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Banken Deutsche Großbanken hinken internationaler Konkurrenz hinterher

18.11.2004 ·  Auch nach zwei Jahren mit Umstrukturierungen und hohen Verlusten hinken die deutschen Großbanken der internationalen Konkurrenz hinterher.

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Auch nach zwei Jahren mit Umstrukturierungen und hohen Verlusten hinken die deutschen Großbanken der internationalen Konkurrenz hinterher. Die Erlöse sprudeln längst nicht so kräftig wie erhofft, teilweise gab es im dritten Quartal sogar herbe Einbrüche. Die Ertragsstärke läßt weiterhin zu wünschen übrig: Zwar haben alle Häuser für die ersten neun Monate deutliche Zuwächse gegenüber der gleichen Vorjahresperiode ausgewiesen. Doch geht dies zum guten Teil darauf zurück, daß die Banken ihre Risikovorsorge deutlich zurückgefahren haben. Allerdings gibt es auch Lichtblicke. So haben die Institute ihre Kosten inzwischen im Griff. Und im großen und ganzen sind die Institute damit vorangekommen, sich auf zukunftsträchtige Kerngeschäftsfelder zu fokussieren.

"Im internationalen Vergleich sind die deutschen Banken weit abgeschlagen", sagt Banken-Analyst Dieter Hein von Fairesearch. Die Profitabilität sei weiterhin zu niedrig, die Risiken seien zu hoch. Die Börse sieht das ähnlich. Jedenfalls ist der Stoxx-Subindex für die europäischen Banken seit Jahresbeginn um 7,7 Prozent gestiegen. Demgegenüber haben die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank im Jahresverlauf jeweils rund 2 Prozent nachgegeben, das Papier des Allfinanzkonzerns Allianz, zu dem die Dresdner Bank gehört, verlor gut 6 Prozent. Die Aktie der Hypo-Vereinsbank (HVB) liegt sogar fast 8 Prozent unter ihrem Stand zu Jahresbeginn.

Dabei hat die HVB zuletzt trotz eines insgesamt schwachen Quartalsergebnisses rund 10 Prozent an Wert gewonnen - was prompt Spekulationen aufkommen ließ, eine andere Großbank kaufe sich ein. Interessant ist die HVB vor allem wegen ihrer Tochtergesellschaft Bank Austria-Creditanstalt, die in der Wachstumsregion Osteuropa stark positioniert ist und in den ersten neun Monaten 499 Millionen Euro zum Vorsteuerergebnis des Gesamtkonzerns von 643 Millionen Euro beigetragen hat. Als einer unter vielen Interessenten gilt die britische Großbank HSBC. "Das ist eine der wenigen Regionen, die auf der Karte der globalen HSBC noch ein weißer Fleck ist", sagt Georg Kanders, Banken-Analyst bei der WestLB. Allerdings müßte ein Käufer mit der HVB auch deren großes Deutschland-Geschäft übernehmen, das weiterhin ein Sanierungsfall ist.

Für die HSBC wäre eine Übernahme der HVB ein Klacks: Sie hat derzeit einen Börsenwert von knapp 150 Milliarden Euro, allein im ersten Halbjahr 2004 verdiente sie umgerechnet 5,5 Milliarden Euro. Demgegenüber wird die HVB an der Börse nur mit knapp 12 Milliarden Euro bewertet. Selbst die Deutsche Bank ist derzeit nur rund 35 Milliarden Euro wert - und liegt damit in Europa hinter den großen britischen, spanischen und schweizerischen Banken abgeschlagen auf Platz 10.

Nach einem guten Start ins Jahr 2004 sind bei den deutschen Großbanken im dritten Quartal neue Schwachstellen zutage getreten. Die Commerzbank mußte nach neuerlichen Verlusten ihr Investmentbanking zurückstutzen, was zu einem Quartalsverlust des Konzerns von 208 Millionen Euro führte. In einem Aufwasch hat die Bank nun gleich ihr gesamtes Firmenkundengeschäft neu aufgestellt. Auch die Deutsche Bank hat sich im Firmenkundengeschäft neu organisiert. Schon angekündigt ist ein Umbau der Vermögensverwaltung, weitere Sparprogramme stehen im Raum. Derzeit glaube kaum jemand, daß der Konzern das für 2005 angestrebte Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern erreichen könne, sagt Kanders. Die HVB muß ihr Deutschlandgeschäft voranbringen, die Dresdner Bank hat weiter mit dem Abbau ihrer Problemkredite und -beteiligungen zu tun.

Allen Häusern macht zu schaffen, daß die deutschen Unternehmen ihre Kreditnachfrage eingeschränkt haben. "Die Unternehmen investieren nicht, weil ihnen das Vertrauen in den Aufschwung fehlt", sagt Gerald Lüer, Leiter Value Management und Unternehmensfinanzierung bei der Commerzbank. Damit hat sich der Spieß gewissermaßen umgedreht: Nachdem die Banken in den vergangenen Jahren ihre Risikoaktiva - Kredite und Beteiligungen - kräftig abgebaut haben, würden sie nun gerne wieder mehr Kredite vergeben. Doch fehlt es nun an Nachfrage. Als Folge kommen die Kreditmargen, die sich zunächst gebessert hatten, wieder unter Druck. "Die Überkapazitäten zwingen einige Kollegen, Kredite wieder zu leichtfertig zu vergeben", beschrieb Jürgen Fitschen, der neue Deutschland-Chef der Deutschen Bank, unlängst die Situation. Die Zinsmargen gehen dabei laut Lüer vor allem bei Schuldnern mit guter Bonität nach unten. Bei Krediten an Kunden mit mittleren und schlechten Bonitäten gehen die Margen allerdings eher nach oben, da die neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel II) das Risikobewußtsein der Banken geschärft haben.

Der Abbau der Risikoaktiva und zuletzt wieder etwas schwächere Zinsmargen haben sich im Zinsüberschuß niedergeschlagen: Außer bei der Commerzbank ist er bei den Großbanken in den ersten neun Monaten zurückgegangen. Wichtiger für die Ertragsrechnung war freilich, daß alle Institute die Kreditvorsorge deutlich zurückgefahren haben. Den Vogel schoß dabei die Deutsche Bank ab: Im dritten Quartal stellte sie nur noch 83 Millionen Euro für mögliche Forderungsausfälle zurück, in den ersten drei Quartalen sank die Kreditvorsorge gegenüber dem Vorjahr von 894 auf 361 Millionen Euro. Zum Teil stehe dahinter, daß es 2004 bisher zwar viele kleine, aber kaum große Unternehmensinsolvenzen gegeben habe, sagt Hein. Zudem hätten alle Banken ihr Risikomanagement durch Nutzung neuer Instrumente wie Kreditversicherungen verbessert.

Die im dritten Quartal eher ungünstige Entwicklung an den Finanzmärkten hat einigen Häusern das Handelsergebnis kräftig verhagelt. Die Deutsche Bank hat sich dank ihrer Stärke im Zinsgeschäft allerdings beachtlich geschlagen. Für Kanders liegt in der starken Abhängigkeit des Konzerns vom volatilen Investmentbanking freilich weiterhin eine Schwäche. Die Anleger bevorzugten letztlich Aktien, die größere Ertragsstabilität versprechen. Doch erwartet Kanders, daß die Umstrukturierungen Früchte tragen werden. Er sieht die Deutsche-Bank-Aktie auf Jahresfrist bei 75 Euro, die Commerzbank-Aktie bei 21 Euro, und empfiehlt diese beiden Titel zum Kauf. Hein ist skeptischer: "Derzeit gibt es keinen Grund, deutsche Bank-Aktien zu kaufen", meint er und rät, deutsche Bankwerte unterzugewichten. (bf.)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2004, Nr. 271 / Seite 22
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