13.10.2004 · Die Deutsche Bank wird voraussichtlich schon in diesem Jahr mit deutlichen Einsparungen in ihrem Investmentbanking beginnen: Damit will sie ihrem Ziel näher kommen, im Jahr 2005 eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern zu erreichen.
Von Bettina SchulzDie Deutsche Bank wird voraussichtlich schon in diesem Jahr mit deutlichen Einsparungen in ihrem Investmentbanking beginnen: Damit will sie ihrem Ziel näher kommen, im Jahr 2005 eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern zu erreichen.
Die Geldhäuser Merrill Lynch und JP Morgan schätzen in jüngsten Analysen über die Deutsche Bank, daß vor allem die Zusammenlegung des Anleihe- mit dem Aktiengeschäft unter Leitung von Anshu Jain, der jetzt das Investmentbanking gemeinsam mit Michael Cohrs führt, zu einer Kostenvermindeurng von etwa 500 Millionen Euro im Jahr führen könnte. Stuart Graham von Merrill Lynch, der seine Analyse nach einer Präsentation von Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, auf einer Konferenz von Merrill Lynch in London schrieb, deutet sogar an, daß die Deutsche Bank bereits für 2004 Restrukturierungskosten von 400 Millionen Euro geltend machen könnte.
Die Deutsche Bank äußert sich zu derartigen Plänen nicht. Allerdings sagte Ackermann in London, daß die Deutsche Bank spätestens bei der Vorlage des Ergebnisses vom vierten Quartal dieses Jahres am 3. Februar 2005 einen Maßnahmenkatalog vorstellen wolle, mit dem das Renditeziel erreicht werden soll: Dazu gehörten Kosteneinsparungen, Maßnahmen zur Ertragssteigerung und besseren Allokation des Kapitals, nicht aber die Veräußerung von weiteren Industriebeteiligungen.
Analysten begrüßen Kostensenkungspläne bei der Deutschen Bank
Die Ankündigung von Ackermann in London, den Rotstift bei den Kosten ansetzen zu wollen, ist bei den Analysten positiv aufgenommen worden. Zwar bezweifeln Merrill Lynch und JP Morgan, daß die Deutsche Bank bereits im Jahr 2005 ihr Renditeziel erreichen wird. Aber beide Analysen heben hervor, daß die Deutsche Bank einen entscheidenden Schritt mache, um auf dem Weg zu ihrem Renditeziel voranzukommen.
JP Morgan schätzt, daß die Eigenkapitalrendite im nächsten Jahr bei knapp 20 Prozent liegen dürfte, Merrill Lynch erwartet 22 Prozent. Die angestrebten Kostensenkungen seien aber so gewichtig, daß die Deutsche Bank sogar ihr Ziel von 25 Prozent erreichen könnte, sollten sich die Kapitalmärkte besser entwickeln als bisher angenommen, meint Graham.
Abgesehen von möglichen Kostensenkungen im Asset Management von 150 bis 200 Millionen Euro, die der bisherige Chef Tom Hughes bereits angedeutet hatte, könnte vor allem Anshu Jain 300 bis 400 Millionen Euro durch die Zusammenlegung des Aktiengeschäftes mit dem Anleihegeschäft und die Restrukturierung des bisher weniger ertragreichen Aktiengeschäftes einsparen, schätzt Graham. Zwar hätten die Citigroup, Morgan Stanley, Merrill Lynch und JP Morgan die Zusammenführung dieser Geschäfte schon hinter sich, und viel habe sich am Geschäft letztlich nicht geändert, weil die Kunden das von den Banken angestrebte "cross selling" nicht mitmachten. Aber wenn es jemanden gebe, der die Trennung des Anleihe- und Aktiengeschäftes erfolgreich überwinden könne, dann sei dies Anshu Jain, der voraussichtlich auch den Anteil des vom Eigenhandel abhängigen Ertrages im Aktiengeschäft deutlich reduzieren werde, meint Graham.
Der Analyst Kian Abouhossein von JP Morgan schätzt, daß die größten Kostensenkungen in dieser Restrukturierung nicht im direkten Kundengeschäft, sondern in den allgemeinen Geschäftsbereichen (teils im sogenannten "back office") vorgenommen werden und hier womöglich 1900 Arbeitsplätze abgebaut werden könnten. Im "front office" könnten vielleicht 180 Arbeitsplätze betroffen sein. Im gesamten Investmentbanking der Deutschen Bank arbeiten gut 30 000 Mitarbeiter. Konkrete Entscheidungen über die Stellenstreichungen, die vor allem in London anfallen dürften, scheinen noch nicht gefallen zu sein, wenn dies auch bald geschehen müßte, sollte die Deutsche Bank in der Tat Restrukturierungskosten in die Bilanz für 2004 einstellen wollen.
Entgegen einiger Medienberichte betont Merrill Lynch im übrigen, daß das Risiko, das die Deutsche Bank mit ihren Geschäften einging (value at risk), lange unter dem der Konkurrenz gelegen habe und das Wachstum dieses Risikos im ersten Halbjahr ganz bewußt die Risikoreduktion der Deutschen Bank in anderen Bereichen zuvor ausgeglichen habe. Im übrigen sei das sogenannte "value at risk" im dritten Quartal wieder gesunken. "Wenn die Deutsche Bank jetzt auch noch den Eigenhandel im Aktiengeschäft reduziert, fragt man sich, ob die Bank überhaupt noch genug Risikogeschäft eingeht, um den entsprechenden Ertrag für eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent zu erwirtschaften", sagt Graham.
Immer noch große Abhängigkeit vom Investmentbanking
Merrill Lynch kritisiert allerdings, daß die Deutsche Bank trotz der jüngsten Veränderungen immer noch weit abhängiger vom Investmentbanking (Anteil 70 Prozent des Vorsteuergewinns) sei als die Konkurrenz UBS (47 Prozent), JP Morgan Chase (30) oder die Citigroup (26). Dies lasse sich offenbar nur schwer ändern, denn Ackermann hätte auch in London wiederholt, daß sich eine inländische deutsche Bankenübernahme zugunsten des Kleinkundengeschäftes für die Deutsche Bank nicht rechne. Diese mangelnde Diversifikation sei das wirkliche Problem der Bank und rechtfertige daher auch weiterhin einen Abschlag in der Bewertung gegenüber den Konkurrenten, sagt Merrill Lynch. Die Deutsche Bank wird derzeit nur zum Faktor 1,2 ihres Buchwertes gehandelt, die Citigroup hingegen zum Faktor 2,4, UBS zum Faktor 3,1 und JP Morgan Chase sogar zum Faktor 3,2.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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