22.01.2007 · Seit er den Mannesmann-Prozess ohne Verurteilung hinter sich gebracht hat, genießt es Josef Ackermann wieder, im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu sein. Trotzdem: Spätestens 2010 will er seinen Hut nehmen.
Die Erleichterung steht ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben. Seit er den Mannesmann-Prozess ohne Verurteilung hinter sich gebracht hat, genießt es Josef Ackermann wieder, im Rampenlicht der Öffentlichkeit zu sein. In der vergangenen Woche ließ der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank in Frankfurt keinen Neujahrsempfang aus. Locker wie selten zuvor mischte er sich unter die Gäste, ertrug lächelnd und geduldig die Fragen neugieriger Journalisten und zeigte Durchhaltevermögen. Er sprach seine Botschaft nicht aus, unmissverständlich war sie aber trotzdem: „Ich sitze wieder fest im Sattel.“
Und wie fest, schob Ackermann am Wochenende gleich in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ nach: „Ich werde dieses Jahr 59. Ich habe mir eigentlich immer gesagt, dass mit 62 spätestens mein aktives Berufsleben abgeschlossen ist.“ 62 Jahre alt wird Ackermann zur Hauptversammlung 2010 sein, wenn sein im vergangenen Jahr verlängerter Vertrag ausläuft.
In den Aufsichtsrat wechseln will er nicht
Ackermann bekräftigte zudem, was er auch schon in der Vergangenheit kolportierte: In den Aufsichtsrat will er nicht wechseln. „Ich bin der festen Meinung, dass der Vorstandsvorsitzende im Normalfall nicht in den Aufsichtsrat wechseln sollte.“ Ein Seitenhieb auf eine in Deutschland gängige Praxis: In 14 der 30 Unternehmen des Deutschen Aktienindex Dax wird der Aufsichtsrat vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden geleitet. Ackermann spricht aus eigener Anschauungspraxis: Er sitzt beispielsweise im Aufsichtsrat von Siemens, wo mit Heinrich von Pierer der ehemalige Vorstandsvorsitzende den Vorsitz innehat.
Wer in der Deutschen Bank das Erbe von Ackermann als Vorstandsvorsitzendem antreten könnte, scheint noch völlig offen zu sein. Auf die spitzfindige Frage, ob denn sein Nachfolger Deutsch können müsse, sagte Ackermann, dass Deutsch sicher helfe, wenn man in Deutschland als Sprecher der Bank aufzutreten habe. Andererseits könne man die Sprache in einem so global aufgestellten Haus, das die besten Talente aus den verschiedensten Kulturen in Führungspositionen hat, nicht zum alleinigen Kriterium machen. Anders formuliert: Anshu Jain, der aus Indien stammende Chef des Kapitalmarktgeschäfts, ist ein potentieller Kandidat, zumal er jetzt auch Deutsch lernen soll.
„Wir sind eine Bank mit vielen Talenten“
Aber Jain ist eben nur ein Kandidat. „Wir sind eine Bank mit vielen Talenten. Da wird sich zur rechten Zeit schon die richtige Lösung finden“, sagt Ackermann. Und die rechte Zeit sieht er bestimmt noch nicht gekommen. Warum soll er auch schon jetzt, gut drei Jahre vor seinem geplanten Abgang, eine Nachfolgediskussion anzetteln? Das würde seine eigene Position unterminieren.
Vielmehr wird der Schweizer jetzt erst einmal die Ernte einer erfolgreichen Arbeit einfahren wollen, die in der öffentlichen Wahrnehmung von dem Mannesmann-Prozess überdeckt worden ist. Nie zuvor stand die Deutsche Bank operativ so gut da, wie das jetzt der Fall ist. Zur Bilanzpressekonferenz am 1. Februar wird Ackermann über einen Jahresüberschuss von 5 bis 6 Milliarden Euro berichten. Seine größte Herausforderung wird wohl sein, die Nachhaltigkeit dieser neu gewonnen Ertragsstärke sicherzustellen.
Auf dem Weg zum "Departure Lounge"?
Fionn Huber (fionn)
- 22.01.2007, 12:24 Uhr
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