14.06.2005 · Die Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredito läßt die Gerüchteküche am Finanzplatz Frankfurt brodeln. Hier die fünf heißesten Spekulationen des Tages.
Die Übernahme der Hypo-Vereinsbank (HVB) durch die italienische Unicredito läßt die Gerüchteküche am Finanzplatz Frankfurt brodeln. Hier die fünf heißesten Spekulationen des Tages.
1. WestLB und Commerzbank fusionieren
WestLB und Commerzbank schließen sich zusammen. Das angebliche Interesse der Commerzbank an einem Partner aus dem öffentlich-rechtlichen Sektor wird unter den WestLB-Mehrheitsgesellschaftern, den nordrhein-westfälischen Sparkassen, intensiv diskutiert. Oft genug hat WestLB-Chef Thomas Fischer in jüngerer Zeit öffentlich eine aktive Mitwirkung an der Konsolidierung am deutschen Bankenmarkt angeboten. Allein die Tatsache, daß Commerzbank und WestLB erste Sondierungsgespräche nicht dementiert, sondern nur eine Stellungnahme abgelehnt haben, wird unter Sparkassenvorständen als Indiz für einschlägige Überlegungen an der Spitze der beiden Großbanken gewertet.
Fischer gehörte zu den Architekten der Landesbank Baden-Württemberg, die inzwischen als regionales Spitzeninstitut mit Filialnetz sehr erfolgreich ist. Bei seiner Sanierungsaufgabe in Düsseldorf vermißte Fischer den Zugang zum Massengeschäft. Zudem kennt das frühere Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied keinerlei Berührungsängste zum privaten Bankensektor. Während unter Sparkassen noch gerätselt wird, welche Vorteile sie von einer solchen Partnerschaft haben könnten, liegt der Nutzen für die WestLB auf der Hand: ein zwar nicht sehr dichtes, aber über ganz Deutschland gezogenes Filialnetz und erhebliches Synergiepotential im Investmentbanking und Wholesale-Geschäft. Formaljuristisch wäre eine Beteiligung der Commerzbank an der WestLB zwar möglich. Aber als wahrscheinlicher gilt im Fall des Falles ein Engagement der WestLB, die gerade mit dem Kauf der Berliner Weberbank eine Privatbank übernimmt.
2. Die Deutsche Bank übernimmt die Deutsche Postbank.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat dem "Handelsblatt" (Dienstag-Ausgabe) gesagt, die im vergangenen Jahr erwogene, aber dann nicht weiterverfolgte Übernahme der Postbank wäre "strategisch gut" gewesen. Sein Haus sei bereit, "in allen Märkten, in denen wir schon vertreten sind, Banken zu übernehmen". Hintergrund ist, daß die Deutsche Bank Interesse am Ausbau ihres Filialgeschäfts hat. Denn erstens ist es lukrativ, zweitens schätzen es Investoren, weil Privatkunden stabilere Erträge abwerfen als das Investmentbanking. Das schlägt sich in einem höheren Aktienkurs und Börsenwert nieder. Allerdings hat die Deutsche Post mögliche Avancen postwendend zurückgewiesen: "Die Deutsche Post wird die Mehrheit an der Postbank behalten", sagte ein Sprecher am Dienstag. Den Markt überzeugte das Dementi nicht. Alles sei letztlich eine Frage des Preises, hieß es. Mit einem Börsenwert von 6,8 Milliarden Euro sei die Postbank selbst für das Börsenleichtgewicht Deutsche Bank gut zu stemmen. Post-Chef Klaus Zumwinkel dürfte sich nicht versperren, wenn der Großaktionär Bund einer Konsolidierung des deutschen Bankgewerbes den Weg bereiten wolle. Auch eine Beteiligung von knapp 30 Prozent gilt als möglich. So ließe sich eine Vertriebskooperation festigen.
3. Die Deutsche Bank übernimmt die Commerzbank
Dies vor allem, um eine Übernahme der Commerzbank durch eine ausländische Bank zu verhindern. Denn käme es dazu, sähe sich die Deutsche Bank auf ihrem Heimatmarkt zusätzlichem Wettbewerb ausgesetzt. Als ausländische Interessenten für die Commerzbank werden viele Namen genannt, von BNP Paribas über Royal Bank of Scotland bis zur Citigroup. Der Anstieg der Commerzbank-Aktie zeigt, daß die Börse diese Spekulationen ernst nimmt. Doch die BNP hat gerade für 1,36 Milliarden Dollar eine Regionalbank in Amerika gekauft.
4. Eine Auslandsbank unterbreitet eine Gegenofferte für die HVB
Diesen Spekulationen zufolge ist der Preis für die HVB sehr niedrig. Das könnte andere Interessenten anlocken. Als Kandidat gilt die niederländische ABN Amro, mit der die HVB in diesem Jahr zeitweilig ebenfalls verhandelt hat, oder auch die Deutsche Bank - aus defensiven Gründen. Eher unwahrscheinlich: Unicredito könnte das Gebot nachbessern.
5. Die Deutsche Bank steht vor Akquisitionen im Ausland.
Dieses Gerücht stimmt sogar. Vorstandssprecher Ackermann hatte selbst gesagt, die Bank plane "kleine bis mittlere Akquisitionen" in Schwellenländern, die ein hohes Wachstum aufweisen. In der Türkei beispielsweise war er schon fündig geworden. Nun wird mit Zukäufen in China und in der gesamten Region gerechnet. Doch auch hier sollten die Erwartungen nicht zu hoch gehängt werden. Ackermann geht es um Zukäufe, die leicht integriert werden können und das Wachstum aus eigener Kraft unterstützen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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