Jahre angestrebte Aufholjagd im Investmentbanking des Bankhauses nicht für grundsätzlich falsch. Doch in der Ausführung des Plans regierten unangemessene Anreizsysteme in der Entlohnung der Banker, die Anhäufung von Risiken im Immobilienmarkt in Amerika, Mängel in der Risikokontrolle und zuletzt eine verspätete Reaktion auf das absehbare Debakel in den Vereinigten Staaten.
In der am Montag veröffentlichten Zusammenfassung für die Aktionäre nennt die Bank den hauseigenen Hedge-Fonds Dillon Read Capital Management (DRCM) eine wesentliche Verlustquelle. Die UBS hatte den Fonds im Mai 2007 geschlossen. Darüber hinaus erwiesen sich auch das Festzinsgeschäft mit Hypothekenverbriefungen (CDO) und das Handelsportfolio mit forderungsbesicherten Wertpapieren (ABS) in der Investmentbank als Verlustbringer.
Die Dividende soll in Form von Aktien ausbezahlt werden
In der 50 Seiten umfassenden Zusammenfassung der Analyse wird betont, die 2005 mit DRCM und später eingeleiteten Aufholinitiativen im Investmentbanking seien grundsätzlich richtig, obwohl damals schon Krisenzeichen im amerikanischen Immobilienmarkt deutlich wurden. Allerdings habe die mangelnde Realisierung seitens des Gesamtvorstandes und der Spitze des hauseigenen Investmentbankings zu dem hochriskanten Geschäftsgebaren in Amerika beigetragen. Die Initiative sollte die UBS, den weltgrößten Vermögensverwalter, auch im Kapitalmarktgeschäft an die Spitze führen.
Im Rahmen der Hypothekenkrise hat die Bank aber nun den Rekordbetrag von 40 Milliarden Dollar (25 Milliarden Euro) abgeschrieben und für 2007 einen Verlust von 4,4 Milliarden Franken (2,8 Milliarden Euro) ausweisen müssen. Damit benötigt die UBS neues Kapital: Nach 13 Milliarden Franken durch zwei Großinvestoren sollen die Aktionäre am Mittwoch eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht im Umfang von 15 Milliarden Franken beschließen.
Auch die Dividende soll in Form von UBS-Aktien ausbezahlt werden. Nach einer Studie der Commerzbank ist die Schweiz mit UBS und Credit Suisse bisher am schlechtesten durch die Finanzmarktkrise gekommen. Durch die Abschreibungen gingen bisher 40 Prozent des Eigenkapitals verloren. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die UBS. Aber auch die Credit Suisse wird im Quartalsbericht an diesem Donnerstag wohl weitere Korrekturen in Höhe mehrerer Milliarden Franken bekanntgeben. Die Börse schien den Bericht abzuhaken. Der Kurs der Aktie verlor nur leicht.
Versagen der damaligen Konzernführung
Die Bankenkommission will den Bericht nun zunächst prüfen. Auf den Bericht an die Aktionäre hatte die Anlagestiftung Ethos im Anschluss an die außerordentliche Generalversammlung vom Februar gedrungen. Dieser verweist mehrfach auf ein Versagen der damaligen Konzernführung. Obwohl keine Namen genannt werden, betrifft dies vor allem den Vorstandsvorsitzenden Peter Wuffli, der im Juli 2007 durch Marcel Rohner abgelöst wurde. Auch Huw Jenkins, der Leiter des Investmentbankings, und DRCM-Chef John Costas mussten die Bank verlassen. Der Bericht erinnert daran, dass die Positionen im zweitklassigen Hypothekenmarkt bis Ende des zweiten Quartals 2007 ausgebaut wurden. Erst im Juli habe das Management der Investmentbank den Ernst der Lage erfasst. Allerdings gab es nie einen übergreifenden Bericht zu den in Amerika eingegangenen Risiken.
Die Wahl des Juristen Kurer, der bisher dem Konzernvorstand angehört, gilt auf der Generalversammlung am Mittwoch als sicher. Auch die Bankenkommission wünscht ihn dem Vernehmen nach als Nachfolger Ospels. Widerstand kommt von dem früheren UBS-Chef Luqman Arnold. Seine Finanzgesellschaft Olivant hat vor wenigen Tagen ihre Beteiligung an der Bank von 0,7 auf 1,1 Prozent ausgebaut. Arnold will Kurer höchstens als Übergangslösung akzeptieren, da er zum Kreis der "alten Garde" gehöre und keine internationale Bankerfahrung besitze.
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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