Home
http://www.faz.net/-gqi-pwef
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Banken Deutsche Bank macht 2,5 Milliarden Euro Gewinn

03.02.2005 ·  Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr wieder an Gewinnhöhen aus der Zeit vor der Bankenkrise angeknüpft. Der Gewinn vor Steuern stieg 2004 um die Hälfte auf 4,1 Milliarden Euro.

Artikel Lesermeinungen (0)

Die Deutsche Bank hat im vergangenen Jahr wieder an Gewinnhöhen aus der Zeit vor der Bankenkrise angeknüpft. Der Gewinn vor Steuern stieg 2004 um die Hälfte auf 4,1 Milliarden Euro. Nach Steuern erhöhte sich das Ergebnis um 87 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Ein ähnlich hohes Ergebnis hatte die Deutsche Bank zuletzt im Jahr 2000 erzielt. Daran sollen die Aktionäre mit einer höheren Dividende beteiligt werden. Der Vorstand schlage vor, diese von 1,50 Euro auf 1,70 Euro je Aktie anzuheben, sagte Vorstandssprecher Josef Ackermann am Donnerstag in Frankfurt auf der Bilanzpressekonferenz. Dies wäre die zweite Anhebung in Folge, nachdem für die Jahre 2000 bis 2002 die Ausschüttung jeweils 1,30 Euro betragen hatte.

Trotz dieses Erfolgs hält Ackermann an seinem rigorosen Sparkurs und dem geplanten Abbau von 5200 Stellen netto fest. Um bis Ultimo eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern zu erreichen, müsse der Gewinn im laufenden Jahr nochmals kräftig gesteigert werden, sagte Ackermann. Das Ergebnis vor Steuern und vor den Kosten der laufenden Restrukturierung müsse um rund 1 Milliarde Euro auf 6 Milliarden Euro steigen. Für das abgelaufene Jahr weist die Bank eine Eigenkapitalrendite von 16,7 Prozent vor Steuern aus. Allerdings betonte Ackermann zugleich, daß die Bank eine hohe Rendite auf ihr Eigenkapital anstrebe und keine feste Größe beim Gewinn.

"Unser Problem ist nicht das Wachstum", sagte Ackermann und verwies auf die hohen Kosten. So sei das Verhältnis zwischen Kosten und Erlösen mit 79,4 Prozent im internationalen Branchenvergleich zu hoch. Der Stellenabbau hatte schon im vierten Quartal die Ertragsrechnung der Bank belastet. Wegen der Sonderbelastungen von 574 Millionen Euro fiel der Quartalsgewinn gegenüber dem letzten Quartal 2003 um 38 Prozent auf 418 Millionen Euro vor Steuern zurück. Im laufenden Jahr fielen weitere Sonderbelastungen aus dem Stellenabbau an. Die Restrukturierungskosten, die bankintern unter dem Schlagwort "Business Realignement Program" laufen, addieren sich somit auf insgesamt 1,3 Milliarden Euro.

Um die angestrebte Eigenkapitalrendite zu erreichen, sei außerdem ein Ertragswachstum von 4 Prozent notwendig. Diese Steigerung soll offenbar maßgeblich aus dem laufenden Geschäft kommen. Denn Ackermann legte für 2005 keinen Investitionsplan vor zur Erschließung neuer Märkte oder zum Aufbau neuer Geschäftsfelder. So beklagten Analysten in ersten Reaktionen mangelnde Ertragsperspektiven in Ackermanns Programm. Dennoch zählte die Deutsche-Bank-Aktie mit einem Gewinn von 1,3 Prozent zu den Tagesgewinnern unter den Standardtiteln an den deutschen Aktienmärkten.

Für das laufende Jahr hat Ackermann ein "moderates Wachstum der Risikoaktiva" angekündigt, nachdem diese 2004 weiter reduziert wurden: So wurden die Problemkredite um 62 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro gesenkt und die Forderungen aus dem Kreditgeschäft um 48 Prozent auf 139 Milliarden Euro. Allerdings seien die Darlehen an den finanziell notleidenden Baukonzern Walter Bau komplett im Jahr 2004 wertberichtigt worden, so daß dieses Engagement die Ergebnisrechnung im laufenden Jahr nicht mehr belasten könne.

Als wichtigste Ertragsstütze der Deutschen Bank erwies sich zum wiederholten Male das Kapitalmarktgeschäft. Das Ergebnis vor Steuern ist hier auf 3 Milliarden Euro gestiegen. Im Investmentbanking habe die Bank Rekorderlöse von 13,3 Milliarden Euro erreicht, sagte Ackermann. Bis August 2008 habe die Bank für ihre Investmentbanker und andere Führungskräfte als Teil der Entlohnung insgesamt 57,5 Millionen Aktienanrechte bereitgestellt. Im Februar kämen rund 13 Millionen Anrechte hinzu, die bis August 2009 lieferbar seien.

Auch im Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden, das mit der Vermögensverwaltung zusammengefaßt ist, sieht Ackermann Fortschritte. Das Ergebnis sei von 1,1 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro gestiegen. Damit habe dieser Geschäftsbereich das für 2004 angestrebte Ziel erreicht. Der Anteil dieses Bereichs am Gesamtergebnis vor Steuern ist somit auf ein Drittel gestiegen. Für die seit Jahren defizitäre institutionelle Vermögensverwaltung in Großbritannien werde eine Lösung gesucht. Die Bank hat 2004 hier immer wieder Mandate verloren. Das Gewicht dieses Geschäfts für die Deutsche Bank solle nicht überschätzt werden.

Ackermann verteidigte insbesondere das Aktienrückkaufprogramm der Bank. Dieses diene dem Ziel, die Eigenkapitalrendite zu steigern. "Ohne den Aktienrückkauf wäre unsere Kapitalquote auf 12 Prozent gekommen, und die Eigenkapitalrendite wäre entsprechend schlechter", sagte Ackermann. Derzeit beträgt die Kapitalquote 8,7 Prozent und liegt damit im Zielkorridor der Bank. "Wir haben schon ein Re-Rating erlebt", sagte Ackermann und meinte damit, daß die Anleger die Aktie der Bank günstiger einstuften. Auf der Hauptversammlung im Mai will Ackermann die Genehmigung für ein weiteres Aktienrückkaufprogramm einholen, das maximal 10 Prozent des Kapitals betragen darf. Dies wäre das vierte Programm.

Ackermann wiederholte sein Bekenntnis zum deutschen Markt: Die Deutsche Bank verstehe sich als "eine in Deutschland verankerte, globale Bank". Deutschland mache zwar nur 32 Prozent des Geschäfts aus, sei für die Bank aber ein Wachstumsmarkt. Auf die Frage, ob die Deutsche Bank im Falle einer Verschärfung der Bankenkrise bereitstehe, antwortete er: "Wir sind primär unseren Aktionären verpflichtet." Eine ertragsstarke Bank zu sein, sei auch für Deutschland das Beste. (hlr.)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.02.2005, Nr. 29 / Seite 15
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Förderlücke

Von Heike Göbel

Der Gesetzentwurf zum Betreuungsgeld ist ein Ausweis unbelehrbaren Glaubens an die unbegrenzte Leistungsfähigkeit des Sozialstaates. Dass Eltern ihre Kinder, wie seit Menschengedenken, unbezahlt hüten, ist in Deutschland offenbar nicht mehr denkbar. Mehr 8 7

29.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.396,84 +1,16%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.394,15 +1,26%
Dow Jones 12.580,70 +1,01%
EUR/USD 1,2465 −0,19%
Rohöl Brent Crude 106,30 $ −0,51%
Gold 1.579,50 $ +0,31%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.