01.12.2004 · Die Entscheidung über einen Stellenabbau ist gefallen: Das größte deutsche Geldinstitut streicht in den kommenden zwei Jahren im Inland rund 2.000 der 27.000 Stellen - vor allem in der Verwaltung, nicht im Filialgeschäft.
Die Deutsche Bank will in den nächsten zwei Jahren etwa sieben Prozent ihrer mehr als 27.000 Stellen im Inland streichen. „In Deutschland werden 1920 Stellen wegfallen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank am Mittwoch in Frankfurt. Der Vorstand habe den Gesamtbetriebsrat darüber informiert.
Nach derzeitiger Planung würde sich die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland in den nächsten zwei Jahren demnach auf 25.410 von 27.330 reduzieren, hieß es in einer Mitteilung der Bank. Hintergrund sind Einsparungen bei den internen Abläufen in Verwaltung und Abwicklung. Da im Gegenzug etwa 350 neue Arbeitsplätze bei Tochtergesellschaften entstehen sollen, fallen netto rund 1920 Stellen weg.
Der Markt wertete diese Botschaft positiv: Die Aktie der Deutschen Bank notierte mit einem Plus von 1,2 Prozent zwar nur leicht besser als der Gesamtmarkt, aber deutlich besser als die übrigen deutschen Bankenwerte. Analysten werteten die Nachricht in einer ersten Reaktion ebenfalls positiv. Durch den Stellenabbau würden Prozesse verschlankt, ohne daß dabei zugleich Erträge wegfielen.
Im Filialgeschäft keine Einschnitte
Wie bereits bekannt, wird das Personal in den Abwicklungsbereichen - dem so genannten Back-Office - eingespart, während es im Filialgeschäft mit Kundenkontakt keine Einschnitte geben soll. Die Bank wolle mehr in die Beratung investieren. „Wir haben uns vorgenommen, die Leistungen für unsere Kunden deutlich zu verbessern. Nach diesem Prinzip richten wir jetzt unsere Organisation in Deutschland aus“, sagte der neue Deutschland-Verantwortliche der Bank, Jürgen Fitschen. Von dem Stellenabbau sind verschiedene Bereiche, von der Administration in der Handelssparte bis hin zu Informationstechnologie, Personal und Buchführung betroffen.
Geplant sei, den Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen und innerhalb der nächsten 24 Monate über die Bühne zu bringen. Fitschen hat damit als erster im erweiterten Vorstand das Einsparpotenzial für seinen Geschäftsbereich quantifiziert.
Zum Ende September beschäftigte die Deutsche Bank im Konzern 65.374 Menschen, davon 27.330 in Deutschland. Zum Amtsantritt von Vorstandssprecher Josef Ackermann im Mai 2002 hatte das Institut noch rund 85.000 Vollzeitkräfte.
Streichliste auch im Investmentbanking
Die Deutsche Bank hatte jüngst ihr Investmentbanking verschlankt und wird auch in diesem Bereich erstmals im großen Umfang Stellen streichen. Bisher wird davon ausgegangen, daß auch in der von Anshu Jain und Michael Cohrs geführten Corporate and Investment Bank etwa 2000 Banker gehen müssen, der Großteil davon in den Abwicklungsbereichen.
Wie viele Stellen letztendlich außerhalb Deutschlands wegfallen, will die Deutsche Bank erst in einigen Wochen, spätestens aber Anfang Februar, bekannt geben. In Bankenkreisen hieß es, auch in der von Kevin Parker geleiteten Vermögensverwaltung gebe es Spielraum für eine vereinfachte Produktstruktur und weniger Doppelarbeit, so daß hier ebenfalls mehr als 1000 Stellen zur Disposition stehen könnten.
Im Vergleich zum Mai 2002, als Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sein Amt als Vorstandschef antrat, beschäftigt das Institut heute schon 20.000 Mitarbeiter weniger. Analysten gehen davon aus, daß weitere 2000 Arbeitsplätze in London wegfallen müssen, damit der deutsche Branchenprimus seine angestrebte Rendite von 25 Prozent auf das eingesetzte Eigenkapital bis Ende kommenden Jahres erreicht. Medienberichten zufolge haben die Umstrukturierungen im Bankensektor 2002 und 2003 insgesamt rund 50.000 Arbeitsplätze gekostet. Zuletzt hatte die Commerzbank angekündigt, im Investment-Banking 900 Stellen zu streichen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.580,70 | +1,01% |
| EUR/USD | 1,2465 | −0,19% |
| Rohöl Brent Crude | 106,30 $ | −0,51% |
| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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