12.03.2007 · Immer mehr Banken bieten unentgeltliche Girokonten an. Doch der Kunde sollte aufpassen, wenn er die Bedingungen vergleicht. Bei vielen Konten zahlt er auf andere Weise nämlich doch.
Von Christian SiedenbiedelEs scheint eine richtige Welle zu sein. Seit die Konjunktur wieder angezogen hat und die Banken, statt Kosten zu senken, wieder die Zahl ihrer Kunden steigern wollen, setzen immer mehr auf Null-Euro-Konten. Was etwa bei der Postbank oder den Sparda-Banken schon Tradition hat, gibt es nun auch beispielsweise bei der Commerzbank, der Dresdner Bank oder, von April an, bei der ING-Diba: ein Girokonto, für das man keine monatlichen Gebühren mehr zahlen muss. Die Welle scheint ein solches Ausmaß angenommen zu haben, dass sich Institute, die so etwas nicht anbieten, schon veranlasst sehen, auf ihrer Bilanzpressekonferenz zu verteidigen, warum sie das nicht für sinnvoll halten.
Dabei lohnt es sich, genauer hinzusehen. Wenn man die Null-Euro-Girokonten vergleicht, tauchen zwei grundsätzliche Unterschiede auf: einmal die Voraussetzungen, unter denen die Gebührenfreiheit gewährt wird. Und zweitens der Service, den man dafür in Anspruch nehmen kann. Während beispielsweise die ING-Diba behauptet, künftig das gebührenfreie Konto „für alle“ anbieten zu wollen, verlangen andere zum Teil erhebliche monatliche Mindesteingänge. So erwartet die Commerzbank, dass 1200 Euro im Monat eingehen müssen, die Frankfurter Sparkasse verlangt bei ihrem Online-Konto 1500 Euro Mindesteingang und die Postbank inzwischen 1250 Euro (früher: 1000 Euro). Bei der Citibank ist es etwas anders, dort muss man für die Gebührenfreiheit ein Guthaben bei dem Institut insgesamt (einschließlich Depots und Sparguthaben) in Höhe von 2500 Euro vorweisen.
Achtung beim Geld abheben
Aufpassen heißt es auch in anderer Hinsicht, wenn man die Bedingungen vergleicht. Kontoführungsgebühren sind schließlich nicht die einzigen Kosten, die bei einem Girokonto anfallen – und in vielen Fällen nicht die ausschlaggebenden. Je nachdem, wie viele Überweisungen jemand im Monat tätigt und wie oft er an sogenannten Fremdautomaten Geld abhebt, können die Gebühren dafür die Kontoführungsgebühren deutlich übersteigen. Einige Banken, beispielsweise die Deutsche, sind deshalb dazu übergegangen, mehrere Modelle anzubieten: solche, bei denen die Grundgebühr hoch ist und viele Leistungen einschließt, und solche, bei denen die Grundgebühr niedriger ist, man dafür aber bei jeder einzelnen Buchung extra zahlen muss.
Einer der „Klassiker“ günstiger Kontoführung ist das „DKB-Cash“-Konto der Deutschen Kreditbank – Testsieger bei einem Vergleich der Stiftung Warentest (Finanztest 8/2006). Das Institut bietet nicht nur ein unentgeltliches Girokonto mit Guthabenverzinsung an, sondern auch eine Kreditkarte ohne Grundgebühr. Allerdings betreibt sie kaum Filialen, die Kontoführung erfolgt über das Internet.
Ähnlich gut schneiden bei Vergleichen PSD- und Sparda-Banken ab. Sie bieten allerdings in der Regel nur für Kunden der jeweiligen Region ein unentgeltliches Girokonto an. Die PSD-Banken zahlen zum Teil sogar Guthabenzinsen. Beide Bankengruppen haben den Vorteil, dass sie auf Vorgaben zum Mindesteingang verzichten. Als Nachteil kann man empfinden, dass sie wenige Filialen haben und bestimmte Dienstleistungen nicht anbieten.
Zahlen für jede Überweisung
Die neuen Null-Euro-Konten unterscheiden sich unter anderem darin, für was man extra zahlt. So hebt die Commerzbank bei ihrem Modell hervor, auch die beleghaften Überweisungen seien unentgeltlich, für die etwa die Dresdner Bank bei ihrem Modell jeweils 1,50 Euro nimmt; was sich auf den Monat gerechnet zu einem nicht unerheblichen Betrag addieren kann.
Die Commerzbank berichtet in diesem Zusammenhang von einem „Run“ auf ihre neuen Girokonten, dessen man kaum Herr werde. Das sei einer der Gründe für den „verkaufsoffenen“ Giro-Samstag am 17. März in praktisch allen Commerzbank-Filialen.
Bei vielen Volksbanken und Sparkassen zahlt man bei den Filialkonditionen nach wie vor für jede Überweisung einzeln, diese schneiden dann bei Preisvergleichen mit Beispielkunden eher schlecht ab. Auf die Herausforderung der Direktbanken mit ihren niedrigen Kontoführungsgebühren haben allerdings einige der Filialinstitute so reagiert, dass sie neben dem „normalen“ Girokonto noch eines mit günstigeren Bedingungen anbieten, wenn der Kunde es „online“ führt. Hier sind meistens die einzelnen Transaktionen billiger oder unentgeltlich, wenn man sie mit „Pin“ und „Tan“ im Internet ausführt. Für Überweisungen am Schalter zahlt man jedoch wieder extra.
Guthabenzinsen können wegfallen
Dass eine Reihe der Banken günstige Bedingungen beim Girokonto primär zur Kunden-Gewinnung nutzen, erkennt man auch daran, dass bestimmte Leistungen auf Neukunden beschränkt sind. So zahlt die Citibank ihren Neukunden (oder solchen mit einem extrem hohen Depotvolumen) 3,25 Prozent Zinsen aufs Girokonto, im Normalfall nach Ablauf eines Jahres hingegen nur noch 0,1 Prozent.
Die ING-Diba schafft die Guthabenzinsen auf dem Girokonto zum 1. April ab zugunsten der Gebührenfreiheit. Ob die Veränderung für die Kunden eine Verbesserung oder Verschlechterung darstellt, hängt von der Höhe des durchschnittlichen Guthabens auf dem Girokonto ab. Bislang zahlte man vier Euro Gebühren im Monat, erhielt dafür aber 1,5 Prozent Guthaben-Zinsen im Jahr – bei mehr als 3200 Euro durchschnittlichem Guthaben auf dem Konto fuhr man also nach dem alten Modell besser.
Bei anderen Banken heißt es auf Nachfrage, sehr guten Kunden, etwa Geschäftsleuten, würden ebenfalls durchaus Guthaben-Zinsen auf dem Girokonto gewährt, und zwar immer schon – allerdings nur, wenn regelmäßig ein gewisser „Bodensatz“ auf dem Konto stehenbleibe. Die Höhe der Zinsen sei dann Verhandlungssache.
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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