20.01.2005 · Josef Ackermanns Sparprogramm ist gestartet: In London und New York haben 2.000 Banker ihre Kündigung erhalten, hinzu kommen 2.000 Stellenstreichungen in Deutschland - Weiterer Abbau nicht ausgeschlossen.
Die Deutsche Bank hat in ihrem Investmentbanking in London und New York mit einer umfangreichen Entlassungswelle begonnen. Hunderte von Mitarbeitern haben allein in London in diesen Tagen ihre Kündigung auf den Tisch bekommen, mit dem Angebot einer „Restrukturierungsabfindung“.
Insgesamt sollen im globalen Investmentbanking der Deutschen Bank nach Angaben aus Finanzkreisen 4000 bis 6000 Mitarbeiter entlassen werden, eingerechnet der bereits angekündigten knapp 2000 Stellenstreichungen in Deutschland. Ende September 2004 zählte der Konzern gut 65.000 Mitarbeiter, davon 31.200 im Investmentbanking.
Zusammenlegung von Abteilungen
Abgesehen von dem Stellenabbau in Deutschland geht es in London und New York zunächst um die Streichung von etwa 2000 Stellen. Sie entfallen, weil die Deutsche Bank Abteilungen vom Anleihe- und Aktiengeschäft zusammenlegt und daher kräftig rationalisieren kann. Zudem gibt es umfangreiche Stellenstreichungen in den Abwicklungsabteilungen, dem sogenannten Backoffice.
Allerdings werden auch im Londoner Corporate Finance, also der Beratung von Firmenkunden, Arbeitsplätze abgebaut, weil der neue Deutschlandchef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, durchgesetzt hat, einen größeren Teil der deutschen Kunden von Deutschland aus zu betreuen. Auch hier wird bisheriges Parallelgeschäft der Bank abgebaut. Im prosperierenden Asiengeschäft stellt die Deutschen hingegen verschiedentlich Mitarbeiter ein.
Rigorose Kostensenkung
Die Kündigungen in London und New York sind Teil des Programms von Vorstandssprecher Josef Ackermann, rigoros die Kosten zu senken, um die angestrebte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern zu erreichen und die Bank gegenüber der Konkurrenz wettbewerbsfähiger zu machen. Erst am vergangenen Freitag hatte die Deutsche Bank bekanntgegeben, daß die Restrukturierung in Deutschland das Ergebnis der Bank im vierten Quartal 2004 um 600 Millionen Euro belasten werde. 500 Millionen Euro davon entfallen auf Abfindungen und personalbezogene Kosten für Mitarbeiter, die im Laufe des Jahres 2005 entlassen werden, deren Entlassungen aber jetzt schon feststehen.
Deren Abfindungspakete dürfen daher nach amerikanischer Rechnungslegung schon in die Gewinn- und Verlustrechnung für das vierte Quartal 2004 eingestellt werden. Es ist allerdings zu vermuten, daß es bei der Belastung von 600 Millionen Euro nicht bleiben wird, und die Bank auch für dieses Jahr hohe Restrukturierungskosten einplant. Kian Abouhossein, Bankanalyst von JP Morgan, hat berechnet, daß die Deutsche Bank 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro Kosten einsparen muß, wenn sie eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreichen will.
Einsparung von 840 Millionen Euro
Mit den knapp 2000 Stellenstreichungen in Deutschland dürfte die Bank 240 Millionen Euro einsparen, mit 2000 Kündigungen im Investmentbanking 500 Millionen Euro und durch die Integration der sechs IT-Systeme im amerikanischen Asset Management etwa 100 Millionen Euro, schätzt JP Morgan. Diese Einsparungen von 840 Millionen Euro steigerten die Eigenkapitalrendite nur auf 23,1 Prozent. Es verbleibt nach der Berechnung von Abouhossein also noch Einsparbedarf von etwa 330 Millionen Euro. Legt man die jetzt angekündigte Restrukturierungsbelastung der Deutschen Bank von 600 Millionen Euro zugrunde, bliebe nach der Rechnung von JP Morgan ein etwa gleich hoher Kosteneinsparungsbedarf im Jahr 2005.
Dies könnte bedeuten, daß die Deutsche Bank nochmals etwa 1500 Mitarbeiter im Investmentbanking entlassen oder tiefe Einschnitte im amerikanischen Asset Management vornehmen müßte. Die Deutsche Bank verweist bei diesem Thema auf die Jahrespressekonferenz der Bank am 3. Februar, auf der Ackermann vor allem die Restrukturierung und die genaue Ausgestaltung der Kosteneinsparungen darlegen will.
| Name | Kurs | Prozent |
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| Gold | 1.579,50 $ | +0,31% |
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