03.05.2006 · Die Deutsche Bank hat erfolgreich gewirtschaftet: Der Nettogewinn stieg im Quartal um 55 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Zu dem Rekordergebnis trug maßgeblich das Investmentbanking bei. Der Ausblick: zuversichtlich.
Dank boomender Kapitalmärkte sowie Zuwächse in anderen Konzernbereichen hat die Deutsche Bank im Auftaktquartal einen Rekordgewinn erzielt. Deutschlands größtes Kreditinstitut übertraf die Erwartungen des Marktes deutlich. Vorstandschef Josef Ackermann ist mit den vorgelegten Zahlen auf gutem Weg, die angestrebte Rendite von dauerhaft 25 Prozent zu schaffen.
Nach Steuern sei von Januar bis März ein Gewinn von 1,7 Milliarden Euro verbucht worden, dies entspreche einem Anstieg von 55 Prozent im Vorjahresvergleich, teilte die Deutsche Bank am Mittwoch in Frankfurt mit. „Dies war das erfolgreichste Quartal in der Geschichte der Deutschen Bank“, erklärte Ackermann. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit 1,34 Milliarden Euro gerechnet. Die bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern kletterte um sieben Prozentpunkte auf 40 Prozent.
Die Aktie der Deutschen Bank verteuerte sich am Mittwoch um 1,5 Prozent auf 98,74 Euro und hat damit seit Jahresbeginn gut elf Prozent an Wert gewonnen. Zeitweise stieg das Papier bei 99 Euro sogar auf den höchsten Stand seit mehr als fünf Jahren.
„Das war ein sehr, sehr starkes Quartal“, kommentierte HVB-Analyst Andreas Weese.“Der große Treiber für die Überraschung war Sales& Trading, sowohl im Geschäft mit Aktien als auch Anleihen. Aber auch der Bereich Privatkunden und Vermögensverwaltung war besser als erwartet.“ Sein Kollege Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz ergänzte:“Das ist ein außergewöhnliches Ergebnis. Die im Handel erzielten drei Milliarden Euro sind weltweit selten erreicht worden.“ Es bestehe kein Zweifel, daß Ackermann sein Renditeziel erreiche. Experten gehen allerdings davon aus, daß die Deutsche Bank im Jahresverlauf das Niveau der ersten drei Monate nicht ganz halten kann.
Zuversicht gewachsen
Die Bank hat jedoch am Mittwoch den Ausblick für das laufende Jahr bekräftigt. Man gehe weiter von einem zweistelligen Wachstum beim Ergebnis je Aktie aus, sagte Finanzvorstand Clemens Börsig in einer Telefonkonferenz. Er stellte zudem eine „Überarbeitung“ der Ziele im zweiten Halbjahr in Aussicht, falls sich die positive Entwicklung fortsetze. Die Bank sei nach dem ersten Quartal nun zuversichtlicher als bislang, so Börsig.
Der Schweizer Ackermann hatte vor drei Monaten in Aussicht gestellt, nachhaltig eine Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25 Prozent sowie zweistellige Zuwachsraten beim Ergebnis je Aktie erzielen zu wollen. Als Grund für das gute Abschneiden zum Jahresbeginn 2006 nannte Ackermann die weltweit starken Kapitalmärkte, zahlreiche Übernahmen vor allem in Europa sowie eine hohe Nachfrage im Vermögensanlagebereich. „Wir profitierten in vollem Umfang von unserer starken Marktstellung“, resümierte er.
Insgesamt verbuchte die Deutsche Bank im Auftaktquartal einen Ertragsanstieg von 21 Prozent auf acht Milliarden Euro. Haupttreiber hierfür war einmal mehr das Investmentbanking, aber auch die anderen Sparten der Bank konnten - auf niedrigerem Niveau - deutliche Zuwächse verbuchen. Die Erträge im Verkauf und Handel von Rententiteln verbesserte die Bank trotz steigender Zinsen um 19 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Im Aktienbereich kletterten die Erlöse gar um 90 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Auch das Emissions- und Beratungsgeschäft legte zu, während das Kreditgeschäft ein Minus verzeichnete. Insgesamt sorgte die Konzernsäule Firmenkunden und Investmentbanking (CIB) für einen um Sondereffekte bereinigten Vorsteuergewinn von 2,1 (Vorjahr: 1,6) Milliarden Euro.
Kaum Sondereffekte
Die zweite Konzernsparte, das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung (PCAM), verbuchte einen Anstieg des bereinigten Vorsteuergewinns um 37 Prozent auf 558 Millionen Euro. Hierzu steuerte das Privatkundengeschäft alleine 321 Millionen Euro bei und legte damit um 31 Prozent zu.
Anders als im vergangenen Jahr verzeichnete die Bank kaum Sondereffekte. So schlugen lediglich 42 Millionen Euro an Restrukturierungskosten zu Buche, während zugleich Gewinne aus Beteiligungsverkäufen von 126 Millionen Euro realisiert wurden. Die Trennung von der Immobilienbank Eurohypo war darin mit 85 Millionen Euro enthalten.
Die Kosten im Auftaktquartal bezifferte die Bank auf 5,4 Milliarden Euro - ein Anstieg von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wegen der Auflösung bereits gebildeter Rückstellungen fiel die Risikovorsorge mit vier (2005: 81) Millionen Euro marginal aus.
Die Zahl der Mitarbeiter legte nach Jahre langen Stellenstreichungen weltweit um 676 auf 64.103 (Vorjahr: 63 427) zu, in Deutschland ging sie hingegen auf 26.247 (Vorjahr: 26.336) leicht zurück. Dafür seien im Vertrieb des Privat- und Firmenkundengeschäfts 216 neue Mitarbeiter eingestellt worden. Die Zahl der Filialen im Inland nahm um zwei auf 834 ab.
Weiter Querschüsse von Leo Kirch
Während das Geschäft so gut wie nie läuft, dauern die Querschüsse des Münchener Medienunternehmers Leo Kirch, der die Bank seit Jahren mit Prozessen überzieht, an. Dessen Vertrauter Dieter Hahn rief am Mittwoch in Zeitungsanzeigen die Aktionäre auf, eine Klage gegen den scheidenden Aufsichtsratschefs Rolf Breuer zu unterstützen. Auf diese Weise will Kirch Regresszahlungen des einstigen Vorstandschefs an das Kreditinstitut durchsetzen.
Der Medienunternehmer wirft Breuer vor, 2002 absichtlich in einem Interview seine Kreditwürdigkeit in Frage gestellt und damit den Zusammenbruch seines Konzerns ausgelöst zu haben. Im Dezember hatte der Bundesgerichtshof Kirchs Forderung nach Schadensersatz im Grundsatz für rechtens befunden. Hahn argumentierte in der Anzeige, Breuer habe der Bank mit seinem Interview „immensen Schaden“ zugefügt. Der Aufsichtsrat sei seiner gesetzlichen Pflicht, ihn in Regress zu nehmen, aber nicht nachgekommen. Vor gut einem Monat hatte Breuer seinen Rücktritt als Aufsichtsratschef angekündigt, um die Bank nicht weiter mit der Diskussion um seine Person zu belasten. Sein Nachfolger wird an diesem Donnerstag Finanzchef Clemens Börsig.
In einem guten Geschäft gewinnen alle beteiligten
Sophia Orti (rum)
- 03.05.2006, 13:01 Uhr
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